Olympia 2012 IOC löscht Leipzigs Feuer
Lausanne - Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verweigerte Leipzig in Lausanne heute die Anerkennung als Kandidaten-Stadt für die Sommerspiele in acht Jahren. Neben Leipzig wurden auch Havanna, Istanbul und Rio de Janeiro abgewiesen. Zur Wahl durch die IOC-Vollversammlung am 6. Juli 2005 in Singapur hat die Exekutive nur London, Madrid, Moskau, New York und Paris zugelassen.
"Wir können stolz auf die Bewerbung sein. Man muss nicht den Mut verlieren. Wir lassen uns jetzt nicht in eine negative Stimmung hinein manövrieren", erklärte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) nach der von IOC-Präsident Jacques Rogge verkündeten Entscheidung, die auf der computerermittelten technischen Bewertung der Bewerber beruht. Demnach belegte Leipzig den sechsten Platz unter den neun Kandidaten. "Es ist enttäuschend, dass nur die Megastädte zum Zuge kamen", so Schily.
"Das Exekutivkomitee hat erkannt, dass Leipzig in dieser Phase nicht in der Lage ist, exzellente Spiele durchzuführen. Das Potenzial ist da, aber für 2012 ist es offenbar nicht genug", erklärte Rogge. Leipzig schied aus dem Bewerbungsrennen offenbar wegen der mangelnden allgemeinen Infrastruktur und wegen der Probleme bei der Beherbergung aus. "Man hat Leipzig bescheinigt, dass Olympische Spiele zum gegenwärtigen Zeitpunkt vielleicht eine halbe Nummer zu groß sind", sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. "Natürlich tut es sehr, sehr weh", kommentierte Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Absage, "wir haben mit Hingabe, mit Herzblut und viel Kraft gekämpft. Aber wir wussten, dass es ganz schwer wird."
Nächste Chance in weite Ferne gerückt
Mit Leipzigs frühzeitigem Scheitern erleben die deutschen Olympia-Ambitionen ihr zweites Debakel innerhalb von elf Jahren. 1993 hatte das gerade wiedervereinigte Berlin in der Endwahl für die Spiele 2000 gerade einmal neun von 89 Stimmen erhalten und lag damit weit abgeschlagen hinter Sydney, Peking und Manchester. Wird ein Europa-Kandidat von der IOC-Vollversammlung zum Ausrichter der Spiele nach Athen und Peking (2008) gekürt, ergibt sich für eine weitere deutsche Bewerbung erst für 2024 eine realistische Chance, weil 2016 wohl Nordamerika und 2020 die Dritte Welt an der Reihe wären.
Olympia-Vorentscheid: Trauer in Leipzig
NOK-Präsident Klaus Steinbach kündigte in Lausanne an, dass seine Organisation frühestens im November 2005 eine Grundsatzentscheidung über eine weitere Bewerbung treffen werde. Bei einem positiven Votum würde die Bewerbungsliste für alle interessierten Städte neu geöffnet.
Leipzig hatte sich am 12. April 2003 in München bei der Entscheidung des Nationalen Olympischen Komitees über den deutschen Bewerber gegen Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Stuttgart durchgesetzt.