Olympia 2012 steht kurz vor der Eröffnung - DER SPIEGEL
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Olympische Sommerspiele 2012: Großer Sport, große Angst

Foto: Jeff Haynes / REUTERS

London 2012 Countdown zu den Olympischen Spielen

Das Warten hat ein Ende: In Kürze werden die Olympischen Sommerspiele 2012 eröffnet. Die besten Athleten der Welt kämpfen in London um ihren Traum von der Goldmedaille, darunter zahlreiche deutsche Sportler. Geschützt werden sie durch gigantische Sicherheitsmaßnahmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Top-Sprinter Usain Bolt will über 100 Meter eine neue Bestmarke aufstellen. Schwimmstar Michael Phelps muss seine Klasse gegen Konkurrent Ryan Lochte beweisen. Und Stabhochspringerin und Weltrekordhalterin Jelena Issinbajewa jagt neue Höchstleistungen. Na, kribbelt es schon?

In wenigen Stunden werden die 30. Olympischen Sommerspiele in London eröffnet, es ist das Sport-Highlight des Jahres. Mehr als 10.000 Athleten aus über 200 Nationen nehmen an den Wettkämpfen teil. Darunter 392 Sportler aus Deutschland, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit einigen Hoffnungen nach England geschickt hat.

Der Chef der deutschen Olympia-Mission, Michael Vesper, sagte, der Maßstab für das deutsche Team seien die Sommerspiele vor vier Jahren in Peking. Dort hatte Deutschland mit 41 Medaillen - 16 Gold, zehn Silber, 15 Bronze - den fünften Rang in der Nationenwertung belegt.

In London kämpfen die Athleten in den kommenden 16 Tagen in insgesamt 302 Entscheidungen und 26 Sportarten um Medaillen. Außer den deutschen Hockey-Herren und dem Ruder-Achter gibt es weitere Gold-Hoffnungen: Kann Britta Steffen ihren Doppeltriumph von 2008 wiederholen? Krönt Diskuswerfer Robert Harting seine Karriere mit einer olympischen Goldmedaille? Und wie weit kommt Tischtennis-Ass Timo Boll?

Sicherheit in London: Allmorgendliche Treffen von MI5, MI6 und Scotland Yard

Die sportlichen Momente sollen bei London 2012 natürlich im Vordergrund stehen, doch in die Vorfreude mischen sich Unbehagen - und schlimme Erinnerungen: Diese Olympischen Spiele gelten als potentielles Terrorziel. Am Tag, nachdem die Stadt im Juli 2005 den Olympiazuschlag bekommen hatte, waren Bomben in öffentlichen Bussen und U-Bahnen explodiert. Daher haben die Olympia-Planer reihenweise Anschlagsszenarien durchgespielt.

Während der Spiele treffen sich jeden Morgen Vertreter der Geheimdienste MI5 und MI6, der Polizei Scotland Yard, des Innen- und Außenministeriums, um die Terrorgefahr auf der Basis der neuesten Informationen einzuschätzen. Die US-Behörden haben hundert eigene Beamte vor Ort, um die amerikanische Delegation zu schützen.

Konkrete Hinweise auf einen Anschlag haben die Behörden jedoch nicht. Die Wahrscheinlichkeit eines Terrorangriffs wird mit "durchaus möglich" bewertet, die dritte von fünf Sicherheitsstufen ist aktiviert.

Die Zahl der Sicherheitskräfte variiert von Tag zu Tag. An Spitzentagen werden 9500 Polizisten in London im Olympia-Einsatz sein. Die private Sicherheitsfirma G4S stellt rund 6000 Sicherheitskräfte zur Eingangskontrolle zu Wettkampfstätten. Dazu kommen 18.200 Soldaten, darunter viele Royal Marines. Spezielle Anti-Terror-Einheiten halten sich für Noteinsätze am Themseufer bereit. Über den Fluss können sie sich schnell durch die Stadt bewegen.

Für Aufregung sorgten im Vorfeld vor allem die Raketenbatterien, die an sechs Standorten rund um das Olympiagelände installiert wurden. Bewohner von zwei Apartmentblöcken wehrten sich vergeblich gegen die Rapier-Raketen auf ihren Dächern. Das Verteidigungsministerium blieb hart: Gegen Angriffe aus der Luft seien die Flugabwehrgeschosse unerlässlich.

Bleibt zu hoffen, dass bei den Spielen ausschließlich sportliche Schlagzeilen geschrieben werden.

chp/cvo