Olympia-ABC: Das Jahr der Gräfin - DER SPIEGEL
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Olympia-ABC Das Jahr der Gräfin

1988 überragte Steffi Graf die Konkurrenz: In einer ohnehin phantastischen Saison holte sie in Seoul auch noch die Goldmedaille. Lesen Sie außerdem im Olympia-ABC von SPIEGEL ONLINE, wie die US-Basketballer 1992 dominierten und wie Cathy Freeman 2000 eine Nation vereinte.
Von Heiko Oldörp und Jörn Pissowotzki
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Dream Team" (1992): 100.000 Dollar Startgeld kassierte jeder der zwölf Stars aus der nordamerikanischen NBA als Anreiz, bei Olympia 1996 in Atlanta für die USA-Basketballmannschaft zu spielen. Das erste "Dream Team" hatte bereits in Barcelona 1992 unter anderem mit den Legenden Earvin "Magic" Johnson und Michael "Air" Jordan die Gegner dominiert, düpiert und überlegen Gold gewonnen. Die Jungs waren damals nicht nur für spektakuläre Spielzüge, sondern auch für flotte Sprüche gut. Nachdem Charles Barkley in einem Spiel einem Angolaner seinen Ellbogen in die Seite geschlagen hatte, meinte er: "Ich wusste ja nicht, ob er vielleicht einen Speer dabei hatte." Und vor Atlanta 1996 schrieb DER SPIEGEL, das Shaquille O`Neal "fürchtet, er könne beim Dunking den ungeschickten Verteidigern aus Europa die Hände brechen".

Drechsler, Heike (16.12.1964): Pech im Spiel, "zeitweise" Glück in der Liebe. Weil viele kommunistische Länder 1984 die Spiele von Los Angeles boykottierten, konnte die damalige Weltmeisterin Heike Daute dort nicht an den Start gehen. Stattdessen heiratete die Thüringerin ihren Jugendfreund Andreas Drechsler, von dem sie sich später jedoch scheiden ließ. 1992 und 2000 wurde Drechsler Olympiasiegerin im Weitsprung.

Emmons, Matthew (5.4.1981), hatte in Athen 2004 schon eine Goldmedaille im Kleinkaliber liegend gewonnen. Der amerikanische Schütze vergab im Dreistellungskampf dann das sichere zweite Gold, weil er versehentlich auf die Zielscheibe des Nachbarn schoss. Emmons wurde Achter.

Ewry, Ray (14.10.1873 - 29.9.1937), erkrankte als kleiner Junge an Kinderlähmung und musste für einige Zeit im Rollstuhl sitzen. Dabei begann der Amerikaner mit intensivem Krafttraining, das die Grundlage für seine zehn Olympiasiege zwischen 1900 und 1908 in drei Standsprungdisziplinen war (zwei Goldmedaillen davon gewann er allerdings bei den Olympischen Zwischenspielen in Athen 1906, die offiziell vom IOC nicht anerkannt werden). Er zählt damit zu den erfolgreichsten Olympioniken der Geschichte. Ewry verlor keinen Wettkamp und wurde von seinen Landsleuten ehrfürchtig "Der menschliche Frosch" genannt.

Wie Cathy Freeman zur australischen Symbolfigur wurde und warum Joachim Fuchsberger bei Olympia 1972 in München eine Panik verhinderte

Fahrner, Thomas (2.7.1963): Der deutsche Schwimmer scheiterte bei Olympia 1984 in Los Angeles überraschend in der Qualifikation über die 400-Meter-Freistil. Dabei galt er als Mitfavorit. Grund für sein Scheitern: Fahrner wollte aus taktischen Gründen auf einer der Außenbahnen starten, um so die Favoritenbürde auf andere Schwimmer abzuladen. Doch er hatte sich verkalkuliert, schwamm nur die neuntbeste Zeit und kam damit nicht ins Finale der letzten Acht. Im B-Finale schwamm er dann mit Wut im Bauch - und zwar so schnell, dass seine Siegerzeit besser war als die des amerikanischen Olympiasiegers George Dicarlo. In Los Angeles holte Fahrner aber Bronze über 200 Meter Freistil und Silber mit der 4 x 200 Meter-Staffel. In Seoul kam 1988 eine weitere Bronzemedaille mit der Staffel hinzu.

Freeman, Catherine Astrid Salome, genannt Cathy (16.2.1973): Die australische Läuferin sorgte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney für den emotionalen Höhepunkt, als sie, umjubelt von ihren Landsleuten, die 400 Meter gewann. Ihr Sieg galt als Symbol für die Versöhnung des Landes mit der Aborigines-Volksgruppe, aus der sie stammte und die in Australien lange Zeit unterdrückt worden war. Kinder von Aborigines wurden teilweise bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ihren Eltern geraubt, zwangsadoptiert oder in Heime gesteckt. Freemans Großmutter war davon persönlich betroffen: Sie kannte laut Freeman ihr eigenes Geburtsdatum nicht. Deshalb habe die Familie selbst bei ihrer Beerdigung nicht gewusst, wie alt sie geworden sei. Nach ihrem Olympiasieg lief Cathy Freeman die Ehrenrunde mit der Fahne der Aborigines und der australischen Flagge.

Fuchsberger, Joachim (11.3.1927): Der Schauspieler und Moderator war Stadionsprecher während der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 1972 in München. Tage zuvor hatten Terroristen aus dem Nahen Osten israelische Sportler entführt und getötet. Fuchsberger wurde während der Schlusszeremonie am Fenster der Sprecherkabine ein Zettel gezeigt, auf dem fremde Flugobjekte im Anflug auf das Stadion angekündigt wurden, die Bomben abwerfen könnten. Fuchsberger solle sagen, was er für richtig halte, so die Aufforderung, während es auf der Ehrentribüne unruhig wurde. Mit viel Hoffnung und um eine Panik zu verhindern, entschied sich der Schauspieler, nichts zu sagen. So beschrieb es Fuchsberger in seiner Autobiografie "Denn erstens kommt es anders ..." Wie später herauskam, hatte sich der Pilot eines Flugzeugs verirrt.

Das beste Jahr in Steffi Grafs Karriere, und warum zwei Kanuten bei der Siegerehrung weinten

Gille, Christian (6.1.1976), und Wylenzek, Tomasz (9.1.1983), wurden 2004 in Athen Olympiasieger im Zweier-Canadier über 1000 Meter. Als sie sich acht Wochen zuvor für Athen qualifiziert hatten, wollte der Leipziger Gille seinen Kumpel und langjährigen Kompagnon im Boot, Thomas Zereske, davon unterrichten: Er erreichte aber nur die Mailbox. Zereske lag zu diesem Zeitpunkt im Sterben. Der Neubrandenburger hatte an einem Donnerstag erfahren, dass er an Leukämie erkrankt war, und starb am Montag darauf. Gille konnte sich nicht mehr persönlich verabschieden. Gille und Zereske waren sechs Jahre gemeinsam im Zweier-Canadier gefahren. Zereske wurde 38 Jahre alt. Bei der Siegerehrung in Athen zwei Monate später hatte Gille traurige Augen, Wylenzek weinte.

Graf, Stefanie Maria "Steffi" (14.6.1969): 1988 war das erfolgreichste Jahr ihrer Karriere. Die deutsche Tennisspielerin gewann alle vier Grand-Slam-Turniere und wurde in Seoul Olympiasiegerin im Einzel. Sie schaffte damit als erste Spielerin den "Golden Slam". Im Doppel gewann Graf 1988 außerdem Bronze an der Seite von Claudia Kohde-Kilsch. 1992 verlor sie das olympische Finale gegen die Amerikanerin Jennifer Capriati.

Lesen Sie morgen alles über den großen Abend von Nils Schumann, und welche Sportnote auf dem Abiturzeugnis von Turner Fabian Hambüchen steht.

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