Olympia-Gegner schimpfen auf den DOSB - DER SPIEGEL
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Deutsche Bewerbung Olympia-Gegner schimpfen auf Olympia-Funktionäre

Olympische Sommerspiele 2024 in Deutschland? "Größenwahn", meinen die Gegner der Bewerbung und greifen den Deutschen Olympischen Sportbund an. Es gebe in der Bevölkerung grundsätzliche Vorbehalte gegen Olympia.
DOSB-Chef Hörmann: "Zeigt sich lernunfähig und ignorant"
DOSB-Chef Hörmann: "Zeigt sich lernunfähig und ignorant"

DOSB-Chef Hörmann: "Zeigt sich lernunfähig und ignorant"

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa
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Hamburg - Das Bündnis "(N)Olympia-Hamburg" hat die geplante deutsche Bewerbung um die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 als Verschwendung von Steuergeldern kritisiert. "Dass Deutschland laut offizieller Olympia-Charta für 2024 gar keinen Zuschlag bekommen kann, da es höchstwahrscheinlich im selben Jahr Austragungsort der Fußball-EM sein wird, scheint nicht weiter zu stören", kommentierten die Olympia-Gegner auf ihrer Homepage die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sich mit Hamburg oder Berlin um die Spiele 2024 und im Falle eines Scheiterns 2028 erneut bewerben zu wollen.

Auch die Olympia-Gegner in der Hauptstadt reagierten mit heftiger Kritik auf die Entscheidung. "Der DOSB zeigt sich lernunfähig und ignorant", hieß es in einer Mitteilung von "NOlympia Berlin". Das Bündnis wolle "alles daran setzen, Berlin und Hamburg vor dem Olympischen Größenwahn zu bewahren. Berlin braucht vieles, aber keine Ausrichtung Olympischer Spiele".

Ein Hauptvorwurf der Gegner ist, dass sich der DOSB nur ein Jahr nach dem klaren Nein der Bürger zu einer Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2022 erneut um eine Ausrichtung bemühe. Schließlich gebe es die grundsätzlichen Vorbehalte gegen Olympia, horrende Kosten und Knebelverträge seitens des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) weiterhin. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Ausrichtung Olympischer Spiele stets deutlich teurer war, als zunächst angenommen. Und mit Großprojekten, deren Kosten explodieren, schlägt man sich in Berlin (Flughafen BER) und Hamburg (Elbphilharmonie) bereits seit Jahren herum.

Bürgerbefragung erst nach der Wahl der Stadt

Auch vor einer offiziellen Bewerbung um die Sommerspiele sollen die Bürger wieder befragt werden - allerdings erst nach der DOSB- Mitgliederversammlung am 21. März 2015, bei der sich der Verband auf eine Stadt festlegen will. In dieser wird es anschließend eine Bürgerbefragung geben. "Wir sind überzeugt, dass unser Bewerbungskonzept von einer breiten Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger unterstützt werden wird", sagte Hamburgs Sportsenator Michael Neumann. Berlins Sportsenator Frank Henkel sagte: "Der Senat wird die Zeit weiter nutzen, um für das Berliner Konzept zu werben und es gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern weiterzuentwickeln."

Der Ausgang der Bürgerbefragung dürfte, unabhängig von der Bewerberstadt, spannend werden. Zwar ist die grundsätzliche Zustimmung für Olympische Spiele laut einer DOSB-Umfrage angeblich hoch: Demnach sprachen sich im September in Hamburg 80 Prozent und in Berlin 79 Prozent für eine deutsche Bewerbung aus. Doch die Begeisterung für Olympia in der eigenen Stadt war sowohl in Berlin (48 Prozent) als auch in Hamburg (53 Prozent) deutlich geringer.

Sollten sich die Bürger der Bewerberstadt im kommenden Jahr für Olympische Spiele aussprechen, muss bis Herbst 2015 die Interessensbekundung beim IOC eingegangen sein. Bis März 2016 muss die Stadt dann das sogenannte "Mini Bid Book" abgeben, eine Art Mini-Bewerbungsmappe, die konkrete Planungen für die Sportstätten, das Olympische Dorf und die Infrastruktur enthält. Im Juni 2016 entscheidet das IOC, welches die Kandidaten-Städte sind, wahrscheinlich im Spätsommer 2017 fällt dann die Entscheidung, wer Ausrichter der Olympischen Sommerspiele 2024 sein wird.

Kandidatur der USA erwartet

Zwar hat noch keine Stadt offiziell erklärt, kandidieren zu wollen. Zu erwarten sind aber Bewerbungen aus den USA (mit Boston, Washington, Los Angeles oder San Francisco), Istanbul, Katar und Paris. Im Gespräch sind auch Rom, Baku, Melbourne, Casablanca und Durban. Da die Spiele 2012 in London stattfanden, 2016 Brasilien an der Reihe ist und 2020 Tokio, wird erwartet, dass erstmals seit 1996 (Atlanta) die Wahl wohl wieder auf eine Stadt in den USA fallen könnte.

ham/sid/dpa