Olympische Doping-Märchen: Schluss mit lustig - DER SPIEGEL
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Olympische Doping-Märchen Schluss mit lustig

Gewinnerinnen zeigen den Stinkefinger. Menschen namens Bin Laden und Micky Maus kommen problemlos ins Stadion - auch wenn sie Bombenattrappen dabei haben. Aber die lustigste Olympia-Geschichte ist weiterhin das Doping-Drama um die griechischen Sprinter: Die plagt nun angeblich Übelkeit.
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Athen - Die Olympischen Spiele werden immer lustiger. Die Schwimmer haben in ihrem Stadion durch den Wind manchmal das Gefühl, Gold fürs Surfen zu gewinnen, Typen, die sich mit gefälschten Akkreditierungen Bin Laden und Micky Maus nennen, kommen problemlos mit Bombenattrappen ins Olympiastadion, Gewinnerinnen zeigen den Stinkefinger und völlig unbekannte Südafrikaner schwimmen aus dem Nichts Traumzeiten und gewinnen Gold.

Die schönste Geschichte erzählen aber immer noch die griechischen Sprintstars Kostas Kenteris und Ekaterina Thanou. Ihr Motorradmärchen wird fortgesetzt. Heute sollten sie vor dem IOC erklären, wie das alles war mit den verpassten Dopingkontrollen, dem nächtlichen Ausflug auf der Maschine, der im Krankenhaus endete und sie bislang unpässlich macht.

Zielfahndung nach Sportlern

Aber der Reihe nach. Die beiden Griechen sind Dopingproben wiederholt aus dem Weg gegangen. Das Duo ist binnen drei Wochen drei Aufforderungen nicht gefolgt. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF bestätigte einen Tag vor der Vernehmung vor der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees in Athen, dass beide auch am 28. Juli in Tel Aviv einem beabsichtigten Test ausgewichen sind. Bisher waren nur versäumte Kontrollen am Donnerstag in Athen und eine Woche zuvor in Chicago bekannt geworden.

Naja, das mit Chicago kann man verstehen. Die Sportler, die für Dopingkontrollen immer erreichbar sein müssen, hatten sich gegenüber dem Verband nach Chicago abgemeldet - wo sie niemand auffand. Das ist erklärbar: Mittlerweile melden sich im griechischen Fernsehen Zeugen zu Wort, die das Team im besagten Zeitraum bei Korinth bewirtet haben.

Immer auf der Flucht

IAAF-Präsident Lamine Diack kam gestern aus der Deckung und bedauerte, Dopingfahndern sei es zwei Tage lang nicht gelungen, die Athleten in Chicago aufzutreiben. Die offizielle Erklärung: Sie hatten die USA früher als erwartet verlassen und waren zu einem Arztbesuch nach Deutschland geflogen. In München sitzt ein Arzt, der den beiden schon öfter mit Attesten und Alibis geholfen hat. Auch dort nahmen sie offenbar früher als geplant Abschied. Jedenfalls kamen die Fahnder wieder zu spät.

Laut Diack wurde deshalb in Athen eine Zielkontrolle angeordnet, der sich die Athleten ebenfalls entzogen. Das nennt man in anderen Zusammenhängen Zielfahndung: Beide blieben auch der fälligen IOC-Anhörung nach einem offenbar fingierten Motorradunfall fern. Noch nicht lustig genug? Okay.

Kenteris und Thanou wurden gestern vom Athener Staatsanwalt Dimitris Papaguelopoulos wegen ihrer Abwesenheit von der Dopingkontrolle und des Motorrad-Unfalls befragt. Offenbar blieb diese Untersuchung ohne nennenswertes Ergebnis. Das noch nicht sichergestellte Motorrad soll sich angeblich weiter in der Garage von Christos Tzekos befinden, dem ebenfalls bis zur IOC-Anhörung suspendierten Trainer des Duos.

Laut der Athener Zeitung "AVGI" soll Tzekos mit verbotenen Mitteln sogar handeln. "Der Mann, der hinter den Medaillen steht, wirbt im Internet auf seiner Website 'Chris Tzekos' für Substanzen, die auf der Doping-Verbotsliste stehen", schrieb das Blatt.

Im Rahmen der Legalität

Der Handlungsreisende in Sachen Gold hatte für die ganze Affäre bisher nur einen Satz über: "Wir haben uns immer im Rahmen der Legalität bewegt." Lustig.

Das griechische NOK hatte die Stars suspendiert - bis heute, damit das IOC dann die endgültige Entscheidung treffen kann. Begründung: "Mit dieser Entscheidung wollten wir die positive Stimmung im griechischen Olympiateam erhalten." Das ist unglaublich nett gemeint - nur ignoriert es die weniger lustige Stimmung im Rest der olympischen Familie. Clemens Prokop, Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees Deutschland (NOK) und Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), sieht den Vorgang so: "Diese Entscheidung des griechischen NOK wirkt etwas lächerlich. Man hätte vielleicht lieber nichts beschließen und auf die Anhörung am Montag verweisen sollen. Grotesk wäre es jetzt jedenfalls, wenn das IOC sie wieder starten lassen würde. Aber das hoffe ich nicht."

Übelkeit und Kopfschmerzen

Thomas Bach, IOC-Vize und Vorsitzender der IOC-Disziplinarkommission, versicherte: "Natürlich bleibt es bei der Anhörung." IOC-Präsident Jacques Rogge stellte bereits klar, man werde auch bei griechischen Dopingfällen nicht von der "Null-Toleranz-Grenze" abweichen.

Das befürchten die beiden Griechen wohl auch - und wollen sich die Anhörung heute ersparen. Ihr Unfall - lustiglustig - soll ihnen zwar böse wehgetan haben, aber doch nicht so, dass man nicht im Zweifelsfall doch noch starten könnte. Von Abschürfungen, Prellungen und einem Schleudertrauma war bisher die Rede.

Doch angesichts der unlustigen Kräfte außerhalb ihres Krankenlagers, ziehen sie eine Verlängerung des Asyls vor. Ihre Ärzte teilten gestern Abend mit, die beiden müssten doch noch länger im Krankenhaus bleiben. Thanou habe Probleme mit dem Blutzucker (dagegen müsste Tsekos doch ein Mittel besitzen). Kenteris verspüre Kopfschmerzen und Übelkeit. Letzteres ist zwar fast metaphorisch. Aber für beide gilt irgendwann: Schluss mit lustig.