Olympische Luft: Mit Asthma auf das Siegertreppchen - DER SPIEGEL
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Olympische Luft Mit Asthma auf das Siegertreppchen

Smog über der Ruderstrecke, Feinstaub im Stadion: Neun Monate vor Olympia herrscht über Peking noch dicke Luft. Die Organisatoren versprechen Besserung, das IOC hofft darauf - die Sportler haben sich damit schon arrangiert.
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Hamburg - Die Ausbeute konnte sich sehen lassen. Dreimal Gold, sechsmal Silber und einmal Bronze fuhren die deutschen Ruder-Junioren Anfang August bei der Weltmeisterschaft auf der Olympischen Regattastrecke in Peking ein. Allerdings liefen die Rennen nicht ohne Komplikationen ab: Einige der deutschen Nachwuchsruderer mussten schon nach wenigen Tagen wegen Asthma- und Bronchitissymptomen behandelt werden. Zweimal täglich inhalieren und Tabletten lutschen, lautete das Rezept.

Das Problem der Luftverschmutzung in Peking ist nicht erst seit gestern bekannt, und das Internationale Olympische Komitee (IOC) drängt schon länger auf eine deutliche Verbesserung bis zu den Olympischen Spielen (8. bis 24. August 2008). "Ich bin fest davon überzeugt, dass mit der Frage der Luftqualität angemessen umgegangen wird", sagte der Chef der Koordinierungskommission, Hein Verbruggen, der kürzlich in Peking war, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Der Verkehr soll stark eingeschränkt werden, zudem wollen die Organisatoren Fabriken abschalten oder deren Produktion herunterfahren.

"Ich erwarte, dass die Ankündigungen so frühzeitig wie möglich umgesetzt werden", sagt Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes, "die derzeitige Lage ist nicht zu akzeptieren". Medizinische Maßnahmen wie das Inhalieren vor Ort können auch nur prophylaktisch helfen. Das australische olympische Komitee hatte schon angekündigt, dass seine Sportler erst kurzfristig zu den Wettkämpfen anreisen werden. "Das ist für uns nicht zu machen", so Müller zu SPIEGEL ONLINE, "wir müssen wegen der Zeitumstellung schon eine gewisse Zeit in Peking verbringen."

Gerade Hochleistungssportler leiden unter schlechter Luft, doch nicht immer hinge über den Wettkampfstätten eine dichte Smogglocke. "Wir wissen auch von Veranstaltungen, bei denen blauer Himmel herrschte und es dieses Problem nicht gab", sagt Peter Schmitt, Mediendirektor des Deutschen Leichtathletikverbandes, SPIEGEL ONLINE. Derzeit ist er mit der Mannschaft im Trainingslager in Portugal, auch dort sei die Luftverschmutzung bei Olympia ein Thema. "Bundestrainer Jürgen Mallow ist jedoch der festen Überzeugung, dass die Chinesen alles tun werden, um für gute Luft zu sorgen", so Schmitt. Mallow und Teammanager Siegfried Schonert wollen sich Ende des Monats in Peking ein Bild der Lage machen.

Die Verschmutzung der Luft dürfte nicht das einzige Problem sein, große Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit gesellen sich in Peking im Sommer auch gerne dazu. Eine Kombination, die Teilnehmern vergangener Olympischer Spiele bekannt vorkommen dürfte. Schon Athen 2004 war weder eine Oase der reinen Luft noch eine Idylle an milden Temperaturen, ebensowenig Los Angeles 1984. Die Lösung des IOC ist ganz einfach: Sollten die Bedingungen einmal nicht stimmen, wird der Wettbewerb einfach um ein paar Tage verlegt - bis wieder blauer Himmel über Peking herrscht. "Es muss schon vorher klare Regeln geben, wann ein Wettkampf gestartet werden darf und wann nicht", fordert Müller.

Die Sportler seien zu sehr auf das Ziel Olympia fokussiert, als dass sie sich mit solchen Problemen auseinandersetzen, es werde höchstens zur Kenntnis genommen. "Man muss es auch so sehen", sagt Müller, "alle leiden gleichmäßig darunter, es gibt keine Wettbewerbsverzerrung". Zur Not müssen die Athleten mit Asthma auf das Siegerpodest. Müller vertraut darauf, dass die Organisatoren rechtzeitig handeln und ihre Versprechen von guter Luft wahrmachen. "Die haben auch mit einer Verbindungsstraße die Fahrzeit vom olympischen Dorf zur Regattastrecke auf 30 Minuten reduziert. Das wäre in keinem anderen Land der Welt möglich gewesen."