Olympische Sommerspiele 2020 Madrid trägt Trauer
Trauer in Madrid: Ein Olympia-Fan trauert an der Puerta de Alcalá
Foto: AP/dpaVoller Vorfreude auf die Verkündung am Abend hatte die spanische Hauptstadt den ganzen Samstag über vibriert. Radio- und Fernsehsender wetteiferten schon seit den frühen Morgenstunden um die längste Sendung mit nur einem Thema: Die Spiele in Madrid 2020. Eigentlich hatte Madrid die Olympischen Spiele 2020 ja schon in der Tasche. Eigentlich.
Aller guten Dinge sind drei, waren sich alle Moderatoren einig. Diesmal, beim dritten Anlauf, würde es einfach klappen müssen. Madrid sei am besten vorbereitet, die Madrider Delegation würde mit Sicherheit ein so emotionsgeladenes Plädoyer halten, dass sich so leicht kein Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dem spanischen Feuer würde entziehen können. Außerdem sprächen die Revolten in Istanbul und die Radioaktivität in Tokio doch gegen die beiden Mitbewerber, oder?
Die krisengeschüttelten Madrilenen wollten ihnen gern glauben. Mit einem zaghaften Siegerlächeln auf den Lippen flanierten sie über die Gran Vía, diskutierten dabei darüber, ob man es im zweiten oder doch erst im dritten Wahldurchgang schaffen könnte. Optimistische gingen sogar von einem Sieg bei der ersten Abstimmung aus. Sie sollten sich alle täuschen.
Der Entscheidung entgegentanzen
Seit dem frühen Nachmittag strömten die Menschen zu den zentralen Plätzen in der Altstadt, wo sie auf einem Straßenfest gemeinsam der Entscheidung des IOC entgegentanzen wollten. Hauptverkehrsadern waren für den Fahrzeugverkehr gesperrt, Musikgruppen bis weit nach Mitternacht eingekauft, das Feuerwerk stand bereit.
Und so feierten sie vorab, während die Reden der Madrider Delegation aus Buenos Aires live zu ihnen übertragen wurden. Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach von Spaniens Wirtschaft, als erlebe diese gerade einen nie da gewesenen Boom, Oberbürgermeisterin Ana Botella lud die Mitglieder des Komitees für 2020 auf die Plaza Mayor zu einem Kaffee ein, Kronprinz Felipe lächelte charmant in die Kamera. Auch sie gaben sich wie die Menschen auf Madrids Straßen und Plätzen siegessicher.
Und dann kam alles ganz anders.
Ausgerechnet Istanbul, die Stadt, die man in Spanien schon im Vorfeld ausgeschlossen hatte, gewann im ersten Durchlauf bei der Stichwahl gegen Madrid. Und die spanische Hauptstadt war im ersten Durchgang raus. Es dauerte ein bisschen, bis alle diese bittere Wahrheit registriert hatten.
Tränen auf offener Straße
Der Schock saß tief, als das Unmögliche schließlich zur Gewissheit wurde. Nach sekundenlanger Totenstille brachen manche Menschen sogar auf offener Straße in Tränen aus. "Wie schade, wie schade, wie schade", seufzte eine ältere Dame immer wieder. "Wir hätten ein bisschen Licht am Ende des Tunnels gut gebrauchen können", sagte sie. "Das ist so traurig", fand ein junger Mann. "Ich weiß wirklich nicht, was wir noch machen sollen. Wir sind am besten vorbereitet, und trotzdem geben sie uns die Spiele nicht."
"Da geht es gar nicht um Sport oder Leistung," meinte ein anderer. "Das ist alles ein abgekartetes Spiel, da stecken ganz andere Interessen dahinter." Es gab auch gefasste Stimmen: "Diesmal hat es nicht sein sollen, dann eben beim nächsten Mal. Vielleicht haben wir ja für die Spiele 2024 mehr Glück." Und: "Ist doch egal, dann kriegen wir die Spiele eben in irgendeinem anderen Jahr", gaben sich einige zuversichtlich. Ob Madrid aber einen vierten Anlauf wagen wird, ist noch fraglich.
Sicher dagegen ist: Die 32. Olympischen Spiele gehen nach Tokio. Nicht nach Madrid. "Warum? Das muss mir erst einmal jemand erklären", rief eine junge Frau verzweifelt. Ob sie die Antwort überhaupt trösten könnte, ist fraglich.