Paris - Roubaix: Ausflug von Museeuw wird belohnt - DER SPIEGEL
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Paris - Roubaix Ausflug von Museeuw wird belohnt

Johan Museeuw hat die 98. Auflage von Paris-Roubaix gewonnen. Der belgische Ex-Weltmeister siegte im vierten Weltcup-Rennen der Saison nach einem Alleingang über 272 Kilometer- und wiederholte damit seinen Triumph von 1996.
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Paris - In der "Hölle des Nordens" ist der Belgier Johan Museeuw wieder in den Radsport-Himmel gefahren, während Erik Zabel als Dritter der 98. Auflage von Paris-Roubaix endgültig seine Feuertaufe bestanden hat. Der 29-Jährige verteidigte damit souverän das Trikot des Weltcup-Spitzenreiters: "Das ist ein Traum-Ergebnis bei meinem siebten Start", sagte er völlig erschöpft am Ziel. Auch Steffen Wesemann untermauerte als Neunter seinen Ruf als "Aufsteiger des Jahres", das Team Telekom setzte seinen starken Frühling eindrucksvoll fort.

Museeuw erreichte nach 272 km die Radrennbahn von Roubaix in 6:46:15 Stunden und rettete somit 17 Sekunden auf die Verfolger, deren Sprint Peter van Petegem (Belgien) vor Zabel gewann. Zwei Jahre nach einem schweren Sturz gewann der 34-Jährige zum zweiten Mal nach 1996 die "Königin aller Klassiker". Hier hatte er sich 1998 auf den Kopfsteinen die Kniescheibe gebrochen und fast ein Jahr aussetzen müssen.

Museeuw schloss ein Solo über die letzten 40 km erfolgreich ab. Wesemann hatte 20 km vor dem Ziel die Verfolgung aufgenommen, wurde aber nicht unterstützt und konnte den Rückstand nur noch um etwa eine Minute reduzieren. Es war der dritte Sieg der italienischen Mapei-Mannschaft in Serie und der fünfte innerhalb von sechs Jahren. Insgesamt ging es über 49 km Kopfsteinpflaster.

Für Erik Zabel ist der dritte Platz eines der besten Resultate seiner Laufbahn außerhalb der Tour de France und nach drei Siegen bei Mailand-San Remo. Auch die Telekom-Truppe ist noch nie so stark in die Saison gestartet. Teamchef Walter Godefroot: "Man kann nicht alles gewinnen, aber wir waren überall mit vorn. Steffen Wesemann hat erneut bewiesen, wie stark er ist. Weil er nicht so einen großen Namen hat, habe ich gehofft, dass er leichter ausreißen könnte." Aber diese Hoffnung wurde durch Museeuw zerstört.

Somit bleibt es in 104 Jahren von "La Roubaix" weiter beim einzigen deutschen Sieg durch den Münchner Josef Fischer, der 1896 die Premiere für sich entschieden hatte. 1992 war Olaf Ludwig (Gera) Zweiter geworden.

Erik Zabel verteidigte das Trikot des Weltcup-Spitzenreiters auch im dritten Saisonrennen nach Mailand-San Remo (Sieger Zabel) und der Flandern-Rundfahrt (Andrej Tschmil/Belgien). Der Deutsche führt nun mit 190 Punkten vor Museeuw (111) und Tschmil (108) und will deshalb auch die nächsten Klassiker bestreiten. Die Serie der Weltcuprennen wird am Sonntag mit Lüttich-Bastigne-Lüttich fortgesetzt. Den Abschluss der Frühjahres-Klassiker bildet am Ostersamstag das Amstel Gold Race in Maastricht.

Der Himmel hatte diesmal mit den 176 Profis aus 24 Teams ein Einsehen. Die Fahrt durch die "Hölle des Nordens" fand bei Sonne und Frühlingstemperaturen statt. "Heute werden wir eine Menge Dreck schlucken müssen", hatte Rolf Aldag am Morgen gesagt, der zum zehnten Mal am Start war. Wieder säumten Abertausende vor allem die 25 Kopfstein-Paves. Das Fahrerfeld kündigte sich ihnen als einzige riesige Staubwolke an. Am Abend zuvor hatte Teamchef Walter Godefroot, 1969 selbst Erster bei der "Königin aller Klassiker", vor dem Abendessen im Hotel Mercure die Marschroute festgelegt: "Fünf Mann bilden einen Schutzschild um Erik Zabel, Steffen Wesemann bekommt freie Hand." Alle acht Telekom-Akteure fuhren Stahlrahmen und 25 mm breite Reifen (statt 21 mm), mit nur sechs statt der üblichen neun Atü. Gegenüber dem Vorjahr wurde dagegen auf sonstige "High Tech" verzichtet, wie 1999 Teleskop-Gabeln. "Die Fahrer mochten das nicht", sagte Godefroot.

Auf den Sieger warteten läppische 60.000 Mark und die Unsterblichkeit. "Wenn du Paris-Roubaix gewinnst, schreibst du Radsport-Geschichte. Dann kennt dich noch Jahre später jede Oma", schwärmte Rolf Aldag am Start vor dem Schloss in Compiegne.