Pferdesport Deutschlands unheimliche Serie
Verden/Aller - Bei der diesjährigen Europameisterschaft in Verden/Aller siegten Isabell Werth (Rheinberg) auf Antony, Nadine Capellmann (Aachen) auf Farbenfroh, Heike Kemmer (Isernhagen) auf Albano und Ulla Salzgeber (Bad Wörishofen) auf Rusty mit bisher in einem Mannschaftswettkampf noch nie erreichten 5612 Punkten vor den zum vierten Mal bei einer EM geschlagenen Holländern (5431), Dritter wurde Dänemark (5359).
Der Sieg war bereits nach Kemmer, der dritten deutschen Reiterin, mit ihrem 14-jährigen Oldenburger Wallach Albano so gut wie sicher, als sie nach einer hervorragenden und nervenstarken Vorstellung im Grand Prix 1806 Punkte erreicht und damit ihre erste EM-Nominierung gerechtfertigt hatte. Salzgeber, die mit ihrem 13-jährigen lettischen Fuchswallach Rusty nach Wechsel- und Galopp-Fehlern mit 1873 Punkten etwas unter ihren Möglichkeiten blieb, sicherte am Ende trotzdem den neuerlichen Triumph der einsam in Europa herrschenden deutschen Dressurreiterinnen. Die viermalige Olympiasiegerin Werth mit Antony und Capellmann mit Farbenfroh hatten schon am Donnerstag mit ihren starken Ritten ein sicheres Fundament geschaffen.
Nervenstarke Kemmer
"Für mich hat sich in Verden ein 18 Jahre langer Traum erfüllt. Endlich einmal an einer Europameisterschaft teilnehmen und dann gleich den Titel gewinnen. Das ist die Krönung meiner Laufbahn", erklärte die 49-jährige Kemmer und fügte hinzu: "Es ist nun einmal in Deutschland sehr viel schwerer, sich für ein internationales Championat im Dressurreiten zu qualifizieren als dann auch eine Medaille zu gewinnen." Kemmers Leistung war umso eindrucksvoller, als während ihres Rittes strömender Regen einsetzte, doch Ross und Reiterinnen ließen sich nicht beeindrucken.
Isabell Werth hat nunmehr seit 1989 sieben Mannschafts- und vier Einzel-Titel bei Dressur-Europameisterschaften gewonnen. Mit ihren nun elf EM-Siegen hat die 32-Jährige zu dem vor zwei Jahren verstorbenen deutschen Abonnements-Champion Reiner Klimke aus Münster aufgeschlossen, der in seiner Laufbahn achtmal Mannschafts- und dreimal Einzel-Europameister werden konnte. Beide haben nie gemeinsam in einer deutschen Equipe bei Europameisterschaften geritten.
Nur drei reiten im Einzel
Doch ob die erfolgreichste deutsche Dressurreiterin am Sonntag auch wieder um eine Einzelmedaille reiten darf, ist völlig offen: Kemmer und Werth trennen vor dem Grand Prix Special am Samstag ganze 10 Punkte - maximal drei Reiter pro Nation aber dürfen am Sonntag im Grand Prix Kür-Finale nur antreten. "Das wird ein ganz spannender Kampf, denn Isabell Werth hat immer wieder bewiesen, dass sie kämpfen kann", prophezeit Kemmer, "aber ich auch." Werth gab sich optimistisch: "Das wird noch ganz spannend für alle."