Portrait über Basketballer Anton Gavel - DER SPIEGEL
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Bamberger Basketballer Gavel Wer trifft, hat recht

Seine eigenwillige Wurftechnik ist ein Grauen für jeden Trainer - dennoch ist der Bamberger Anton Gavel einer der stärksten Spieler der BBL. Das Basketball-Magazin "FIVE" über einen Profi, der nicht verlieren kann und in jedem Training an sein Limit geht.
Von Sebastian Finis
Anton Gavel beim Korbleger: "Ich bin nicht mit sehr viel Talent zum Basketball gekommen"
Anton Gavel beim Korbleger: "Ich bin nicht mit sehr viel Talent zum Basketball gekommen"

Anton Gavel beim Korbleger: "Ich bin nicht mit sehr viel Talent zum Basketball gekommen"

Foto: David Ebener/ picture alliance / dpa
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Anton Gavel ist speziell. Nicht nur wegen seines Rauschebarts, den er seit Monaten nicht mehr gestutzt hat, sondern auch auf dem Parkett - im Training und im Spiel. Seine Einstellung ragt heraus. "Anton ist ein wahnsinniger Arbeiter. Er nimmt mehr Würfe im Training als alle anderen Spieler. Er kommt zu den individuellen Einheiten und ackert, als ob es um die Meisterschaft ginge", sagt sein Trainer Chris Fleming. "Er nimmt nie einen freien Tag, nie. Seit er hier ist, haben wir geschätzte 600 Trainingseinheiten gehabt. Es gab keine einzige, bei der ich sagen würde, dass er weniger als 100 Prozent gegeben hat."

Dafür, dass sich harte Arbeit auszahlt, ist Anton Gavel das beste Beispiel. Der Guard ist Starter, bester Verteidiger und nicht selten Go-to-Guy und Matchwinner in der erfolgreichsten deutschen Mannschaft der vergangenen Jahre. Das Lob seines Trainers schmeichelt ihm. Jedoch weiß Gavel, dass ihm nichts anderes übrigbleibt, als seinen Beruf jeden Tag bis ans Limit zu gehen. "Ich bin nicht mit sehr viel Talent zum Basketball gekommen und auch nicht der Athletischste, der groß für die Zuschauer spielen kann", sagt er.

Wer trifft, hat recht!

"Wer mich spielen sieht, weiß, dass mein Wurf komisch ist. Trotzdem habe ich daran gearbeitet, dass der Ball auch reingeht. So bin ich halt." Viele Trainer in seiner Karriere wollten diesen Wurf verändern - ohne Erfolg. An seiner flachen Flugkurve hat sich nie etwas geändert. "Für mich ist eine hohe Flugkurve überbewertet", sagt Gavel. Warum auch nicht? Eine Basketball-Weisheit lautet: Wer trifft, hat Recht. Das bestätigt Gavel, der mehr als 40 Prozent von der Dreipunktelinie trifft, seitdem er in Bamberg spielt.

Im November 2009 eigentlich nur als Notnagel für den verletzten John Goldsberry gekommen, entwickelte sich der Guard früh zum echten Glücksgriff und Garanten des anhaltenden Bamberger Titel-Regens mit drei Meisterschaften, drei Pokaltiteln und 49 Heimsiegen in Folge auf nationalem Parkett.

Gavel ist ein exzellenter Verteidiger - hat dafür aber in den vergangenen Jahren nur wenig Anerkennung bekommen. In diesem Jahr hat sich das mit dem Titel des "besten Verteidigers der Liga" geändert.

"Er kann absolut nicht verlieren"

Gavel freut die Auszeichnung, auch wenn er nicht gerne im Rampenlicht steht und den Teamgedanken in der Defense hervorhebt. In den Euroleague-Spielen, so sagt er, habe er enorm an Erfahrung dazugewonnen und viel von seinen Gegnern gelernt.

Auf Gavels Schwächen angesprochen, antwortet Coach Fleming: "Seine Schwächen und Stärken sind gleich. Er kommt zum Training und kann absolut nicht verlieren. Das treibt ihn an." Gavel gibt seinem Trainer recht: "Ich bin ein schlechter Verlierer." Hin und wieder kommt es vor, dass er die Kontrolle verliert, wenn er sich zum Beispiel über strittige Schiedsrichter-Entscheidungen aufregt. Dann sind seine Kollegen und die Trainer gefragt, ihn zu beruhigen. Im Training seien emotionale Ausbrüche des ehrgeizigen Slowaken jedoch häufiger zu beobachten als im Spiel. Leidtragende sind in erster Linie die Assistenztrainer, die in den Einheiten Schiedsrichteraufgaben übernehmen müssen.

In diesem Jahr spielt der slowakische Nationalspieler die wohl beste Saison seines Lebens. Das sehen auch andere so. "Für mich ist er Bambergs wertvollster Mann", sagt beispielsweise ein DaShaun Wood, der jüngst zum "besten Offensivspieler der Liga" gekürt wurde. "Anton macht alles auf dem Feld. Wenn du den besten Spieler des Gegners verteidigst und gleichzeitig einen guten Job in der Offense machst, bist du einfach sehr speziell."

Eine große Würdigung, die auch Europameister Stephan Baeck teilt, der sich als "richtiger Gavel-Fan" outet: "Weil er ein so ehrlicher Spieler ist. Er gibt immer alles, und das nicht nur vorne, sondern auch hinten. Es gibt wenige Spieler, die gleich stark in der Verteidigung wie im Angriff sind. Wenn ich einen Spieler aus der Bamberger Mannschaft herausheben würde, dann ist es Gavel in diesem Moment."