Positive B-Probe Landis kämpft um seinen Ruf
Hamburg - "Ich habe nie verbotene Substanzen genommen, auch Testosteron nicht. Ich war der stärkste Fahrer bei der Tour de France, und deshalb bin ich der Champion", erklärte Landis auf seiner Homepage.
Der 30-Jährige kündigte an, gegen eine mögliche Sperre anzukämpfen: "Ich werde gegen die Beschuldigungen mit der gleichen Entschlossenheit und Intensität vorgehen, die ich auch im Training und Rennen zeige. Nun ist es mein Ziel, meinen Namen reinzuwaschen und das wiederherzustellen, wofür ich so lange gekämpft habe", so Landis weiter.
Am Morgen hatte die Anti-Doping-Kommission des Radsport-Weltverbandes UCI bekannt gegeben, dass auch die B-Probe des Tour-Siegers positiv ist. Die Untersuchung bestätigte, dass Landis' Probe synthetisches Testosteron enthielt. "Ich habe vom Chatenay-Malabry-Laboratorium eine Mitteilung erhalten, die besagt, dass die B-Probe von Floyd Landis' Urin Testosteron enthält, das von außen eingeführt worden ist", sagte der Chef der französischen Anti-Doping-Kommission, Pierre Bordry. Landis hatte stets behauptet, das Testosteron sei "natürlich und von meinem eigenen Organismus produziert".
Der amerikanische Radsportverband wird nun ein Disziplinarverfahren gegen Landis einleiten. In etwa drei Wochen wird die Anti-Doping-Agentur der USA (USASDA) beide Parteien hören und eine Entscheidung treffen. Diese könnte Landis allerdings vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) anfechten. "Die Entscheidung heute ist erst der Beginn eines langen Prozesses. Wir rechnen frühestens im Dezember oder Januar mit einer endgültigen Entscheidung", sagte Landis-Anwalt Jose-Maria Buxeda.
An die Unschuld des Toursiegers glauben indes nur noch die wenigsten. "Uns ist klar, dass es nun an uns ist, zu beweisen, warum der Test positiv war. Entweder können wir zeigen, dass ein Fehler in der Analyse des Labors vorlag oder dass andere Begleitumstände den hohen Testosteron-Wert erklären", so Buxeda. "Vielleicht lag es an den Schilddrüsen-Tabletten, die er einnahm, vielleicht am Alkohol, den er am Abend vor dem Test trank oder vielleicht lag es an beidem."
Diesen Vermutungen wollte das Phonak-Team keinen Glauben mehr schenken und setzte seinen Spitzenfahrer wie angekündigt vor die Tür. "Landis wird fristlos entlassen, weil er den internen Ethik-Code des Teams gebrochen hat", hieß in einer Pressemitteilung des Schweizer Rennstalls.
Landis droht außerdem die Aberkennung seines Tour-Sieges und der Siegprämie von 450.000 Euro. Er könnte zudem für zwei Jahre gesperrt und für vier Jahre von der ProTour, der Rennserie der besten Teams, ausgeschlossen werden.
"Für uns ist Floyd Landis nicht länger der Gewinner der Tour de France 2006", sagte Tourdirektor Christian Prudhomme der Nachrichtenagentur AP. Der Franzose wies aber darauf hin, dass die endgültige Entscheidung über eine Aberkennung des Tour-Sieges Sache der UCI sei.
Deren Anwalt Philippe Verbiest sagte, Landis bleibe solange offiziell Sieger, bis dessen Schuld vor Gericht bewiesen ist: "Bis er verurteilt wird oder sich schuldig bekennt, behält er das Gelbe Trikot", sagte der Jurist, "das ist normal. Man wird nicht bestraft, bevor man nicht für schuldig befunden ist."
hut/dpa/AP