Rad-WM: Greipel startet für Gerdemann - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Rad-WM Greipel startet für Gerdemann

Nach dem Verzicht von Titelverteidiger Fabian Cancellara auf die Rad-Weltmeisterschaft steigen die Chancen der deutschen Starter im Einzelzeitfahren. Auch im Straßenrennen gibt es Medaillenchancen. Sprinter André Greipel ersetzt Linus Gerdemann. Die Top-Favoriten sind dennoch andere.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Es fing in der Nacht auf den 1. September an. Linus Gerdemann, Führender der Deutschland-Tour, wachte am Morgen vor der dritten Etappe mit Schmerzen im Nacken auf. Der Grund: ein steifer Hals. "Ich habe wohl falsch gelegen. Es ist aber nicht schlimm", sagte Gerdemann damals. Für die restlichen Tage der Rundfahrt traf das auch zu. Der 25-Jährige landete trotz der Schmerzen in der Gesamtwertung souverän auf Platz eins. Prompt wurde Gerdemann in den Favoritenkreis bei den Weltmeisterschaften im italienischen Varese erhoben, die am Dienstag beginnen.

Doch knapp drei Wochen später klagt Gerdemann noch immer über seinen Hals und musste nun seinen Start beim Straßenrennen am Sonntag absagen. "Es geht nicht", sagte er. Teamkollege André Greipel wird Gerdemann beim Straßenrennen ersetzen. Der Columbia-Fahrer feierte dieses Jahr insgesamt 14 Erfolge, darunter Etappensiege beim Giro d'Italia und der Deutschland-Tour. Greipel gilt als Sprintspezialist und wird angesichts des hügeligen WM-Kurses vermutlich die Rolle des Helfers einnehmen. Unterstützen soll er dann vor allem Stefan Schumacher. Schumacher, der dieses Jahr beide Tour-de-France-Zeitfahren gewann und das Gelbe Trikot trug, will sich gegenüber dem Vorjahr noch verbessern: Da wurde er bei der WM in Stuttgart Dritter. Dafür stieg der 27-Jährige extra bei der am Sonntag zu Ende gegangenen Vuelta a Espana einige Tage vor dem Ende aus.

"Ich bin heiß auf die WM. Ich fahre nicht nach Varese, nur um dort mitzufahren", so Schumacher: "Ziel ist es, einmal Weltmeister zu werden. Eine Medaille habe ich schon in Stuttgart geholt. Die Strecke in Varese liegt mir einfach." Als die heißesten Kandidaten auf den Titel werden aber Vorjahressieger Paolo Bettini, Davide Rebellin (beide Italien) und die Spanier um Alberto Contador gehandelt. Außenseiterchancen im deutschen Team besitzt Fabian Wegmann, der bei Olympia in Peking einen ordentlichen 21. Platz belegte. Zum letzten Mal dabei sein wird vermutlich Erik Zabel. Der 38-Jährige will während den Weltmeisterschaften die Entscheidung bekanntgeben, ob er seine Karriere für ein weiteres Jahr fortsetzt oder beendet.

Neben Gerdemann wird bei den Titelkämpfen ein weiterer Top-Fahrer fehlen. Der Titelverteidiger im Einzelzeitfahren, Fabian Cancellara, sagte seinen Start wegen Übermüdung ab. "Nach Bronze und Gold in Peking kann ich mich nicht mehr für neue Strapazen motivieren. Der letzte Biss fehlt, um bei der WM meinen Titel im Zeitfahren verteidigen zu können", sagte der Schweizer. Mit dem Fehlen des Olympiasiegers steigen auch die Chancen der deutschen Starter. Bert Grabsch und Tony Martin gehen mit guten Aussichten ins Einzelzeitfahren am Donnerstag. Grabsch ist aktueller deutscher Meister und belegte bei der WM im vergangenen Jahr Platz vier. Der 23-Jährige Martin gewann vor zwei Wochen bereits in seinem ersten Profijahr eine Etappe bei der Deutschland-Tour.

Medaillenchancen gibt es auch bei den Frauen. Trotz der Absage der Titelverteidigerin im Einzelzeitfahren, Hanka Kupfernagel, hofft der Bund deutscher Radfahrer auf Edelmetall. Die größten Chancen für das Straßenrennen am Samstag werden dabei Judith Arndt und Trixi Worrack zugerechnet. "Wir gehören zu den besten Nationen der Welt und haben Chancen auf den Titel. Ich bin zuversichtlich, weil die Mannschaft stimmt", sagte Arndt.

Das Auftaktrennen der Weltmeisterschaft bildet das Einzelzeitfahren in der Klasse U23 am Dienstag. Dort gehören die deutschen Radsportler allerdings nicht zum Favoritenkreis. Eine Medaille beim WM-Auftakt wäre eine große Überraschung.

wie/sid/dpa

Mehr lesen über

Verwandte Artikel