Radsport: "Geben Sie mir ein bisschen Epo" - DER SPIEGEL
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Radsport "Geben Sie mir ein bisschen Epo"

Eine neue ausgedehnte Anti-Doping-Untersuchung schockt den italienischen Radsport. Nach verdeckt eingeleiteten Telefonabhöraktionen, Beschattungen und Videoaufzeichnungen sind in Padua Ermittlungen gegen 60 Profis aufgenommen worden.
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Padua - Die italienische Justiz hat ihre Dopingermittlungen gegen die Teilnehmer des letzten Giro d'Italia weiter ausgeweitet. Neben der bereits seit Monaten ermittelnden Staatsanwaltschaft Florenz leitete nun auch die Staatsanwaltschaft Padua Ermittlungsverfahren gegen Ivan Gotti und 59 weitere namentlich noch nicht genannte Radprofis ein. Wie die römische Zeitung "La Repubblica" am Mittwoch berichtete, trug Staatsanwältin Paola Cameran mit Hilfe von versteckten Videokameras in den Hotelzimmern der Radprofis "schockierende" Beweismittel zusammen.

Laut "La Repubblica" stehen die Aktiven unter Verdacht, beim Giro d'Italia 2001 vom bekannten Facharzt Enrico Lazzaro leistungsfördernde Mittel erhalten, konsumiert und weiterverbreitet zu haben. Zu den Hauptverdächtigen zählt der zweifache Gewinner des Giro, Ivan Gotti, die Namen aller anderen Verdächtigten werden noch streng geheim gehalten.

400 Stunden Beweismaterial


Bei Gotti hatte die Polizei im letzten Juni im Wohnmobil seiner Schwiegereltern, die den Giro begleiteten, zahlreiche Medikamente beschlagnahmt. Gotti selbst hatte damals erklärt, es handele sich um Präparate gegen Allergien und Asthma, die in seinem Gesundheitspass durch den Radsport-Weltverband UCI aufgelistet worden seien.

"La Repubblica" zitierte aus den 400 Stunden umfassenden Videoaufzeichnungen der Staatsanwaltschaft Gespräche der Radprofis untereinander und zwischen Radprofis und Lazzaro in dessen Behandlungszimmer. Auf Lazzaros Frage, was er denn für einen Radprofi tun könne, antwortete der: "Geben Sie mir ein bisschen Epo." Eine weitere Videosequenz zeige, wie Lazzaro einem Radprofi davon abriet, Insulin zu nehmen, weil er beim Zeitfahren am nächsten Tag ansonsten einen Leistungseinbruch riskieren würde.

Fachsimpeleien auf den Zimmern


Auch untereinander sprachen die Radprofis auf ihren Zimmern offen über Doping. Vor einer Bergetappe sagte ein Radprofi zu einem Kollegen, dass man dafür ein Kortisonpräparat nehmen solle. Aus den Videoaufzeichnungen ginge außerdem hervor, dass auch Teamchefs über die Dopingverabreichungen informiert waren.

Die Durchsuchung von Gottis Camper veranlasste die Staatsanwaltschaft Padua aber dennoch zu den weiteren Ermittlungen in den Hotelzimmern der Radprofis. Auch die Staatsanwaltschaft Florenz, die wenig später in San Remo mit der größten Razzia in der Geschichte des Radsports für Aufsehen sorgte, nutze die Ermittlungsergebnisse von Padua. In Florenz wurden gegen rund 90 Radprofis und Betreuer Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zu den Verdächtigten gehört auch Team Telekom-Kapitän Jan Ullrich, bei dem Asthma-Präparate gefunden wurden, die dem Tour-de-France-Gewinner jedoch wegen seines Asthma-Leidens vom UCI erlaubt wurden.