Radsport-Gipfel: Die Antidoping-Freunde - DER SPIEGEL
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Radsport-Gipfel Die Antidoping-Freunde

Ohne Blutpass keine Starterlaubnis für die Tour de France 2008: Der Antidoping-Gipfel endete mit vielen kleinen Erfolgen. Auch der Weltradsport-Verband verpflichtete sich der Durchsetzung scharfer Sanktionen gegen Betrüger. Am meisten überraschte aber die freundliche Stimmung in Paris.
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Es ist kalt geworden in Paris, aber fast scheint es, dass es ein Winter der Liebe wird. Im Kontrast zu den kalten Außentemperaturen in der Seine-Metropole waren jedenfalls im gut klimatisierten Haus des französischen Sports die ewigen Streithähne im Weltradsport voller freundschaftlicher Gefühle aufeinander zugegangen.

UCI-Chef McQuaid (l., neben Bachelot-Narquin und Pound): "Nur zur Tour mit Blutpass"

UCI-Chef McQuaid (l., neben Bachelot-Narquin und Pound): "Nur zur Tour mit Blutpass"

Foto: REUTERS

Der Chef der Internationalen Antidoping-Agentur Wada, Richard Pound, ein notorischer Polterer in Richtung des in Dopingfragen oft wankelmütigen Weltradsport-Präsidenten Pat McQuaid, bezeichnete letzteren auf der abschließenden Pressekonferenz des Antidoping-Gipfels als "meinen Freund". McQuaid lächelte fein, und im Pressesaal machte sich verblüfftes Staunen breit. Schon vorher hatten McQuaid und Pound sich die Hände geschüttelt und gemeinsam mit der französischen Sportministerin Roselyn Bachelot-Narquin ein Dokument unterzeichnet, das die Einführung des Blutpasses für alle Radprofis zum Januar 2008 für verpflichtend erklärt.

Auch ein weiterer Hahnenkämpfer im Radsport, Tour-de-France-Direktor Christian Prudhomme, hatte seine Abneigung gegen die UCI überwunden und den von seinen erbitterten Gegnern präsentierten Blutpass als einen "bemerkenswerten Fortschritt" gelobt. Die Freude Prudhommes drei Tage vor der Präsentation der Tour de France 2008 hatte einen Grund: UCI-Chef McQuaid versicherte, zur Tour könne nur antreten, "wer einen Blutpass mit sauberen Werten hat".

Zu spät für den Giro, gerade rechtzeitig zur Tour

Der Widerspruch zwischen dem Januar als offiziellem Einführungsdatum des Blutpasses und dem Juli als der absoluten Deadline erklärt sich so: Die Antidoping-Beauftragte der UCI, Anne Gripper, geht von einem Minimum von sechs Werten aus, die notwendig sind für einen Blutpass. "Bei einer Frequenz von einer Trainingskontrolle pro Monat pro Fahrer brauchen wir bis zum Juni", sagte sie SPIEGEL ONLINE.

Ihr Vorgesetzter McQuaid ist optimistischer. Er hofft, bereits im Frühjahr erste Blutprofile einzelner Fahrer zu haben. "Es gibt verschiedene Auffassungen, wie viele Tests für ein Profil notwendig sind. Unser Experte Mario Zorzioli sagt, dass man bereits aus zwei Tests geeignete Erkenntnisse gewinnen kann", erklärte McQuaid. Wada-Generalsekretär David Howman rechnet damit, dass die Blutpässe "in der ersten Jahreshälfte erstellt sind", erklärte er SPIEGEL ONLINE. Demnach käme der Pass wahrscheinlich zu spät für den Giro d'Italia, aber immerhin rechtzeitig zur Tour de France.

Tourboss Prudhomme ist sich sicher, dass der Blutpass nicht eine ähnliche Lachnummer wird wie die UCI-Ehrenerklärung - diesem Antidoping-Bekenntnis, das eigentlich verpflichtend für alle Profis sein sollte. Doch Weltmeister Paolo Bettini hat bislang nur eine verkürzte Version unterzeichnet. Weil die Ehrenerklärung nicht justiziabel ist, sah sich bisher auch kein überführter Dopingsünder veranlasst, sein Jahresgehalt an die UCI zu überweisen, wie es der Ehrenkodex vorschreibt.

"Die Akzente haben sich richtig verschoben"

"Der Blutpass ist eine andere Sache", betont Prudhomme im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Es gibt ein Dokument, das auch die Wada und die Ministerin unter den Augen der Weltpresse unterzeichnet haben. Dieses Dokument hat damit politischen Status." Für ihn ist wichtig, dass die Expertengruppe, die darüber entscheidet, welcher Blutwert ein Indiz für Doping ist, von der UCI unabhängig ist. "Die Wada ist in den Entscheidungsprozess integriert. Ihr gilt mein volles Vertrauen", leistete Prudhomme sich einen kleinen Seitenhieb in der ansonsten verblüffend harmonischen Veranstaltung.

Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer, einen Tag später angereist als die meisten anderen Protagonisten, fiel die konstruktive Atmosphäre ebenfalls positiv auf. "Vor fünf Jahren wäre so etwas kaum möglich gewesen. Wenn da jemand vom Doping im Radsport gesprochen hatte, hieß es doch gleich, das gäbe es gar nicht. Da haben sich heute die Akzente aber richtig verschoben", so Holczer zu SPIEGEL ONLINE.

Bei aller Freundlichkeit bleibt eine der wichtigsten Fragen aber weiter unklar. Denn noch ist nicht abzusehen, wie hart der Antidoping-Kampf mit den neuen Mitteln wirklich geführt werden kann. Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, geht davon aus, dass bei abweichenden Werten "sowohl Schutzsperren als auch harte Dopingsperren ausgesprochen werden können", wie er SPIEGEL ONLINE sagte. Wada-General Howman hält den Blutpass sogar für ein "ideales Instrument, unseren Paragrafen 2.2 anzuwenden". Der stellt schon den Versuch, sich einer verbotenen Methode zu bedienen oder sich eine verbotene Substanz zuzuführen, als Doping unter Strafe. Im in Paris unterzeichneten Dokument verpflichtet sich auch die UCI, die harten Dopingsanktionen anzuwenden und nicht nur eine Schutzsperre auszusprechen.

Dass der Blutpass, egal wann er kommt, nicht ausreichen wird, Doping aus dem Radsport zu verbannen, wollte Gerolsteiner-Chef Holczer am Ende aber noch klargestellt wissen. Man könne viel Testen, und man solle viel testen, so Holczer. "Das entscheidende Moment ist jedoch die Einstellung der Manager. Erst wenn die sich bei allen ändert, kann man den Kampf gegen Doping gewinnen."

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