Radsport-Gipfel: Scharping fordert Null-Toleranz-Kurs - DER SPIEGEL
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Radsport-Gipfel Scharping fordert Null-Toleranz-Kurs

Nach einem Krisengipfel will Radsport-Präsident Rudolf Scharping bis Ende des Jahres ein Anti-Doping-Gesetz auf den Weg bringen. DOSB-Präsident Thomas Bach sträubt sich weiterhin dagegen. Unterdessen werden Forderungen nach einer Verkürzung der Tour de France laut.
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Hamburg - Scharping diskutierte am Rande des Pro-Tour-Rennens Cyclassics in Hamburg mit Vertretern der Rennställe und Sponsoren über die Zukunft des Radsports nach den jüngsten Doping-Enthüllungen. Sie verständigten sich auf einen Null-Toleranz-Kurs. "Strich drunter und alle, die mit Doping zu tun haben, raus", sagte Scharping.

Kernpunkte des beschlossenen Maßnahmenkatalogs sind die Verbesserung der Wirksamkeit von Dopingkontrollen, die Verschärfung der Sanktionen gegen Dopingsünder sowie eine Angleichung der Gesetzgebung an internationale Standards.

Scharping hofft, bis Ende des Jahres ein Anti-Doping-Gesetz auf den Weg bringen zu können. "Niemand kann im Alleingang dopen, wir müssen einfach besser an die Hintermänner herankommen. Sonst trocknet der Sumpf nicht aus", sagte er.

Italien, Frankreich, Spanien und Belgien haben bereits ein entsprechendes Gesetz, in Österreich ist eins geplant. In Deutschland verbietet derzeit das Arzneimittelgesetz den Handel und das Verschreiben von Dopingmitteln.

Der entscheidende Unterschied ist, dass sich beim Anti-Doping-Gesetz der Athlet persönlich strafbar macht und die Justiz gegen ihn vorgehen kann. Das geht beim Arzneimittelgesetz nicht. Der Besitz oder die Einnahme von Dopingmitteln ist in Deutschland zurzeit nicht per Gesetzt strafbar und kann nur über die Sportgerichtsbarkeit sanktioniert werden.

Bach fordert Abhörmaßnahmen

Gegner eines Anti-Doping-Gesetzes, wie beispielsweise der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, befürchten jahrelange juristische Auseinandersetzungen, ehe es zu einer Bestrafung der Sportler kommt. Außerdem taugten die Athleten nicht mehr als Zeugen bei der Suche nach den Hintermännern, weil sie als Beschuldigte die Aussage verweigern könnten.

Bach wiederholte heute seine Ablehnung gegen ein solches Gesetz: "Die Mehrheit der Sachverständigen glaubt, dass der Sport in der Lage ist, harte, effektive und schnelle Strafen gegen Athleten durchzusetzen. Bei Olympia können wir binnen 24 Stunden rechtsstaatlich einwandfreie Verfahren verhängen."

Stattdessen fordert er eine Verschärfung der Gesetze gegen Hintermänner, "die auch Abhörmaßnahmen erlauben." Zudem gebe es ein Vollzugsdefizit. Deshalb erneuerte Bach seine Forderung nach Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften, die den juristischen Kampf gegen Doping in den Bundesländern zentralisieren sollen und echte Fachleute beschäftigen könnten.

Am Rande des Paar-Zeitfahrens in Bühl hatte Patrick Lefévère, Sprecher der Elite-Teams, eine Entschärfung und Verkürzung der Tour de France auf 15 Tage ins Spiel gebracht. "Diese Vorschläge habe ich schon während der Tour gemacht, und 17 von 20 Chefs der Pro-Tour-Teams haben zugestimmt", sagte der Belgier.

Zudem solle eine Art "Betriebsarzt" oberste medizinische Instanz für alle Profis sein. "Bei diesem Vorschlag", so Lefévère, "haben die restlichen drei Teamchefs ein langes Gesicht gezogen."

bri/sid/dpa