Radsport: Kronzeuge Jaksche wird Ein-Euro-Profi - DER SPIEGEL
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Radsport Kronzeuge Jaksche wird Ein-Euro-Profi

Der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche kehrt in den Radsport zurück. Er unterschreibt beim italienischen Cinelli-Team einen Vertrag und wird im kommenden Jahr nach einer langen Zwangspause wieder an den Start gehen. Sein Gehalt ist rekordverdächtig - niedrig.
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Hamburg - Jaksche unterschrieb am Freitag nach einer zweieinhalbjährigen Zwangspause beim italienischen Zweit-Divisonär Cinelli des Fahrradrahmen-Bauers Antonio Colombo einen Einjahresvertrag. Der "Süddeutschen Zeitung" verriet er auch die Höhe seines Gehalts: "Ich bin jetzt wohl der erste Ein-Euro-Profi."

Als Begründung für seine Rückkehr sagte Jaksche: "Natürlich ist das alles ein Symbol und ein Ego-Trip. Notfalls fahre ich auch umsonst - aber ich will selber entscheiden, wann ich aufhöre."

Möglicherweise wird Jaksches Comeback länger als ein Jahr dauern. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE sagte er am Freitag Abend: "Ob ich länger fahren will, weiß ich noch nicht, das wird sich während der kommenden Saison zeigen."

Der 32-Jährige ist damit nach Patrik Sinkewitz der zweite des Dopings geständige Kronzeuge, der nach langem Suchen wieder einen Job im alten Metier findet. "Ich bin froh, dass es doch noch geklappt hat. Ich gehe vorsichtig und mit wenig Illusionen an die Sache. Mein erstes Rennen werde ich dort fahren, wo ich 2004 meinen ersten großen Erfolg bei den Profis feierte: Bei der Mittelmeer-Rundfahrt", sagte Jaksche, dessen Doping-Beichte im SPIEGEL 2007 für eine Welle von Geständnissen anderer Profis gesorgt hatte und den Radsport nachhaltig erschütterte.

Abgesehen von der Mittelmeer-Rundfahrt, bei der Jaksche wohl auch seinen einstigen CSC-Teamchef Bjarne Riis wiedertreffen wird, der ihn nach seinem Geständnis bedroht haben soll, wird der siebenmalige Tour-de-France-Teilnehmer aber eher kleine Rennen bestreiten.

Jaksche hatte seine Doping-Sperre zu Beginn dieses Jahres abgesessen und studiert seit Oktober Wirtschaftsrecht an der Fernuniversität Hagen. Er will sein Studium fortsetzen. Bei Cinelli fährt der einstige Telekom- und CSC-Profi zusammen mit dem Belgier Frank Vandenbroucke, der selbst auf eine lange Doping-Vergangenheit zurückblickt.

"Für was soll ich ihn verurteilen?", sagte Jaksche der "Süddeutschen", "ich weiß doch, was im Radsport los war - ich habe kein Problem mit ihm, das wäre heuchlerisch." Ob sich die Umstände in der dopingverseuchten Disziplin inzwischen geändert hat, will Jaksche nicht beurteilen.

SPIEGEL ONLINE sagte er: "Ich war jetzt zwei Jahre raus aus dem Geschäft, ich weiß nicht, wie verseucht der Radsport noch ist. Andere Sportarten haben sicher auch große Probleme, aber da wird nicht so offen damit umgegangen."

all/dpa