Radsport: "Menschenversuche an sich selbst" - DER SPIEGEL
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Radsport "Menschenversuche an sich selbst"

Nach dem skandalösen Giro d'Italia hat das Thema Doping den Radsport an den Rand gedrängt.
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Berlin/Rom - Die Staatsanwaltschaft Padua ermittelt gegen fünf Fahrer des italienischen Teams Liquigas. Laut "Gazzetta dello Sport" ermittelt die Staatsanwaltschaft Florenz gegen zehn am Giro beteiligte Teams. "Jetzt beginnt der Gerichts-Giro", titelte am Montag "La Stampa".


Ullrich: Lebenslange Strafen

Staatsanwalt Luigi Bocciolini sagte, er werde so diskret wie möglich vorgehen, "um das Image der Personen zu schützen". Jan Ullrich plädierte für lebenslange Strafen bei Dopingvergehen: "Wer erwischt wird, sollte nicht nach einem Jahr zurückkommen, sondern überhaupt nicht mehr zum Radsport gehören."

Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich attestierte dem am Freitag nach der Razzia von San Remo suspendierten Dario Frigo "Menschenversuche an sich selbst". Bei Frigo soll das 1998 nach einer Testphase vom Markt genommene synthetische Hämoglobin Hemassist gefunden worden sein. Top-Sprinter Erik Zabel sagte rund drei Wochen vor dem Start der Tour de France: "Ich kann nur für mich selber sprechen - ich bin sauber." Sein Teamkollege Jens Heppner glaubt nicht an Abschreckung: "Es wird immer den ewigen Kampf zwischen Fahrern und Doping-Kontrolleuren geben."

"Keine Großrazzia bei der Tour"

Eine Großrazzia wie in Italien soll es bei der am 7. Juli in Dünkirchen beginnenden 88. Tour nicht geben. Gegenüber dem "Kicker" sagte Daniel Baal, Vizepräsident des Weltverbandes UCI: "Großrazzien wie in Italien sollen sich nicht wiederholen." Er befinde sich dabei angeblich im Einklang mit Frankreichs Sportministerin Marie-George Buffet, die als Anti-Doping-Hardlinerin bekannt ist und für das polizeiliche Vorgehen bei der Tour 1998 verantwortlich war.

"Razzia ist eine tolle Sache"

Der Leiter des Kölner Doping-Labors, Wilhelm Schänzer, hat die rigorosen Maßnahmen der italienischen Behörden begrüßt. "Diese Razzia ist für uns Kontrolleure eine tolle Sache. Da sieht man endlich einmal, was jeder einzelne Fahrer so mit sich führt", sagte Schänzer. Der Biochemiker warnte jedoch vor verfrühten Urteilen: "Es gibt viele Präparate, die legal sind und dennoch beschlagnahmt wurden."

Negativschlagzeilen über die Telekom-Profis hält Schänzer für nicht vorstellbar. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sauber sind, ist sehr hoch", meinte er, "sie befinden sich seit 1999 im Trainingskontrollsystem und werden fünf bis zehn Mal im Jahr ohne Vorankündigung getestet. Es gab noch keinen positiven Befund."

Fünf Fahrer suspendiert

Am Montag suspendierte die Teamleitung von Liquigas ihre Fahrer Ellis Rastelli, Denis Zanette (beide Giro-Etappensieger), Gianni Faresin, Marco Zanotti und Zeitfahrweltmeister Sergej Gontschar. "Sie werden nicht weiter fahren, bevor die Vorwürfe gegen sie nicht geklärt sind", sagte Teamchef Fabio Bordolani.