Radsport Pantani verblüfft alle
Rom - Knapp ein Jahr nach seiner Disqualifikation wegen Dopingverdachts bei der Italienrundfahrt 1999 wird sich Radsportidol Marco Pantani beim Giro-Start am Samstag in Rom im internationalen Spitzenradsport zurückmelden. Dies bestätigte Mercantone-Uno-Teamchef Felice Gimondi am Rande der Papst-Audienz für die Giro-Starter am Freitag im Vatikan. "Es wird schwierig werden, aber wenn ich nicht gestartet wäre, wäre ich vielleicht nie wieder ein Radrennen gefahren", sagte Pantani in Rom.
"Wir sind glücklich, Pantani wieder unter uns zu haben", sagte der Chefredakteur der "La Gazzetta dello Sport", Candido Cannavo, vor Papst Johannes Paul II. Die Zeitung richtet den Giro aus, dem ohne Pantani in diesem Jahr der Superstar gefehlt hätte. "Für mich ist es psychologisch wichtig, hier zu starten", betonte Pantani. Mit einem so großen Rennen zu starten, sei aber ein großer Schritt, weil ihm die nötige Kondition fehle, meinte Pantani skeptisch.
Johannes Paul II. sprach Pantani nicht direkt an, betonte aber allgemein die "Wertschätzung, das Interesse und die Bewunderung", die man in Italien den Radprofis beim Giro entgegenbringe. Er nannte den Radsport einen Ausdruck von "sportlichem Wettkampf und gleichzeitig menschlicher Solidarität". Anschließend segnete er die 180 Fahrer sowie die rund 300 übrigen Gäste, darunter zahlreiche frühere Giro-Sieger wie Eddie Merckx und Olympioniken wie Alberto Tomba.
Bei der Papst-Audienz saß der 30-jährige Pantani neben Sprintstar Mario Cipollini in der ersten Reihe. Eine Position, die Experten dem "Piraten" beim Giro auf Grund seines großen Trainingsrückstands nicht zutrauen. Vielmehr sehen sie in Pantanis Giro-Teilnahme ein Training für die Tour de France, die Pantani als "Saisonziel" ausgegeben hatte.
Noch vor einer Woche hatte Pantani einen Start beim Giro kategorisch ausgeschlossen. Wegen seiner "ausgezeichneten" Trainingsleistungen in den vergangenen Tagen habe sich der Bergspezialist zu einem Start entschlossen, erklärte Gimondi den Sinneswandel des sensiblen Radprofis.
Seitdem er beim Giro 1999 wegen eines über dem Limit liegenden Hämatokritwertes vor der vorletzten Etappe disqualifiziert worden war, ist er Mitte Februar lediglich zwei Etappen der "Vuelta Valenciana" gefahren - ohne Erfolg. Das Training hatte er nach eigener Aussage immer wieder wegen "Stresszuständen" ausgesetzt.
Pantani steht unter dem Verdacht, seit Jahren mit dem künstlichen Hormon Epo gedopt zu haben, das die Ausdauer erhöht. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln gegen den Profi, der jegliches Doping bestreitet. Die Indizienlast ist aber erdrückend: Der Staatsanwaltschaft liegen Krankenakten von Pantani vor, die seit Mitte der 90er Jahre unnatürlich hohe und stark schwankende Blutwerte aufweisen, die Experten als deutlichen Hinweis auf Blutdoping werten. In Forli steht Pantani deshalb wegen Sportbetrugs vor Gericht.