Neues Radsport-Team Giant-Alpecin Großauftrag für die Saubermänner
Marcel Kittel: Gemeinsam mit John Degenkolb der Star der Mannschaft
Foto: Lukas Schulze/ dpaDie jüngere Vergangenheit des Radsports in Deutschland führt beim Publikum meist zu folgender Assoziation: Radsport = Doping. Die Skandale um die Teams Telekom, T-Mobile, Gerolsteiner und Milram sowie um die Protagonisten Jan Ullrich, Patrik Sinkewitz, Erik Zabel und Co. haben den Ruf des Sports zutiefst ruiniert. Nun tritt ein Rennstall an, dieses Image zu verbessern.
In Berlin präsentierte sich das neu gegründete Team Giant-Alpecin, der erste deutsche Rennstall mit der höchsten Lizenz seit fünf Jahren. Die Stars der Mannschaft sind die Top-Sprinter Marcel Kittel und John Degenkolb.
Beide machen sich schon lange für ein deutsches Anti-Doping-Gesetz stark, im Frühjahr soll das im November vorgestellte Gesetzesvorhaben in Berlin verabschiedet werden. Degenkolb sieht die Zeit gekommen, dem verrufenen Sport wieder auf die Beine zu helfen. "Viele Sachen im Radsport haben sich gewandelt. Ich habe hart und viel dafür geworben und habe viele Fragen bezüglich Doping beantworten müssen", so Degenkolb: "Wir können auf das bisher Erreichte stolz sein."
Team Giant-Alpecin bei der Präsentation in Berlin
Foto: ODD ANDERSEN/ AFPDegenkolb und Kittel traten auch bei der Team-Präsentation als klare Doping-Gegner auf. "Es ist ein wichtiger Weg, die Regeln noch einmal zu verschärfen. Es darf keine Toleranz gegenüber Betrügern geben", sagte der achtmalige Tour-Etappengewinner Kittel und nahm damit auch den anwesenden Radsport-Weltverbandspräsidenten Brian Cookson in die Pflicht, der dem Astana-Rennstall trotz mehrerer Dopingfälle die WorldTour-Lizenz gewährt hatte.
Die Präsentation inszenierte der Bielefelder Shampoo-Hersteller und Hauptsponsor Alpecin in der französischen Botschaft in Berlin, kein Zufall, schließlich gab die ARD fast zeitgleich mit der Vorstellung bekannt, ab Sommer wieder mit Live-Bildern von der Tour de France (4. bis 26. Juli) zu berichten. 2011 hatten die öffentlich-rechtlichen nur noch aufgrund von Vertragspflichten von der Frankreich-Rundfahrt live berichtet und danach wegen der Dopingskandale die Berichterstattung eingestellt.
Ein neues Team, eine neue TV-Chance für den Sport - das allein wird allerdings noch lange nicht reichen, um die Vergangenheit vergessen zu lassen. Das weiß auch Giant-Alpecin-Teamchef Iwan Spekenbrink. "Ich hoffe, das wird ein neuer Startschuss für den Radsport in Deutschland. Wir übernehmen Verantwortung dafür", sagte er.
Marc Bator, früher "Tagesschau"-Sprecher und nun Team-Berater von Giant Alpecin , sieht die Aufgabe von Kittel, Degenkolb und Co. darin, Radsport in Deutschland wieder auf ein gesundes und vor allem sauberes Fundament zu stellen. "Die Zeit, die hinter uns liegst, muss ein Mahnmal sein. Niemand in diesem Sport darf aufhören daran zu glauben und zu arbeiten, diesen Sport zu erneuern."
Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme, der ebenfalls bei der Präsentation anwesend war, ist froh, mit Giant-Alpecin wieder ein deutsches Erstliga-Team bei der Frankreich-Rundfahrt begrüßen zu dürfen. Im vergangenen Jahr durfte sich bereits der deutsche Zweitdivisionär NetApp-Endura (jetzt Team Bora-Argon 18) über eine Wildcard freuen. Doch trotz guter Resultate fehlte es dem Team an Strahlkraft, um in Deutschland wieder ein Radsport-Fieber zu entfachen. Dies soll nun anders werden.