Radsport: Ullrich soll gedopt haben - DER SPIEGEL
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Radsport Ullrich soll gedopt haben

Schlechte Nachrichten erreichen Jan Ullrich aus Italien. Der Kapitän des Team Telekom hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Florenz beim letztjährigen Giro d'Italia des Dopingmissbrauchs schuldig gemacht.
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Florenz - Staatsanwalt Luigi Bocciolini übergab am Wochenende dem Nationalen Olympischen Komitee Italiens (Coni) eine Liste mit 46 unter Dopingverdacht stehenden Radprofis. Unter den 23 ausländischen Fahrern taucht nach Informationen der italienischen Tageszeitung "La Gazzetta dello Sport" auch Ullrichs Name auf.

In den nächsten Wochen will Bocciolini mehrere Fahrer, Betreuer, Mediziner und Manager vernehmen, darunter auch vier aktuelle und ehemalige Telekom-Mitglieder. Dabei soll es sich um Alberto Elli, Giovanni Lombardi, Mannschaftsarzt Lothar Heinrich und Ullrich selbst handeln.

Insulin bei Ullrich gefunden?

Im Hotelzimmer von Ullrich, zur Zeit im Trainingslager in Südafrika, sollen Cortison-Präparate und Anabolika gefunden worden sein. Auch Insulin habe man bei Ullrich entdeckt. Das Gleiche gelte für Giuliano Figueras und Marco Pantani, bei dessen Masseur verdächtige Spritzen beschlagnahmt wurden. Ullrichs ehemaliger italienischer Teamkollege Elli hatte Insulin-Gebrauch zugegeben.

Bei Lombardi und Heinrich wurden während der Giro-Razzia Koffeintabletten sichergestellt. Der Italiener Dario Frigo, der den Besitz von Epo bei der letzten Italien-Rundfahrt zugegeben hatte und dafür bis zum 8. März 2002 sechs Monate lang gesperrt worden war, soll sich nun wegen des Gebrauchs von Wachstumshormonen verantworten müssen.

"Der gleiche Unsinn wie vor kurzem"

Der Chef der Coni-Antidopingkommission, Giacomo Aiello, werde in den nächsten Wochen die Beschuldigten in Rom vorladen. Werden die italienischen Fahrer dann vor dem Coni angeklagt, droht ihnen eine Sperre. Bei den ausländischen Radprofis kann das italienische NOK jedoch nur seine Ermittlungsergebnisse an die Sportjustiz der jeweiligen Heimatländer weiterleiten. In Ullrichs Fall müsste dann der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) über eine mögliche Sperre entscheiden.

"Das ist der gleiche Unsinn wie vor kurzem mit dem Anabolika-Verdacht in italienischen Zeitungen. Ullrich hat hundertprozentig kein Insulin genommen", verwies Telekom-Teamarzt Heinrich am Sonntag die Anschuldigungen ins Reich der Fantasie, "es ist die alte Geschichte: Jan hat beim Giro kortisonhaltige Medikamente gegen sein Asthma verwendet. Die waren verschrieben und durch den Eintrag in seinem Gesundheitspass legitimiert."