Radsport Zabel muss weiter warten
Tours - Erik Zabel muss weiter auf seine Krönung warten. Im Weltcup der Radprofis verteidigte der Sprinter vom Team Telekom beim neunten von zehn Rennen über 254,5 Kilometer von Paris nach Tours zwar seine Führung in der Gesamtwertung, versäumte es aber, den zweiten Triumph eines Deutschen nach Olaf Ludwig (1992) vorzeitig pefekt zu machen. Titelverteidiger Andrej Tschmil rückte dank seines zweiten Platzes bis auf 71 Punkte an Zabel heran, muss nun allerdings die abschließende Lombardei-Rundfahrt (21. Oktober) gewinnen, um seinen deutschen Widersacher doch noch einzuholen.
"Ich bin völlig fertig. Das war ein knochenhartes Rennen", erklärte Zabel völlig erschöpft. `Ich wollte mir den Weltcup hier unbedingt holen und bin jetzt froh, dass ich überhaupt gepunktet habe. Bei der Lombardei-Rundfahrt habe ich wahrscheinlich keine Chancen auf eine vordere Platzierung", erklärte der 30-Jährige. Dennoch bleibt ihm seine gute Ausgangsposition erhalten, da auch Tschmil nicht zu den Favoriten in der Lombardei zählt.
Beim Sieg des Italieners Andrea Tafi nach 6:38:36 Stunden erkämpfte der Belgier in Tours einen guten zweiten Platz und wahrte mit 276 Punkten seine minimale Chance auf eine Titelverteidigung. Zabel kam als Elfter ins Ziel und stockte damit sein Punktekonto auf 347 Zähler auf. Mit 100 Punkten für einen Erfolg könnte Tschmil den Telekom-Kapitän noch von der Spitze verdrängen.
Die entscheidende Situation des Rennens ereignete sich etwa 20 Kilometer vor dem Ziel, als Zabel auf eine Attacke von Tschmil nicht reagierte und den Kontakt zur Spitzengruppe verlor. Bei schwierigen äußeren Bedingungen mit Wind und Regen musste sich der fünfmalige Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France ohne einen Helfer auf die Verfolgung machen, da das gesamte Team bereits früh zurückgefallen war.
"Die Mannschaft hat einen Moment nicht aufgepasst und es Erik somit unheimlich schwer gemacht", meinte Telekoms sportlicher Leiter Rudy Pevenage: "Er hatte in der Schlussphase alle gegen sich und niemanden an seiner Seite, da war nichts zu machen", so der Belgier weiter. Während Zabel erfolglos um den Anschluss kämpfte, setzte sich vorne Tafi entscheidend ab und verwies Tschmil sowie seinen Landsmann Daniele Nardello auf die Plätze.
Die Geschichte des diesjährigen Rennens hatte zuvor vor allem der Franzose Sylvain Chavanel geschrieben. Der 21-Jährige vom Bonjour-Rennstall hatte sich früh vom Feld abgesetzt und einen Vorprung von bis zu einer halben Stunde herausgefahren. Rund 30 Kilometer vor dem Ziel wurde Chavanel jedoch von den Verfolgern wieder eingeholt.
Von Phillip Boisson, sid