Radsport Zabel weiter in Topform
Meerbeke - Erik Zabel hat den zweiten Weltcupssieg der Saison trotz einer Gala-Vorstellung seines Teamkollegen Steffen Wesemann nur knapp verpasst und den Triumph bei der 84. Flandern-Rundfahrt dem Belgier Andrej Tschmil überlassen müssen. Der Weltcup-Gesamtsieger der vergangenen Saison hatte elf Kilometer vor dem Ziel attackiert und in einem spannenden Finale den 61. belgischen Sieg bei dem Frühjahrs-Klassiker perfekt gemacht. Zabel wurde Vierter.
"Das ist mein schönster Tag. Ich habe es versucht und Glück gehabt", sagte Tschmil, der die 269 Kilometer von Brüssel über das Kopfsteinplaster von Belgiens Nordwesten nach Meerbeke in 6:57:03 Stunden bewältigte und Dario Pieri (Italien) und Romans Vainsteins (Lettland) auf die nächsten Plätze verwies. Zabel hatte wie am Vorjahr an der Mauer von Gerardsbeergen rund 20 Kilometer vor dem Ziel etwas den Anschluss verloren, verteidigte aber am Ende das Weiße Trikot des Spitzenreiters in der Weltcup-Gesamtwertung erfolgreich. "Es fehlten halt ein paar Meter, aber unzufrieden bin ich nicht. Ich habe mein Trikot verteidigt und will jetzt nächsten Sonntag bei Paris-Roubaix noch einige Punkte holen", sagte Zabel.
Die Schlagzeilen gehörten am Sonntag allerdings Zabels Team-Kollegen Steffen Wesemann. Der in der Schweiz lebende Brandenburger fuhr "das Rennen meines Lebens" und hatte selbst noch Siegchancen. "Bei ihm hat es endlich Klick gemacht", hatte Telekom-Teamdirektor Walter Godefroot schon vor dem Start gesagt. Der frühere Friedensfahrtsieger, der ihm Vorjahr mangels Leistung knapp vor dem Rauswurf stand, hat in diesem Frühjahr sein Kampfgewicht um fünf Kilo verringert.
"Das war eine Superleistung für das Telekom-Team und soviel wert wie ein Sieg. Mit Zabel und Wesemann hatten wir zwei Mann ganz vorn, wobei sich Wesemann auf den letzten fünf Kilometern für Zabel geopfert hat. Leider hat es nicht ganz gereicht. Das beste war, dass Wesemann an der Mauer Belgiens Radsport-Idol Johan Museeuw in die Schranken gewiesen hat."
Wesemann fuhr ständig in der Spitzengruppe, kontrollierte dabei die belgischen Favoriten Museeuw und Vorjahressieger Peter van Petegem. Hervorragende Unterstützung erhielt auch van Petegem von seinem Teamkollegen Andreas Klier. "Bei mir läuft es in diesem Jahr sehr gut. Ich fühle mich wohl bei Farm Frites", sagte der Münchner.
"Man kann nicht jedes Rennen gewinnen. Erik hat sein Trikot verteidigt und Platz vier ist schließlich auch vom Feinsten. Ich bin stolz darauf, als erster auf der Mauer gewesen zu sein", sagte Wesemann, der bereits zum Saisonauftakt in Australien eine Etappe gewonnen hatte.
Dominiert hatte das Rennen über die ersten 110 Kilometer der Belgier Eric de Clercq. Der 32-Jährige vom Brüsseler Collstrop-Team fuhr zeitweise zehn Minuten vor den Verfolgern allein an der Spitze und wurde erst kurz vor dem Kluisberg bei Kilometer 190 eingeholt.
Opfer eines schweren Sturzes rund drei Kilometer vor dem Knokteberg wurde der Niederländer Jan Koerts. Für den Teamkollegen von Klier war das Rennen nach einer Kollision mit Rolf Aldag beendet. Aldag konnte allerdings das Rennen im Gegensatz zu seinem mit einem Pedalbruch ausgeschiedenen Telekom-Teamkollegen Gian Matteo Fagnini fortsetzen. Wenig später hatte auch Danilo Hondo Pech, als ein Reifen an seinem Rad platzte.
Vom Start ausgeschlossen worden war Nicolay Bo Larsen. Dem Dänen war bei einer Blutkontrolle ein überhöhter Hämatokritwert nachgewiesen wurde, was dem Reglement entsprechend ein Startverbot und eine zweiwöchige Schutzsperre zur Folge hat. Nur wenig später wurde der dänische Meister auch aus seinem Memory-Card-Team ausgeschlossen. Insgesamt 24 der 185 gemeldeten Fahrer waren am Sonntagmorgen kontrolliert worden, darunter auch Klier.
Das dritte von insgesamt zehn Weltcuprennen findet bereits am kommenden Wochenende statt. Dann geht es in Frankreich durch "die Hölle des Nordens" von Paris nach Roubaix.