Reaktionen: "Menschlich maßlos enttäuscht" - DER SPIEGEL
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Reaktionen "Menschlich maßlos enttäuscht"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Thomas Bach (IOC-Vizepräsident): "Das ist ein schwerer Schlag für den deutschen Sport und insbesondere für den Ringer-Sport. Zum Fall selbst kann ich nichts sagen, weil ich den Bericht noch nicht vorliegen habe. Ich hoffe, dass die Exekutive nicht erst bei ihrer nächsten Sitzung über den Fall entscheidet, sondern schnell in einem telefonischen Konferenz-Rundruf. Ich kenne keinen Fall, bei dem die Exekutive nicht dem Vorschlag der Medizinischen Kommission gefolgt ist."

Alexandre de Merode (Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC): "Nandrolon ist ein anaboles Steroid, und wenn es in 10-facher Menge über dem erlaubten Limit gefunden wird, dann ist der Fall klar. Wir haben in einer sehr offenen Weise die deutsche Delegation und den Athleten gehört. Sie akzeptierten die Art und Weise, wie die Tests durchgeführt wurden."

Klaus Kinkel (Ex-Außenminister, sportpolitischer Sprecher der FDP): "Wenn es zutrifft, dass Leipold mit Nandrolon gedopt war - und davon ist auszugehen - dann ist dies ein ganz schlimmer Fall und ein heftiger Schlag ins Kontor der deutschen Olympia-Mannschaft. Doping ist eine schlimme Geißel des Sports. Und es ist durch nichts zu rechtfertigen, dass dem Wunsch des Sportler nach besseren Leistungen durch solche Präparate Nachdruck verliehen wird. Schade, dass dieser Schatten auf die Leistung Leipolds fällt."

Stefan Volknant (Sprecher des NOK): "Es gibt keinen Zweifel, dass das NOK am strikten Anti-Doping-Kurs festhält. So bedauerlich der Einzelfall auch immer ist, wenn er einen Schatten auf die Olympia-Mannschaft und das Abschneiden deutscher Athleten wirft, so ist es immer auch ein Zeichen eines funktionierenden Anti-Doping-Systems. NOK und deutsche Spitzenverbände gehen keinen Deut ab von ihrer Linie im Anti-Doping-Kampf."

Armin Baumert (Leistungssportdirektor des DSB): "Das tiefe, schwarze Loch, in das uns Alex Leipold gerissen hat, ist viel größer als die vielen kleinen Pannen der ersten Olympia-Woche. Der Wagen Leistungssport ist gehörig ins Schlingern geraten, und wir hoffen nur, dass er nicht entgleist. Ich bin menschlich maßlos enttäuscht."

Helmuth Pauli (Präsident des Deutschen Ringer-Bundes): "Ich bin maßlos enttäuscht von dieser Geschichte. Ich hätte das nicht erwartet. Alexander Leipold ist nach wie vor der Meinung, dass er nichts getan hat. Aber wir müssen uns einfach den Gegebenheiten stellen. Der DRB ist schwer geschädigt in dieser Sache. Er hat so große Erfolge für den deutschen Ringersport errungen, dass wir ihn nicht fallen lassen werden. Es ist ein schwerer Schlag, wahrscheinlich der größte Schlag in der 110-jährigen organisierten Geschichte des deutschen Ringkampfsports."

Wolfgang Nitschke (Freistil-Bundestrainer): "Es ist ein sehr großer Schlag für mich. Der Sieg in Sydney war die Krone meiner Arbeit. Es war wie der Empfang eines Nobelpreises, als Alex die Goldmedaille bekam. Nun stehe ich sehr unter Schock. Seit über zehn Jahren betreue ich diesen Athleten, wir sind durch dick und dünn gegangen und haben so manche Klippen bewältigt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er so etwas machen könnte. Wir sind beide zwar ehrgeizig, aber nicht dumm. Hoffentlich können wir mit unserer Arbeit zur sachlichen Aufklärung beitragen. Im Moment können wir es aber noch nicht. Vielleicht wird der Zeitpunkt kommen, dass wir mit geballten Fakten an die Öffentlichkeit gehen können."

Markus Scherer (Silbermedaillengewinner 1984, Trainer des VfK Schifferstadt): "Das haut mich um. Alex Leipold und Doping - das ist für mich eigentlich völlig unvorstellbar. Der Vorgang ist eine Katastrophe für das Ringen und für den VfK Schifferstadt."

Arawat Sabejew (Weltmeister, Europameister und Olympiateilnehmer): "Das ist eine Katastrophe für den gesamten Ringsport - ich kann es eigentlich überhaupt nicht glauben. Ich weiß nicht, wie es zu so etwas gekommen ist und gehe davon aus, dass Alex das nicht bewusst gemacht hat".

Helmut Winter (Bürgermeister Karlstein am Main/ Leipolds Wohnort): "Ich werde verrückt. Das ist ein Schlag. Ich kannte ihn schon als Bub und kann mir absolut nicht vorstellen, dass er das gemacht hat. Er ist so ein prima Kerl. Wir hatten uns einiges zum Empfang ausgedacht. Jetzt müssen wir erst mal abwarten."