Reck-Finale: Die Massen proben den Aufstand - DER SPIEGEL
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Reck-Finale Die Massen proben den Aufstand

Selten zuvor gab es derartige Unmutsäußerungen über eine Wertung einer Jury wie nach der Kür des Russen Alexej Nemow. Unbeeindruckt von der aufgeheizten Stimmung in der Halle bot der Deutsche Fabian Hambüchen eine tolle Leistung.
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Athen - Olympiasieger Alexej Nemow bot eine mit Höchstschwierigkeiten gespickte Kür, machte jedoch beim Abgang einen Ausfallschritt, den die Kampfrichter als Fehler bewerteten. Folge war eine 9,725, das Publikum protestierte lautstark gegen die Entscheidung.

Minutenlang gab es ein gellendes Pfeifkonzert, erst auf Intervention des Hauptkampfrichters wurde die Note auf eine 9,762 korrigiert. Für Nemow trotzdem zu wenig, um eine Medaille gewinnen zu können. Das Publikum wollte sich nicht beruhigen, es herrschte eine Stimmung wie in einem Fußballstadion.

Erst als Nemow selbst in die Mitte trat und das Publikum beruhigte, wurde es stiller in den Reihen. Sein amerikanischer Kontrahent Paul Hamm, Mehrkampf-Olympiasieger von Athen, wartete geduldig auf seinen Auftritt und zeigte eine fehlerfreie, wenn auch weniger spektakuläre Leistung als Nemow.

Der einzige deutsche Finalteilnehmer, Fabian Hambüchen aus Niedergirmes, hat sich in die Herzen eines Millionen-Publikums geturnt. Mit dem siebten Platz konnte der 16-Jährige zufrieden sein, er bot eine hervorragende Leistung am Reck und verfehlte den dritten Platz denkbar knapp.

Hambüchen bot eine perfekte Flugshow mit insgesamt drei Flugelementen. Nach dem Tkatschew/gestreckt und dem Tkatschew/gebückt folgte noch der Gienger-Salto - fehlerfrei. Doch ein Wackler beim Abgang kosteten den jungen Turner wertvolle Punkte, die Kampfrichter bewerteten seine Leistung mit einer 9,700. Die 12.000 Zuschauer in der Halle feierten den jüngsten Turner der Olympischen Spiele.

"Das war ziemlich gut, der Wackler hat mich wohl einen Podestplatz gekostet", gab Hambüchen nach der Kür zu. "Aber ein siebter Platz ist doch nicht schlecht. Ich hatte keine Ahnung, was bei dem Abgang da los war", erklärte der einzige deutsche Turnfinalist.

Der Italiener Igor Cassina holte sich mit 9,812 Punkten überraschend die Goldmedaille vor dem punktgleichen Hamm und dem Japaner Isao Yoneda (9,787).