Ringen Der neue Kran von Schifferstadt
Sydney - Alexander Leipold hat als zweiter deutscher Freistil-Ringer nach dem als "Kran von Schifferstadt" in die Mattengeschichte eingegangenen Wilfried Dietrich 1960 olympisches Gold gewonnen. Der Weltergewichtler aus Schifferstadt besiegte im Finale von Sydney den US-Amerikaner Brandon Slay nach überlegener Kampfführung mit 4:0 Punkten. Für den Deutschen Ringer-Bund (DRB) war es in Australien zugleich die einzige Medaille in beiden Stilarten. Bronze ging an den Südkoreaner Eui Jae Moon, der den Türken Adem Bereket bezwang.
Nachdem er einen Salto rückwärts geschlagen und noch ein paar unbeholfen wirkende Jubel-Sprünge vollführt hatte, kletterte der neue Olympiasieger mit verbeulter Nase und einem Veilchen am linken Auge von der Matte. Ja, er sei "der glücklichste Mensch der Welt" und, ja, er sei jetzt "völlig kaputt", gab Leipold all jenen zu Protokoll, die nach dem größten Triumph seiner Karriere wissen wollten, wie sich ein Mann fühlt, der gerade Historisches geleistet hat.
Natürlich fiel auch immer wieder der Name des Goldmedaillengewinners von Rom. "Dietrich war auch für mich ein Vorbild", erklärte Leipold. "Es ist ein Traum, dass ich heute seine Tradition weiterführen konnte. 20 Jahre habe ich für diesen Tag trainiert. Dreimal bin ich bei Olympischen Spielen angetreten und gescheitert. Aber diesmal hat es geklappt. Ich werde bestimmt 40 Jahren brauchen, um das alles zu begreifen."
In einem "taktisch hervoragend geführten Finalkampf" (Bundestrainer Wolfgang Nitzschke) profitierte der Ex-Weltmeister und dreimalige Europameister zu Beginn der zweiten Runde von drei Punkten, die ihm nach Regelwidrigkeiten des Kontrahenten zugesprochen worden waren. "Danach war ich mir meiner Sache ziemlich sicher. Schließlich bin ich ein guter Kontermann", sagte Leipold. So kam dann auch der entscheidende Punkt zum 4:0-Sieg durch Kontertechnik zustande.
Der Riss im Nasenbein, der ihm im letzten Vorrunden-Kampf mit einem unfairen Kopfstoß zugefügt worden war, behinderte Leipold auch im Finale, weil der Amerikaner immer wieder die Schwachstelle seines Gegners attackierte. "Das war keine Absicht von ihm", nahm Leipold Brandon Slay in Schutz. "Ringen ist ein fairer Sport. Außerdem wollte ich unbedingt Gold, und keinen Schönheitspreis."