Rodeln Otto erstmals Weltmeisterin
St. Moritz - Die deutschen Rodler haben bei den Weltmeisterschaften in St. Moritz für einen goldenen Samstag gesorgt. Sylke Otto (Oberwiesenthal) und das Doppel Patric Leitner/Alexander Resch (Königssee/Berchtesgaden) holten sich nach den Erfolgen bei den Europameisterschaften vor drei Wochen in Winterberg nun auch die WM-Titel. Während Sylke Otto erstmals Champion wurde, verteidigten Leitner/Resch ihren Vorjahrserfolg. Bei den Frauen gab es durch Barbara Niedernhuber (Königssee), Sonja Wiedemann (Hausham), Silke Kraushaar (Oberhof) und Gabi Bender (Königssee) einen Fünffach-Erfolg wie bei der EM. Die Winterberger Steffen Skel/Steffen Wöller sorgten bei den Doppeln als Zweite erneut für einen Doppelsieg. Rang drei ging an die Amerikaner Mark Grimmette/Brian Martin.
"Diese Saison ist ein Traum. Jetzt bin ich Weltmeisterin. Das muß ich erst einmal verdauen", jubelte Sylke Otto im Ziel, nachdem sie von ihrem Freund Ronald Grund beglückwünscht worden war. "Ich habe erst im Auslauf gemerkt, dass ich gewonnen habe, als einer den Daumen nach oben hielt. Auf dieser Bahn kann man sich nie sicher sein, obwohl beide Läufe recht ordentlich waren", sagte die 30-Jährige, die mit dem Titel ihrer Mutter in Berlin ein schönes Geburtstagsgeschenk machte.
Dabei hatte es im Ziel des ersten Laufs eine Schrecksekunde für die im fränkischen Zirndorf beheimatete Sportsoldatin und ihren 25-köpfigen Fan-Club aus Oberwiesenthal gegeben. In der Zielkurve hatte sie den Kopf zu flach, schlug gegen die Bande und stürzte. Der Schlitten flog durch die Gegend. "Da habe ich für ein bissel Hektik gesorgt. Mein erster Gedanke war: Hoffentlich ist dem Schlitten nichts passiert. Ich selbst merkte, dass ich mir nichts getan hatte", schilderte Sylke Otto die prekäre Situation.
Bis auf eine etwas geknickt wirkende Olympiasiegerin Silke Kraushaar, die als Vierte eine Medaille verpasste, gab es nur Jubel. Auch Barbara Niedernhuber, die langsam mit dem Ruf der ewigen Zweiten leben muss, schrie ihr Glück in den wolkenlosen Himmel über St. Moritz. "Eine Silke habe ich geputzt", sagte sie und unterstrich damit die Rivalität im Frauen-Team. Die entthronte Titelverteidigerin Sonja Wiedemann bestätigte ihren Erfolg vom Vorjahr mit Rang drei. Zudem nimmt sie den "Geschwindigkeitsweltrekord" mit nach Hause: 135,08 km/h wurden für sie gemessen. Vor der WM hatte Silke Kraushaar mit 132,3 km/h die Rangliste angeführt.
"Ich bin jetzt fünf Kilo leichter und zehn Jahre älter. Das Siegergefühl wird wohl erst später kommen", sagte Patric Leitner. Die Titelverteidigung sei ihnen bedeutend schwerer gefallen als der Sieg vor einem Jahr am Königssee. "Der Druck war gewaltig. Alle haben uns doch in die Favoritenrolle geschoben. Schön, dass wir das so weggesteckt haben", meinte Leitner. Silber-Pilot Steffen Skel jubelte ähnlich wie Leitner: "Wir wollten Zweite werden, dass ist gelungen. Nach Gold im Mannschafts-Wettbewerb nun Silber - eine optimale WM für uns."