Rotherbaum: Ein Bauernsohn aus Ostwestfalen - DER SPIEGEL
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Rotherbaum Ein Bauernsohn aus Ostwestfalen

Der auf dem Hof seines Schwiegervaters in Borgholzhausen lebende Rumäne Andrei Pavel steht überraschend im Halbfinale des ATP-Turniers von Hamburg und ist jetzt die Hoffnung der deutschen Tennisfans.
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Hamburg - Der "deutsche Rumäne" Andrei Pavel hat mit einem 7:5, 6:4 gegen Vorjahresfinalist Mariano Zabaleta aus Argentinien seinen Erfolgszug am Hamburger Rothenbaum fortgesetzt und ist als erster Spieler ins Halbfinale des mit 2,95 Millionen Dollar dotierten Turniers der ATP Masters Serie eingezogen. Dort trifft er auf den Brasilianer Gustavo Kuerten, der sich im Spitzenspiel des Tages mit 6:4, 6:2 gegen den Schweden Magnus Norman durchsetzte.

Im zweiten Semifinale steht der Russe Marat Safin, der Cedric Pioline aus Frankreich 7:6 (7:4), 4:6, 6:3 bezwang. Sein Gegnerist Titelverteidiger Marcelo Rios (Chile), der sich mit 6:4, 6:3 gegen Francisco Clavet (Spanien) durchseten konnte. Der 20 Jahre alte Zwei-Meter-Hüne aus Moskau bestätigte damit seine herausragende Form auf der europäischen Sandplatz-Saison: 16 seiner letzten 17 Spiele hat er gewonnen und triumphierte auf Mallorca und in Barcelona.

Gustavo Kuerten gelang gegen die derzeitige Nummer eins im Champions Race, Magnus Norman, eine gelungene Revanche für die Niederlage im Endspiel von Rom vor einer Woche. Pavel geht als klarer Außenseiter in die Partie mit dem French-Open-Sieger von 1997. "Das wird in jedem Fall ein ganz schweres Spiel", sagte der 26-Jährige, "ich muss einfach versuchen, wieder so gut zu spielen, wie am Freitag."

In Pavel steht steht ein Spieler mit deutschem Wohnsitz in der Runde der letzten Vier: Er lebt mit seiner deutschen Ehefrau Simone und dem zehn Monate alten Töchterchen Caroline Elena im ostwestfälischen Borgholzhausen auf dem Bauernhof seines Schwiegervaters. Gegen Zabaleta bestätigte er seine Topform der letzten Wochen. Schon in Rom war er durch die Qualifikation bis in die dritte Runde vorgestoßen. "Ich bin schon mit sehr viel Selbstvertrauen hier hergekommen", sagte der perfekt deutsch sprechende Rumäne, "und habe hier sehr gut gespielt. Ich bin stolz auf mich."

Es war bereits sein sechstes Match in der Hansestadt einschließlich der Qualifikation. "Ich fühle mich körperlich sehr fit", sagte der in der Weltrangliste an Platz 70 geführte beste rumänische Tennisprofi, "außerdem macht es viel Spaß auf dem vollen Centre Court. Ich hoffe, die Leute klatschen am Samstag für mich."

Pavel ist bereits als 16-Jähriger nach Deutschland gezogen - "und dann habe ich mich in eine deutsche Frau verliebt und bin hier geblieben". In Borgholzhausen fühlt er sich wohl: "Es ist ein sehr kleines Dorf, aber sehr schön." Nur mit der Landwirtschaft hat er nichts am Hut: "Ich bin froh, dass ich Tennisspieler bin. Das Leben als Bauer ist sehr hart."

An die deutsche Staatsbürgerschaft hatte er nur einmal vor sieben Jahren gedacht, als er für Deutschland als Junior spielen sollte. Dafür hätte er aber den rumänischen Pass abgeben müssen und das wollte er nicht. Jetzt ist das für ihn kein Thema mehr: "Ich spiele sehr gerne Daviscup für mein Land." Im Abstiegsspiel gegen Deutschland 1999 in Bukrest bezwang er zum Auftakt Rainer Schüttler, bevor er Tommy Haas unterlag.