RTL Rekordquote verpasst
Garmisch-Partenkirchen - Beim Skispringen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das mussten am ersten Tag des Jahres 2000 neben Martin Schmitt auch die TV-Leute von RTL erfahren. Die Wintersport-Premiere des Kölner Fernsehsenders beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen sahen 7,57 Millionen (1. Durchgang) und 7,88 Millionen Zuschauer (Finale). Trotz eines Spitzenwertes von 9,18 Millionen verpasste RTL damit nicht nur die Zehn-Millionen-Marke deutlich, sondern auch den Tournee-Rekord des ZDF. Denn im Vorjahr hatten 8,43 Millionen Fans vor dem Bildschirm mit dem Sieger Martin Schmitt gefeiert.
RTL-Informationsdirektor Hans Mahr hatte zuvor gehofft, die Quoten von ARD/ZDF ein bisschen ausbauen zu können. "Uns ist ein hervorragender Start gelungen. Aus dem Stand bis zu neun Millionen Zuschauer zu bannen, obwohl Martin Schmitt nicht Erster, sondern Elfter wurde, ist ein wirklich tolles Ergebnis", wertete Mahr aus dem fernen Australien die Übertragung gleichwohl als Erfolg.
"RTL kann das Skispringen nicht neu erfinden", hatten die öffentlich-rechtlichen Sender geunkt. Die solide und technisch einwandfreie Übertragung ließ zwar nur wenig Wünsche offen, brachte aber bis auf die Werbespots keine großen Neuerungen. Immerhin investierten die Kölner rund zehn Millionen Mark in Ausrüstung und Technik, um aus Skispringen ein "Event" zu machen. Doch dazu fehlte am Neujahrstag 2000 der fest eingeplante Sieg von Martin Schmitt.
Den Kommentatoren und Moderatoren Günter Jauch, Dieter Thoma und Thomas Bartels verschlug es fast die Sprache, als der vermeintliche "Quotenbringer" nach dem ersten Durchgang "nur" auf Platz neun lag. Sogar die Marktanteile gingen danach zurück, von 39,6 auf 36,9 Prozent. Das war im Jahr zuvor noch anders gewesen, als die Marktanteile für Skispringen auf bis zu 46 Prozent stiegen.
Zum Teil herbe Kritik an der TV-Übertragung übten im Internet die eingefleischten Skisprung-Fans aus dem Schwarzwald. Sie bemängelten fehlende Interviews mit den deutschen Springern aus der zweiten Reihe und die fehlenden Angaben über Wind- und Anlaufgeschwindigkeiten.
Als "besonders erfreulich" wertete Mahr die Resonanz von 3,47 Millionen bei der umfangreichen Vorberichterstattung. Die Traummarke von zehn Millionen Zuschauern kann vielleicht im nächsten Jahr fallen. "Die breite Identifikation mit einer Sportart braucht Zeit. Auch bei der Formel 1 haben wir nicht aus dem Stand zehn und mehr Millionen Zuschauer erreicht", sagte der Österreicher.