Ryder Cup Der große Schlagabtausch
Team Europa noch ganz entspannt
Foto: Erik S. Lesser / dpaDie Musik der Eröffnungszeremonie des 41. Ryder Cup war am Donnerstag im Hazeltine National Golf Club gerade verklungen, da trat US-Kapitän Davis Love III ein letztes Mal vor die Presse. Er hatte soeben seine Paare für die vier Duelle im Foursome-Format (zwei Spieler pro Team spielen den Ball abwechselnd) ernannt und wirkte erleichtert. "Die Zeit ist endlich gekommen", meinte Love.
Er schickt mit Patrick Reed "unseren aufgedrehtesten Kerl" zu Beginn raus (14.35 Uhr MESZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Zusammen mit Jordan Spieth soll er vor den "möglicherweise aufgedrehtesten Fans der Golfgeschichte" für einen erfolgreichen und stimmungsvollen Auftakt sorgen. Dem Enthusiasmus stellt Europas Teamkapitän Darren Clarke mit Henrik Stenson/Justin Rose die pure Routine gegenüber. Martin Kaymer spielt im dritten Paar mit Sergio García gegen Jimmy Walker/Zach Johnson.
Dazwischen bekommen es Rory McIlroy und Andy Sullivan mit Phil Mickelson und Rickie Fowler zu tun, einer Mischung aus Erfahrung und Jugend. Das gleiche Prinzip wendet Europa beim letzten Paar Lee Westwood und Thomas Pieters an. Der Engländer und der Belgier haben mit Dustin Johnson und Matt Kuchar allerdings sehr starke Gegner.
Diese zwölf Golfer treten für Europa an:
Ryder Cup: Zwölf Männer für Europa
Spieth forderte von den Fans zwar, "die Euros spüren zu lassen, dass sie in Amerika spielen". Doch derlei Aufrufe sind gar nicht nötig. Bereits in den vergangenen Tagen verfolgten Tausende Zuschauer die Trainingsrunden. Viele trugen Landesfahne und Landesfarben als Smoking, Zylinder, T-Shirts, Weste, Jacke oder gar Ganzkörpereinteiler. Sie alle wollen endlich wieder einen US-Sieg sehen. Von den vergangenen zehn Ryder Cups gewann Europa acht, darunter die vergangenen drei.
Nach der Niederlage 2014 gründeten die Amerikaner gar eine Task Force, deren Aufgabe es war, herauszufinden, was man von den Europäern lernen könne. "Das heißt, dass wir etwas richtig machen, und es setzt sie unter Druck. Denn wenn du solch eine Arbeitsgruppe zusammenstellst und nicht gewinnst, was machst du dann?", meinte Lee Westwood. Der Engländer ist zum zehnten Mal dabei. Als er 1997 sein Ryder-Cup-Debüt gab, war Landsmann Matthew Fitzpatrick gerade drei Jahre alt.
Wie die Blues Brothers: Europas Golfer bei der Ryder-Cup-Eröffnung
Foto: imago/ Icon SMIFitzpatrick ist einer von sechs Ryder-Cup-Neulingen bei Team Europe. Somit besteht die Hälfte der Mannschaft aus Novizen, die weder die besondere Anspannung noch die einzigartige Atmosphäre kennen. Johnny Miller, Mitte der Siebzigerjahre einer der ganz großen Golfer und heute TV-Experte beim US-Fernsehen, nahm das zum Anlass, vom "schlechtesten Europateam seit Jahren" zu sprechen. Love III wiederum nannte seine Mannschaft das "beste US-Team, das jemals zusammengestellt wurde".
Es wurden also nicht nur Golfbälle in dieser Woche gespielt, sondern auch einige Giftpfeile geschossen - der giftigste von allen war eine Kolumne, in der Danny Willetts Bruder Pete amerikanische Fans verunglimpfte.
Kein Wort über die Schmach von Medinah
Im Vorfeld wurde über viel geredet, eine Sache hingegen ignorierten sie beim US-Team völlig - Medinah. Der Ort etwas außerhalb von Chicago war vor vier Jahren Schauplatz der wohl größten amerikanischen Schmach. Mit 10:6 hatten die USA vor den zwölf Einzeln am Schlusstag geführt - und letztlich dennoch 13,5:14,5 verloren. Kaymer lochte den entscheidenden Putt ein. Teamkapitän der Gastgeber war Davis Love III. Man schaue nicht zurück, sondern nur nach vorne, so der 52-Jährige, der darauf verwies, dass sein jetziges Team noch nie zusammengespielt habe.
Es hat allerdings mit Phil Mickelson und J.B. Holmes auch nur zwei Profis, die das Gefühl kennen, die begehrte Trophäe zu gewinnen. Bei den Europäern hingegen sind es sechs. Der Ryder Cup sei seit seinem Debüt vor fast 20 Jahren enorm gewachsen, sagt Westwood. Deshalb brauche man einen Mix aus Rookies und Erfahrenen. Doch genug der Vorrede und Verbalattacken. Oder um es mit den Worten von García zu sagen: "Man gewinnt den Ryder Cup nicht mit dem Mund, sondern auf dem Golfplatz. Und wir werden sehen, wer da der Beste ist."
Das sind die zwölf Golfer des US-Teams:
Ryder Cup: Amerikas schlagkräftige Truppe