Tiger Woods: Die Hoffnung heißt Ryder Cup
Ryder Cup Ein Monster aus Matsch, Bier und Menschen
Der Ryder Cup ist ein Monster. Ein Monster aus Matsch, aus Bier und aus Menschen, die, wie am Samstag im walisischen Newport geschehen, an die Grenzen ihrer Belastbarkeit getrieben werden. Der Grund dafür sind kommerzielle Interessen und die Aussicht auf erneut schlechtes Wetter im Celtic Manor Resort. Das ist die Austragungsstätte der 38. Auflage dieses Wettstreits, in dem die besten Golfer der USA und aus Europa sich in einem für den Laien unübersichtlichen Kräftemessen gegenüberstehen.
Dass dieses samstägliche Ryder-Cup-Treiben aus Foursomes und Fourballs auch für den Kenner noch eine Spur unübersichtlicher wurde, daran hatten jene sintflutartigen Regenfälle Schuld, die zum Auftakt der Veranstaltung am Freitag über dem Tal niedergingen, in das der Golfplatz dieses Ryder Cups eingebettet liegt. Exakt sieben Stunden und 18 Minuten wurden so verloren. Wobei Wales, das war auch vor Beginn dieses Ryder Cups bekannt, Anfang Oktober nicht zu jenen Ländern zählt, in denen man das Haus ohne Schirm und Gummistiefel verlassen sollte.
Weil die Turnierverantwortlichen den Ansprüchen der TV-Anstalten und Sponsoren gerecht werden wollen, denen eine mögliche Verlängerung des Ryder Cups auf Montag deutlich weniger Geld einbringen würde als ein Finale am Sonntag, standen die europäischen und amerikanischen Golfprofis am Samstag fast elf Stunden auf dem Platz: Ein Format nach dem anderen wurde regelrecht durchgekloppt, stellenweise gleich zwei auf einmal. Taktisch ausgefeiltes Aufstellungswesen wurde obsolet. Denn alle, die zwei Schuhe und einen Golfschläger in der Hand hatten, mussten ohnehin raus auf den Platz, während an den Spielbahnen sich zuvorderst die männlichen Golffans im braunen Matsch mit Bier aus Plastikbechern durch den Tag tranken.
Montgomeries bizarrer Auftritt
Bizarre Situationen häuften sich. So begingen die Caddies von Edoardo und Francesco Molinari - das italienische Brüderpaar griff am zweiten Tag als Zweierteam für Europa ins Foursomes-Geschehen ein - gleich einen ordentlichen Rookie-Fehler. Die Taschenträger verweigerten die Annahme eines Papiers, das eine geänderte Fahnenposition auf der ersten Spielbahn beschrieb. "Haben wir schon", sagte die Caddies - kurze Zeit später hatten ihre zwei italienischen Chefs das Loch verloren. Und so hart die "Molinari Brothers" auf den folgenden 17 Löchern auch kämpften, am Ende unterlagen sie dem amerikanischen Doppel Zach Johnson und Hunter Mahan mit 2 down.
Den mit Abstand bizarrsten Auftritt allerdings gönnte sich der ohnehin zur großen Mimik eines alternden Boulevardtheaterdarstellers neigende Kapitän des europäischen Teams, der Schotte Colin Montgomerie. Irgendwann, als es draußen dunkel wurde, tauchte "Monty" im Pressezelt auf, ließ dreimal in Folge über Mikrofon seine Bereitschaft verkünden, den Medienvertretern für Fragen zur Verfügung zu stehen. Was er jedes Mal kurz darauf widerrufen ließ. Und als es dann schließlich hieß, Montgomerie stünde jetzt "offiziell" zur Verfügung, da lachten viele der vom langen Tag ebenfalls geschafften Medienmenschen im Pressezelt.
Es war der Höhepunkt eines künstlich in die Länge gezogenen Tages, an dem sich viel ereignet hatte, auch auf dem Golfplatz. An dessen Ende es aber nicht mehr wichtig erschien, dass der Amerikaner Steve Stricker den unfassbar schwachen Tiger Woods durch Fourballs wie Foursomes durchzog und dem Noch-Weltranglistenersten und seiner erbärmlichen Ryder-Cup-Bilanz zwei Punkte schenkte. Tatsächlich blieben, aber auch das passt nur ins wenig transparente Bild dieses Ryder-Cup-Samstags, Stricker und Woods bis zum Abpfiff gegen 18.45 Uhr Ortszeit die einzige Paarung ohne Niederlage.
Kaymer nachlässig, schlechte Aussichten für Sonntag
Auch , wegen seiner berechnenden Spielweise der "Ingenieur" genannt, fügte sich dem Durcheinander. Der Deutsche ließ nach einem Punktgewinn an der Seite des Engländers Lee Westwood mit demselben Partner in den Foursomes entscheidende Putt-Gelegenheiten aus. Statt das Match gegen die Amerikaner Jim Furyk und Rickie Fowler für Europa zu entscheiden, ließ Kaymer es unentschieden enden.
"Wir haben den Amerikanern erlaubt, das Momentum zu kriegen", beschrieb Montgomerie diese Phase des Tages im Celtic Manor Resort, in der die Amerikaner die favorisierten Gastgeber in den Griff gekriegt hatten. Vor der dritten Session des Tages, einem kruden Mix aus zwei Viererformaten, lag das Team von Montgomeries Gegenspieler Corey Pavin mit 6:4 Punkten vorn. "Sie haben die Zuschauermengen leise gekriegt - durch ihr gutes Spiel", sagte Europas Kapitän, "und wir mussten die Zuschauer durch gutes Spiel unsererseits wieder zurück ins Spiel bringen."
Montgomeries Devise setzten seine Spieler am späten Nachmittag eindrucksvoll auf dem Platz um. Sie übernahmen gegen nachlassende Amerikaner in allen sechs Partien umgehend die Oberhand, dabei aber blieb es, denn das Aufholprogramm erwies sich wegen einbrechender Dunkelheit als finalisierbar. Beim Spielstand von 4:6 aus europäischer Sicht werden am Sonntag nicht wie vorgesehen nur die zwölf Einzel über 18 Löcher ausgetragen. Zunächst müssen alle Spieler erst noch einmal ihre vom Vortag offenen Partien in den beiden Vierer-Disziplinen beenden.
Auch dieser neuerliche Kraftakt erschiene machbar, wären für den Sonntag nicht ähnliche Wetterbedingungen prognostiziert, wie sie am Freitag vorherrschten und den seit Jahrzehnten feststehenden Spielplan dieser Golfoper diesmal zu einer Patchwork-Inszenierung machen. Sollte es am Sonntag über dem Celtic Manor Resort erneut zu jenen sintflutartigen Regenfällen kommen, dann würde der Ryder Cup erstmals in seiner 83-jährigen Geschichte um einen Tag verlängert werden müssen. "Es wird weiterhin sehr eng werden", sagte Montgomerie und meinte das Wetter. Er hätte seine Worte aber genauso gut auch auf das sportliche Ergebnis beziehen können.