Ryder Cup: Rastloser Tiger, relaxte Europäer - DER SPIEGEL
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Ryder Cup Rastloser Tiger, relaxte Europäer

Die Ryder-Cup-Spieler haben ihre ersten Bahnen gezogen, um sich mit dem Platz vertraut zu machen. Während das europäische Team bedächtig zu Werke ging, hatten es die US-Amerikaner bei ihrer Übungsrunde extrem eilig.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Birmingham - Dienstag war ein herrlicher Tag auf der "The Belfry"-Anlage bei Birmingahm, als die 24 Ryder-Cup-Spieler, begleitet von ihren Kapitänen und deren Adjutanten, zur ersten Übungsrunde antraten. Die Sonne schien, Schäfchenwolken zogen über den blauen Himmel und ein leichter Wind wehte durch die englischen Midlands. Gut 25.000 Zuschauer verteilten sich auf der Anlage, um die ersten Trainingseinheiten zu verfolgen. Den Anfang machten die Europäer.

Da gingen Thomas Björn und Darren Clarke zusammen über die Fairways, Niclas Fasth und Padraig Harrington verglichen Schlagdistanzen, und Bernhard Langer ließ sich von Sergio Garcia auf dem Grün beraten. "Klar kann man viel in den Paarungen der Übungsrunden lesen. Ich habe einige Spielerkombinationen getestet, die ich für Freitag und Samstag im Hinterkopf habe", gab sich Europas Kapitän Sam Torrance auch gar nicht erst geheimnisvoll, was seine Viererbesetzungen angeht.

Nach den drei europäischen Flights schlugen die Amerikaner ab, um sich mit dem Platz vertraut zu machen. Hier spielten Mark Calcavecchia und Tiger Woods zusammen, ebenso wie David Duval und Davis Love III oder Phil Mickelson und David Toms. Auch Curtis Strange, Ryder-Cup-Kapitän der USA, wollte kein allzu taktisches Geplänkel um seine bevorzugten Teams machen. "Solche Übungsrunden sind wichtig. Ich denke auch, dass dabei in den Kombinationen gespielt werden sollte, die ich mir vorstelle", sagte Strange.

Zwischenfall an Loch drei


Doch bereits am dritten Loch kam es zu einem Zwischenfall, den die beim Ryder Cup in voller Besetzung angetretene britische Presse voller Genugtuung registrierte. Woods, Calcavecchia, Stewart Cink und Paul Azinger, die alle vier hinter Garcia, Langer, Paul McGinley und Jesper Parnevik spielten, waren schon früh des Wartens müde und befahlen ihren Caddies, die Schläger zum achten Loch zu tragen.

Zu akribisch schritten die Europäer vor ihnen die Greens ab, vermaßen Entfernungen zu möglichen Fahnenpositionen und ließen sich überhaupt viel Zeit, wie die Amerikaner fanden. Waren hier erste Manöver von psychologischer Kriegsführung erkennbar? Wollten die "Euros", wie die amerikanischen Spieler ihre Kollegen von der European Tour nennen, den Rhythmus des Gegner durcheinander bringen?

"Ich denke, jeder sollte in dem Tempo trainieren, das ihm liegt", verteidigte Tiger Woods sein Vorgehen, "wir spielen einfach etwas schneller. Langer und die anderen haben sich sogar gegenseitig die Puttlinien gelesen. So etwas machen wir nicht, zumindest nicht an einem Dienstag." Er wolle nur "einen kurzen Blick auf den Platz werfen" und ein wenig Gefühl für die Begebenheiten entwickeln, sagte der Weltranglistenerste. "Dass wir die Spieler vor uns übersprungen haben, sollte nicht nach mangelndem Respekt aussehen", erklärte Woods.

Keinen unnötigen Ärger aufkommen lassen


Torrance jedenfalls war bereits während der Übungsrunde darauf bedacht, das langsame Spiel seiner Teams früh zu entschuldigen. Schon als Phil Mickelson und seine drei Kollegen zum neunten Grün kamen, ging Torrance auf die Amerikaner zu. "Der Fehler lag darin, dass die Gruppen zu nah aufeinander gestartet waren", sagte der Schotte, "man hätte eine halbe Stunde verstreichen lassen sollen, ehe die US-Spieler abschlagen durften, dann hätte es keine Ärger gegeben." Anderseits verteidigte Torrance das Vorgehen seiner Mannschaft: "Es war die erste gemeinsame Trainingseinheit. Klar, dass sich die Jungs Zeit nehmen."

Sergio Garcia, der 22-jährige Spanier, der in diesem Jahr bereits eine Führungsrolle im europäischen Team übernehmen soll, verstand die ganze Aufregung seiner Gegner nicht. "Vielleicht haben sie einfach die Löcher, die sie übersprungen haben, nicht gemocht", scherzte Garcia, "aber man hatte doch den ganze Tag Zeit, da gab es keinen Grund zu hetzen."