Ryder Cup Scherz des Debütanten
Birmingham - Als sich Europas Ryder-Cup-Kapitän Sam Torrance diese Woche für das erste formale Abendessen der Ryder-Cup-Teams zurecht machte, bekam er einen Anruf, der ihm einen mächtigen Schrecken einjagte. An der anderen Leitung war Pierre Fulke, einer der Rookies in seinem Team. Mit zittriger Stimme bat der Schwede um ein Gespräch: "Sam, ich muss dich unbedingt sprechen. Ich habe ein großes Problem. Vielleicht das größte in dieser Woche, ich muss sofort in dein Zimmer kommen."
Torrance verlor nicht viel Zeit, schnappte sich ein Handtuch - er hatte gerade geduscht - und wunderte sich über diesen Notfall. Sollte hier etwa ein Spieler seiner Mannschaft frühzeitig die Nerven verlieren? Dabei wirkte Fulke noch am Anfang der Woche so unterkühlt, als er behauptete, das Theater um den Ryder Cup mache ihm als Debütanten überhaupt nichts aus.
"Was, zum Teufel, ist jetzt geschehen?"
"Als ich die Tür öffnete, stand Pierre völlig bleich vor mir und ich dachte: Was, zum Teufel, ist jetzt geschehen?", beschrieb Torrance die Situation, "dann rückte Fulke mit der Sprache raus: 'Sam, ich schaffe es nicht, meine Krawatte zu binden, du musst mir helfen'." Der europäische Kapitän war auf einen Scherz hereingefallen, zum Gelächter von Fulkes Teamkollegen.
Doch im Vorfeld der 34. Ryder Cups, der am Freitag beginnt, wird nicht nur gescherzt. Am Mittwoch stand erneut eine Übungsrunde an. Diesmal durften die Amerikaner vorneweg spielen, so dass es zu keinerlei Staus auf den Spielbahnen kam. Beim Titelverteidiger spielten diesmal Tiger Woods und der Veteran Paul Azinger zusammen, David Duval und Davis Love III gaben sich Ratschläge. Phil Mickelson war mit David Toms unterwegs. Alles mögliche Paarungen für Freitag.
Eifrig wurde registriert, wer mit wem spielt, und die 25.000 Zuschauern, die auf die Anlage "The Belfry" gekommen waren, brauchten sich über mangelnden Gesprächsstoff nicht zu beklagen. Als Format für die Trainingseinheit wurde der klassische Vierer gewählt: Die Spieler schlagen abwechselnd ab und spielen einen Ball.
"Heute war die einzige Pflichtrunde, die ich von meinen Spielern abverlangt habe", erläuterte US-Kapitän Curtis Strange, "ich wollte, dass alle sich ernsthaft auf den klassischen Vierer konzentrieren. Keine Probeputts, keine Extrabälle. Sie sollten das Gefühl für dieses Format bekommen und unter simulierten Wettkampfbedingungen trainieren." Stranges Konzentration auf den klassischen Vierer kommt nicht von ungefähr. Die ungewohnte Art nur jeden zweiten Schlag machen zu dürfen, ist die größte Umstellung seiner Spieler. Außerdem müssen Paarungen gefunden werden, die die gleiche Ballmarke bevorzugen.
Der US-Kapitän möchte im Gegensatz zu seinen Vorgängern bei diesem Ryder Cup keinen frühen Rückstand hinnehmen. "Es wird zwar eine lange Woche werden, aber ich denke, dass der Freitag für unser Team sehr wichtig sein wird", sagte Strange, "dieser ist der Ausgangspunkt für unser Selbstvertrauen." So wirkte die Trainingseinheit der Amerikaner auch deutlich konzentrierter als noch am Tag zuvor.
"Spannend bis zum Schluss"
Im europäischen Team wurden die Karten ebenfalls neu gemischt. Bernhard Langer spielte diesmal mit Colin Montgomerie, Sergio Garcia war mit Lee Westwood unterwegs. Im letzten Flight trat der irische Vierer (Padraig Harrington/Paul McGinley) gegen den schwedischen (Jesper Parnevik/Niclas Fasth) an.
Dieses Duell stellte sich als hartes Zockermatch heraus, wie Harrington anschließend zu berichten wusste. "Es war ein großartiges Duell, spannend bis zum Schluss, und es ging um etwas Geld. Wenn man mit Jesper unterwegs ist, sind immer unheimlich viele Wetten im Spiel. Ich habe zwar irgendwann den Überblick verloren, wie viele das waren, aber am Ende haben Paul und ich gewonnen", sagte Harrington.
Dem Kapitän einen Eindruck vermitteln
Verraten wollte Harrington nicht, ob das irische Duo auch am Freitag an den Start gehen wird. "Wir wollten unserem Kapitän nur einen Eindruck geben, was möglich ist", ließ sich der Ire, der innerhalb von drei Jahren vom Debütanten zum Schlüsselspieler im europäischen Team reifte, jedoch nicht aus der Reserve locken. "Einige Paarungen wirken ziemlich offensichtlich, andere wiederum etwas schräg. Aber nach drei Trainingstagen dürfte ziemlich klar sein, wer mit wem spielt", fügte Harrington hinzu.
Am Donnerstagnachmittag werden die Paarungen für den Freitagmorgen ausgelost. Bis dahin wird die Spannung unter allen Beteiligten steigen, die Nerven der Spieler zu flattern beginnen und bestimmt weniger gescherzt werden.