Ryder Cup "Über dieses Team wird man ewig reden"
SPIEGEL ONLINE:
Mr. Schofield, was sagen Sie zu der Leistung der europäischen Mannschaft beim 35. Ryder Cup in Detroit?
Ken Schofield: Das war natürlich etwas ganz besonderes. Es ist ein Resultat, das Geschichte gemacht hat. Es ist der höchste Sieg, den ein europäisches Team je erreicht hat (18,5:9,5, Anm. d. Red.). Das Ganze ist eine großartige Bestätigung für Kapitän Bernhard Langer. Ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand jemals daran gedacht hätte, dass ein europäisches Team das erreichen würde, was das amerikanische Team von 1981 beim Ryder Cup in England geschafft hat. Damals sagte man über diese Mannschaft, sie sei die beste aller Zeiten. Elf Spieler, die alle schon oder kurze Zeit später mindestens ein Majorturnier gewonnen hatten. Über das europäische Team von 2004 wird auf ewige Zeiten geredet werden.
SPIEGEL ONLINE: Welche Konsequenzen wird dieser Ryder-Cup-Triumph für die European Tour haben?
Schofield: Es ist das einzige Sportereignis, in dem Europa und die USA gegeneinander antreten. Es hat den Amerikanern und dem Rest der Welt gezeigt, wie stark das europäische Golf inzwischen ist. Es wird etwas dauern, bis sich das kommerziell auszahlen wird, weil die meisten Firmen vorausplanen müssen. Aber in Zukunft werden mehr Sponsoren darüber nachdenken, weiter beim Golf zu bleiben oder neu einzusteigen. Uns allen gibt das Resultat von Detroit einen positiven Schub.
SPIEGEL ONLINE: Sollte Bernhard Langer auch das nächste Mal der Kapitän Europas sein?
Schofield: Die Chance, Bernhard Langer erneut das Kapitänsamt zu geben, würde die European Tour immer in Betracht ziehen. Ich habe mit ihm darüber am Flughafen in Detroit gesprochen, aber was beim Rückflug geschehen ist (Langer hat einen Verzicht angedeutet, Anm. der Red.), ist absolut verständlich. Er ist bei allen Spielern beliebt. Mit der Erfahrung aus zehn Ryder Cups als Spieler, zwei Masters-Jackets und so vielen Turniererfolgen war klar, dass Bernhard ein großartiger Kapitän sein würde. Ich denke, die Spieler haben versucht, ihn zum Bleiben zu überreden. Aber am Ende zählt seine Entscheidung.
SPIEGEL ONLINE: Was war für Sie Langers größter Beitrag als Kapitän?
Schofield: In Detroit haben die Spieler im Laufe der Woche erkennen können, was Langer zu einem großartigen Golfer gemacht hat. Seine genaueste Planung, bei der er wie auf einer Seekarte die Route für einen schwierigen Golfkurs festlegt, das Selbstvertrauen, das er ausstrahlt, und seine Assistenten, die dafür gesorgt haben, dass es auf und neben dem Platz die bestmögliche Kommunikation gab, waren alles Faktoren, die zum Sieg geführt haben. Dazu hat er die Paarungen in den Foursomes und Fourballs perfekt zusammengestellt. Er hat Hal Suttons (amerikanische Ryder-Cup-Kapitän, Anm. der Red.) Schachzug erahnt, Tiger Woods und Phil Mickelson am ersten Tag als Flaggschiff zusammen spielen zu lassen. Mit Padraig Harrington und Colin Montgomerie hat er dagegen gehalten und den Amerikanern ganz schnell die Idee ausgetrieben, Europa gleich zu Anfang zu überrollen. Das psychologische Scharmützel der Kapitäne war von diesem Moment zugunsten von Langer entschieden.
SPIEGEL ONLINE: Was war für Sie die größte Überraschung dieses Ryder Cups?
Schofield: Die Höhe des Resultats. Es ist der höchsten Sieg, den es jemals gegen ein Team der USA gegeben hat. Eine großartige Errungenschaft, wenn man bedenkt, dass der Ryder Cup seit 1927 ausgetragen wird.
SPIEGEL ONLINE: Seit 1975 sind Sie bei der European Tour tätig. Zum Ende des Jahres hören Sie nach 30 Jahren in Ihrer Position als Executive Director auf. Beschreiben Sie doch mal die Entwicklung, die in den letzten drei Dekaden auf der European Tour geschehen ist.
Schofield: Es ist nicht so einfach, 30 Jahre in Worte zu fassen. Aber man kann einen guten Vergleich zu der Entwicklung im Ryder Cup ziehen. Das Match in Detroit war der 15. Ryder Cup in meiner Amtszeit. 1975 war der Ryder Cup in den USA noch völlig bedeutungslos, im Gegensatz zu Großbritannien und Europa. Die US-Fernsehsender waren an der Veranstaltung überhaupt nicht interessiert, von den Amerikanern wurde nur erwartet, dass sie gewinnen, was auch regelmäßig geschah. Der Wendepunkt kam 1979, als entschieden wurde, auch Spieler aus dem restlichen Europa einzubeziehen. Das war wichtig, denn zu diesem Zeitpunkt kam auch die European Tour mit jungen Leuten wie Severiano Ballesteros, Nick Faldo und Bernhard Langer in Schwung. Der Ryder Cup, das europäische Team und die European Tour sind gemeinsam gewachsen und haben sich gegenseitig gestützt. Die größte Veränderung während meiner Zeit auf der European Tour war aber die Ausweitung der Saison.
SPIEGEL ONLINE: Früher dauerte die Saison der European Tour lediglich von Ende April bis Anfang Oktober.
Schoefield: Inzwischen spielen wir zehn Monate im Jahr und überall auf der Welt. Zu Beginn des Jahres in Südafrika, dann in Australien und Asien, später in Europa. Das hilft den Spielern und bietet ihnen Möglichkeiten, sich in verschiedenen Umgebungen zu entwickeln. Auch das Preisgeld ist in den vergangenen 30 Jahren von knapp 600.000 Euro bei 17 Turnieren im Jahr 1975 auf 102,3 Millionen Euro und 45 Events in dieser Saison angestiegen. Die größte Veränderung ist jedoch das gestiegene Interesse am Golfsport. Besonders auf dem europäischen Festland. Das war etwas, was ich immer erhofft und erträumt habe. Die Voraussetzungen für die Zukunft sind gut.
SPIEGEL ONLINE: Worauf muss die European Tour in den kommenden Jahren achten?
Schofield: Die European Tour muss da weitermachen, wo sie stark ist: Den Spielern viele Turniermöglichkeiten zu geben, wo es gutes Geld zu verdienen gibt. Jungen Spielern muss die European Tour Hoffnung und eine faire Chance geben, hier ihre Karriere als Turnierspieler zu beginnen. Die steigende Zahl junger Golfprofessionals ist viel versprechend, ebenso die steigende Sendezeiten in Fernsehen. Wir müssen die großen Turniere weiter groß halten, sodass die besten Spieler ihre Loyalität gegenüber der European Tour beibehalten. Diese Spieler dürfen nicht denken, dass sie nur auf der US-Tour spielen sollten, auch wenn man dort mehr verdienen kann, wenn man gut spielt.
SPIEGEL ONLINE: Wie denken Sie über den Golfsport in Deutschland?
Schoefield: Wenn man die drei derzeitigen Turniere in Deutschland als Beispiel nimmt, kann man feststellen, dass die Zuschauerzahlen beeindruckend sind. Das Publikum ist gut informiert und motivierend. Die Zuschauer kommen regelmäßig und nicht nur wegen ein oder zwei Starspielern. Die Golfszene in Deutschland hat sich in meiner Amtszeit dramatisch verändert. Als ich 1975 das erste Mal zur German Open nach Bremen kam, im Club zur Vahr, einem wunderschönen, alten Golfclub, stand nach einem Regensturm alles unter Wasser und wir mussten einige der Par-4-Löcher zu Par-3s verkürzen. Heute gibt es viel mehr Plätze in Deutschland, die den Anforderungen der European Tour gewachsen sind. St. Leon-Rot hat sich toll entwickelt und ist ein wunderschöner Platz. Die Anlage, auf der die Linde German Masters stattfindet, ist exzellent.
SPIEGEL ONLINE: Und Gut Kaden...
Schoefield: Auch Gut Kaden bei Hamburg, wo die Deutsche Bank Player's Championship nicht mehr im Mai, sondern nun im Juli stattfindet, hat endlich die Möglichkeit, sich in optimaler Verfassung zu präsentieren. Wir haben uns in Monate langen Gesprächen auf einen Termintausch mit dem Nissan Irish Open geeinigt.
SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von den deutschen Spielern?
Schofield: Es gibt einige junge Spieler, die sich in den Vordergrund spielen. Marcel Siem hat auf sich aufmerksam gemacht. Die Hoffnung in Deutschland muss sein, eines Tages einen zweiten Bernhard Langer spielen zu sehen. Das ist natürlich nicht so leicht, aber die Voraussetzungen dafür sind da.
Das Interview führte Andreas Lampert