Sailing Team Germany "Es ist ein langer Weg"
Stanjek (h.) und Kleen im Starboot: ISAF Worldcup Trofeo Princess Sofia vor Mallorca
Foto: Sailing Team GermanyClevere und innovative Marketingkonzepte gibt es im Sportbusiness wie Sand am Meer. Oft werden sie aufwendig vorgestellt und klingen spektakulär, nach kurzer Zeit verschwinden viele aber wieder als hätte es sie nie gegeben. Ähnliches war zu vermuten, als im Sommer 2009 der Deutsche Seglerverband (DSV) zusammen mit rund 30 deutschen Segelclubs das Sailing Team Germany (STG) gründete. Gleichzeitig wurde eine gleichnamige GmbH installiert, die sich um die Vermarktung einer neu gegründeten deutschen Segel-Nationalmannschaft kümmern sollte.
Das Ziel des Konzepts: Segeln breitflächig in die Medien zu bringen, zahlreiche Sponsoren an die neue Nationalmannschaft zu binden und spätestens bei den Olympischen Spielen 2016 wieder sportlich erfolgreich zu sein.
Sozialfonds für Sportler bei finanziellen Engpässen
Laut STG-Geschäftsführer Oliver Schwall hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Aus anfangs fünf Mitarbeiter des Sailing Team Germany sind mittlerweile 16 Personen geworden. Zudem wurden Prozesse und Strukturen effizienter gestaltet. Damit zum Beispiel die leistungsabhängige Förderung der Spitzensegler schneller greift, wurden die Nominierungs- und Zuwendungsverfahren vereinfacht: So mussten erfolgreiche Segler in der Vergangenheit bis zu einem Jahr warten, bis sie vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in den Kader aufgenommen wurden. Das Sailing Team ist nun in der Lage, die Sportler sofort in die Nationalmannschaft aufzunehmen.
Als organisatorische Schaltzentrale wurde zudem eine neue Segel-Akademie in Kiel-Schilksee gegründet. Außerdem setzte die neue GmbH einen Sozialfonds auf, der mit Sponsorengeldern ausgestattet ist und den deutschen Sportlern bei Engpässen finanziell helfen soll.
Sponsoren unterstützen mit neuen Technologien
Auch die wirtschaftliche Situation hat sich deutlich verbessert. Der Jahresetat des deutschen Teams, beläuft sich nach SPONSORS-Informationen derzeit auf rund vier Millionen Euro. 2009 lag er noch bei rund einer Million Euro. Trotzdem bleibt Deutschland in diesem Bereich hinter der führenden Segelnation England etwas zurück. Zwischen fünf und sechs Millionen Pfund (umgerechnet rund 5,7 bis 6,8 Millionen Euro) soll der Etat der Briten liegen.
Mit Audi und SAP werben mittlerweile zwei große Sponsoren auf den Booten der deutschen Segel-Auswahl. Beide Unternehmen investieren nicht nur siebenstellige Euro-Beträge, sondern unterstützen den deutschen Segelsport auch durch Sach- und Technologieleistungen.
Unter anderem entwickelt SAP ein sogenanntes "Stromtool" für die Segelnationalmannschaft, ein Simulationsinstrument, das die Wasserströmungsrichtung und -stärke auf die Minute genau misst und vorhersagt und so die Strategie der Segler optimieren soll. Außerdem wurden zwei Datenbanken programmiert, die das Wissen ehemaliger und aktiver Segler archivieren und künftig den aktiven Seglern zur Verfügung stellen sollen.
3D-Technik für die Medien
Trotzdem sind weitere Sponsoren angesichts des hohen Geldbedarfs der neuen Nationalmannschaft nötig. Viele Sponsoren suchen aber vor allem breitflächige TV-Präsenz. Die kann der deutsche Segelsport bislang nur bedingt vorweisen. Das Sailing Team Germany hat zwar sein angestrebtes Jahresziel von 600 Millionen Medienkontakten bereits Mitte des Jahres deutlich übertroffen, trotzdem ist nach Meinung von Schwall besonders im TV-Bereich "noch viel Luft nach oben".
Gelingen soll die Mediendurchdringung mit einem neuen Broadcasting-Tool, das SAP eigens für das Segel-Nationalteam entwickelt. Damit soll der Segelsport für Zuschauer greifbar und verständlicher und für Medien attraktiver werden. Die Segelboote werden dabei mit GPS-Sendern ausgestattet, die Daten auf einen Server umgeleitet und in eine Software übertragen, um daraus schließlich ein 3D-Bild zu formen. Bei der Kieler Woche im Juni dieses Jahres wurde die neue 3D-Technik erstmals getestet und vorgeführt.
Damit sich die Entwicklungskosten langfristig auszahlen, müssen die produzierten Bewegtbildinhalte aber von Sendern gezeigt werden. Zugegriffen hat bislang aber noch keiner - weder im TV noch im Internet.
Für Schwall ist das kein Grund, nervös zu werden. "Es ist ein langer Weg. Du kriegst eine Sportart nicht innerhalb von so kurzer Zeit gedreht. Dafür braucht man vor allem nationale Heroes", weiß er. "Wenn wir es schaffen, Welt- und Europameistertitel oder sogar eine Medaille bei den Olympischen Spielen zu holen, werden die Sender von allein auf uns aufmerksam. Erst auf die Sportler, und wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, auch auf die gesamte Sportart."
Sportlich Bilanz ziehen will Schwall erstmals 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio. "Erst dann können die ganzen Maßnahmen greifen", sagt er. Und dann entscheidet sich auch, ob das Sailing Team Germany mit den großen Segelnationen mithalten kann oder weiter Englands Heck vor der Nase hat.