Salt Lake City Let the Games begin!
Salt Lake City - 24 Stunden vor der Eröffnungsfeier im Rice-Eccles-Stadium von Salt Lake City (Samstag, 2 Uhr MEZ) feierten mehrere zehntausend Menschen am frühen Freitagmorgen deutscher Zeit in Salt Lake City die Ankunft des Olympischen Feuers. Mit Böllerschüssen und Raketen, festlich geschmückten Straßen und einer Lasershow wurde die Fackel im Zentrum der Hauptstadt des US-Bundesstaat Utah empfangen.
Aber auch die Folgen der Terroranschläge vom 11. September waren nicht nur zu spüren, sondern auch sichtbar. Wie schon beim größten Einzelereignis im US-Sport, dem Super Bowl in New Orleans am vergangenen Wochenende, werden auch die Winterspiele durch ein massives Polizeiaufgebot gesichert. So wurden die Fackelläufer auf ihrem Zug durch die Stadt von Sicherheitskräften eskortiert.
Wer entzündet die Olympische Flamme?
Muhammad Ali hatte die Fackel nach ihrer Ankunft in der neuen Welt am 5. Dezember auf die 21.726 Kilometer lange Reise über den nordamerikanischen Kontinent geschickt. Auf dem Weg in die Olympia-Stadt hatte das Feuer zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft 46 Bundesstaaten durchquert. Rund 11.500 Fackelläufer legten jeweils 400 Meter zurück. Über Weihnachten wurde das Olympische Feuer von Angehörigen der Opfer der Anschläge durch New York transportiert. Ein emotionaler Höhepunkt für das zuletzt vom Terror gebeutelte Land.
Wer als letzter Fackelläufer bei der Eröffnungsfeier ins Rice-Eccles-Stadion einläuft, gilt als das bestgehütete Geheimnis der Spiele. Gemutmaßt wird, dass die Wahl auf einen der Olympiasieger von Lake Placid gefallen ist: Peggy Fleming (Eiskunstlauf) oder Eric Heiden (Eisschnellauf) oder gar - was ein Novum in der Geschichte der Spiele wäre, das amerikanische Eishockeyteam. 1980 holten die US-Boys nach einem legendären Halbfinalsieg über die hochfavorisierten Russen Olympisches Gold in Lake Placid.
"Hannawald und Schmitt sind Athleten, von denen wir Medaillen erwarten"
Unterdessen macht sich die deutsche Delegation Hoffnungen auf einen goldenen Start. Skispringer Sven Hannawald, Eisschnellläuferin Anni Friesinger und Kombinierer Ronny Ackermann sollen dem deutschen Team in den ersten beiden Tagen der XIX. Olympischen Winterspiele den Weg in die Erfolgsspur weisen. "Wir haben eine sehr leistungsstarke Mannschaft. Ich glaube, das Wochenende wird gut verlaufen", sagte Rolf Ebeling, der Leistungssportdirektor im Deutschen Sportbund. Insgesamt wird am Samstag und Sonntag in neun von 78 Wettbewerben um Gold, Silber und Bronze gekämpft.
Im Training unterstrich Sven Hannawald seine Titelambitionen. Selbst auf der von ihm ungeliebten Normalschanze sprang der 27-jährige Vierschanzentournee-Gewinner dreimal Bestweite und ließ den polnischen Weltcup-Spitzenreiter Adam Malysz hinter sich. Auch der viermalige Weltmeister Martin Schmitt war vorne dabei. "Hannawald und Schmitt sind die Athleten, von denen wir die Medaillen erwarten", verkündete Bundestrainer Reinhard Heß, der zudem Christof Duffner und Michael Uhrmann für das Auftaktspringen am Sonntag (16.30 Uhr MEZ) nominierte.
Wird Friesinger erfolgreichste deutsche Olympionikin?
Als Top-Favoritin geht Anni Friesinger im Utah Olympic Oval im ersten Eisschnelllauf-Rennen der Damen über 3000 Meter (Sonntag, 21 Uhr MEZ) an den Start. Im erwarteten Gold-Duell gegen ihre Erzrivalin Claudia Pechstein könnte die 25-Jährige den ersten Schritt auf dem Weg zur erfolgreichsten deutschen Olympionikin machen. "Über viermal Gold denke ich nicht nach. Vier Starts sind vier Chancen", versuchte Anni Friesinger selbst den Druck der Favoritenbürde ein wenig zu mildern.
Die nordischen Kombinierer um den Weltcup-Zweiten Ronny Ackermann hielten sich im Abschlusstraining auf der Normalschanze zurück. Bundestrainer Hermann Weinbuch ließ sich allerdings nicht beunruhigen: "Es sind noch Reserven da." In der "klassischen" Kombination mit zwei Sprüngen am Samstag und dem 15-Kilometer-Langlauf am Sonntag (17 Uhr) wird ein Dreikampf zwischen Ackermann, Felix Gottwald (Österreich) und dem Finnen Samppa Lajunen erwartet.
Beim Olympia-Auftakt im alpinen Skisport, der gleich am Sonntag (18 Uhr) mit der Königsdisziplin Herren-Abfahrt einen sportlichen Höhepunkt bietet, spielt das deutsche Team keine Rolle. Während Weltcup-Dominator Stephan Eberharter (Österreich) im Training auf der "Grizzly"-Piste seine Favoritenrolle unterstrich, war der einzige
DSV-Starter Max Rauffer mit einem Rückstand von über drei Sekunden chancenlos.