+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Karjakin besiegt Caruana und gewinnt das Turnier
Sergej Karjakin wird bei der Weltmeisterschaft gegen Magnus Carlsen antreten. Im Qualifikationsturnier hat er im entscheidenden Duell Fabiano Caruana geschlagen. Der Showdown in Moskau im Live-Blog.
Von
Bernd Schroller
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Bernd Schroller
Daniel King wagt für uns schon einmal einen kleine Vorausschau auf den November:
„Bei einer WM, bei der zwei so spielstarke Kontrahenten antreten, spielen die Nerven eine sehr große Rolle. Karjakin spielt kaltblütig in der Verteidigung, aber er findet oft – so wie heute auch - den richtigen Moment, die Initiative zu übernehmen. Er ist ein praktischer Spieler. Carlsens Stärke ist das Ausnutzen auch nur kleinster Vorteile in seiner Stellung - aber gegen einen herrlichen Verteidiger wie Karjakin wird es nicht so leicht. Das Duell ist sehr ausgeglichen!“
„Bei einer WM, bei der zwei so spielstarke Kontrahenten antreten, spielen die Nerven eine sehr große Rolle. Karjakin spielt kaltblütig in der Verteidigung, aber er findet oft – so wie heute auch - den richtigen Moment, die Initiative zu übernehmen. Er ist ein praktischer Spieler. Carlsens Stärke ist das Ausnutzen auch nur kleinster Vorteile in seiner Stellung - aber gegen einen herrlichen Verteidiger wie Karjakin wird es nicht so leicht. Das Duell ist sehr ausgeglichen!“
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In Russland wartet man seit fast einer Dekade nun auf den nächsten Weltmeister, ein Duell zwischen Karjakin und Carlsen würde in dem schachverrückten Land die Schlagzeilen praktisch von selbst produzieren. Beide sind 1990 geboren, doch Karjakin errang seinen Großmeistertitel schon 2002 im Alter von zwölf Jahren und sieben Monaten. Er hält damit den Rekord als jüngster Schach-Großmeister aller Zeiten. Zweitjüngster Großmeister der Geschichte ist Carlsen, der allerdings bei der Normerfüllung schon fast 14 Jahre alt war.
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Heute beeindruckte Karjakin mit seiner Risikobereitschaft. Obwohl ihm das Remis im Vorwege ja ausreichte, wählte er im Rauser-System eine Variante mit langer Rochade und beidseitigen Chancen. Wie schon so oft in den vergangenen zwei Wochen verteidigte er präziser als sein Gegner den Angriff steuerte und fand in der Zeitnotphase die Kombination zum Turniersieg.
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Als Karjakin zur Turnierhälfte das Klassement anführte, war die Frage im Raum, ob er auch die Nerven für für die Schlussrunden haben würde. Nach seiner Niederlage am Donnerstag gegen Anand schienen die Kritiker Recht zu behalten. der Russe geriet ins Hintertreffen. Doch der 26-Jährige zeigte eine grandiose Schlussvorstellung und beendete das Turnier mit 2,5 Punkten aus drei Partien.
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In London applaudiert auch unser Experte Daniel King: „Fantastische Partie. Karjakin zeigt die besseren Nerven. Auch ohne Caruanas Fehler hätte Weiß vielleicht genügend Gegenspiel gehabt. Aber es war knapp.“
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Das ist die Schlussstellung. Als Fabiano Caruana 42. Td8+ vorgesetzt bekommt, gibt er die Partie auf. Das Matt lässt sich durch ein paar Opfer noch herauszögern, zu verhindern ist es nicht mehr
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Bernd Schroller
Sergej Karjakin gewinnt nicht nur die Partie, er ist auch der Sieger des Moskauer Kandidatenturniers. Der 26-Jährige Russe wird im November Weltmeister Magnus Carlsen herausfordern. Herzlichen Glückwunsch.
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41. Td7+ Kf8 42. Td8+ 1:0
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Caruana schafft zwar die Zeitkontrolle, die Stellung ist aber klar verloren. Diese Partie wird in wenigen Zügen beendet sein. Karjakin muss das nun nur noch noch ganz ruhig runterspielen.
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38. ... Dc7 39. Df5 Tf7 40. Lxf7 De5
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Karjakin findet den Zug und spielt ihn. Caruana muss nun das Matt auf d7 abwehren.
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37. Txd5 exd5 38. Dxd5
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Caruana will den angegriffenen Bauern auf b4 ein zweites Mal decken. Die mitlaufenden Engines bekommen sofort ein nervöses Zucken und spucken 37. Txd5 aus. Danach fliegt die schwarze Stellung auseinander. Nur findet Karjakin diesen mutigen Zug auch am Brett und spielt ihn auch? (Grafik: Chessbase)
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32. ... Db6 33. Th4 Te5 34. Dd3 Lg2 35. Td4 d5 36. Dd2 Te4
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Bernd Schroller
Weiß weicht dem Tausch zweier Türme und der Damen aus. Hier schien Karjakin die Materialvereinfachung im Sinne der erhofften Punkteteilung nicht angebracht, denn die verbleibende starke Bauernstrukur hätten Schwarz gute Chancen im Endspiel geboten,
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Bernd Schroller
30. ... Txe5 31. Tc4 Td5 32. De2
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In unser Partie opfert Karjakin seinen schwachen Zentrumsbauern Bauern auf e5 und hofft nun auf druckvolles Spiel gegen die schwarze Königsstellung. Die Partie geht in ihre entscheidende Phase, beide Seiten haben weniger als eine Viertelstunde bis zur Zeitkontrolle.
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Bernd Schroller
26. ... a4 27. bxa4 Lxa4
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Bernd Schroller
Daniel King sieht in Karjakins Zügen Licht und Schatten: "Sf4 war gut gespielt. Karjakin gruppiert leicht um und die weißen Figuren stehen plötzlich besser koordiniert als die schwarzen. Doch im nächsten Zug reißt er das Errungene gleich wieder ein. Txf4 war falsch! 26 gxf4 hätte das Feld e5 kontrolliert. Nun behält Schwarz seinen positionellen Vorteil."
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Bernd Schroller
Mit dem Läuferzug nach e3 lag dieser Tausch natürlich in der Luft. Der Läufer hat keine echten Rückzugsfelder mehr und ist an die Deckung der Dame gebunden.
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Bernd Schroller
25. . .. Lxf4 26. Txf4
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23. Tf3 Tg4
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Caruana kontrolliert so das Feld d4 und macht die Deckung des Isolanis auf e4 etwas schwerer. Das angedachte Springermanöver über f4 nach d3 wäre so möglicherweise nur unter der Aufgabe des Bauerns zu spielen.
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