Schach-WM: Überfall in Weiß - DER SPIEGEL
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Schach-WM Überfall in Weiß

Mit einer Überraschung endete die zweite Partie der Schach-WM. Nicht der haushohe Favorit und Titelverteidiger Kasparow dominierte am Brett, sondern sein Herausforderer Kramnik.
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London - Herausforderer Wladimir Kramnik hat beim Duell gegen Titelverteidiger Garri Kasparow (beide Russland) nach der zweiten Partie überraschend mit 1,5:0,5 Punkten die Führung übernommen. Der 25 Jahre alte Kramnik hatte am Dienstagabend mit Weiß nach 40 Zügen den ersten Sieg bei dieser Weltmeisterschaft unter Dach und Fach gebracht. Die erste Partie war Remis ausgegangen.

Kramnik hatte das Brettspiel mit dem Damenbauern eröffnet. Kasparow wählte dagegen die Grünfeld-Indische Verteidigung. Im Partieverlauf erreichte der junge Großmeister aus Moskau einen klaren Stellungsvorteil und konnte nach einem Bauernvorstoß im Zentrum einen Bauern am Damenflügel gewinnen. Mit diesem Übergewicht - bei je einem Turm und Läufer - brachte der Herausforderer seinen Gegner in eine aussichtslose Lage. Kasparow befand sich wie schon im Auftaktspiel in extremer Zeitnot und führte seinen 40. Zug nicht mehr aus. Er gab die Partie entnervt auf. Die Zuschauer der "Braingames-Schach-WM"  im Riverside Studio von London waren begeistert und spendeten Kramnik für seine strategisch starke Leistung großen Beifall.

Kramnik hat sich als äußerst schwerer Widersacher des Titelverteidigers entpuppt. Er ist hervorragend vorbereitet. "Kramnik besitzt gegen Kasparow weitaus mehr Chancen als der Brite Nigel Short, der 1993 an gleicher Stelle gegen Kasparow verlor", meinte Englands Großmeister und Turnier-Direktor Raymond Keene. Auch der Inder Viswanathan Anand besaß zwei Jahre später in New York ebenfalls keine Chance gegen den Titelverteidiger. Bei diesem WM-Kampf war Kramnik noch der Sekundant von Kasparow.

Kramnik kann in London als Herausforderer auf ein internationales Trainerteam renommierter Großmeister zurückgreifen. Seine Assistenten sind der Russe Jewgeni Barejew, der Franzose Joel Lautier und der Spanier Miguel Illescas. Sie haben Kramnik vier Wochen lang auf Mallorca auf diesen WM-Kampf vorbereitet. Fitnesstraining mit viel Tennis spielte dabei eine große Rolle. Kasparow stützt sich nur auf russische Sekundanten: Andrej Schakarow, Juri Dochojan, Michail Kobalija und Andrej Charlow.

Der Profi-Weltmeister benötigt acht Punkte zur Titelverteidigung, Kramnik 8,5 Zähler zum Sieg. Nach dem Ruhetag am Mittwoch beginnt Kasparow am Donnerstag den Kampf mit Weiß. Dem Sieger dieser WM winkt eine Siegprämie von zwei Millionen Dollar.

Von Dagobert Kohlmeyer, dpa