Scheidung im Ring Kohl lehnt Klitschko-Vergleich ab
Hamburg - Die Klitschkos wollen definitiv nicht mehr unter der Regie von Promoter Klaus-Peter Kohl boxen. Das erklärten die Brüder am Donnerstag in der dritten Verhandlungsrunde vor dem Landgericht Hamburg. "Die nächsten Kämpfe werden nicht mit Universum Box-Promotion gemacht", sagte Wladimir Klitschko. Beide Seiten streiten sich, um welchen Zeitraum sich die Verträge der ukrainischen Profiboxer wegen diverser Ausfallzeiten verlängern. Während die Klitschkos ihre Verträge am 4. Mai fristlos gekündigt haben, besteht Kohl auf eine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses um mehrere Monate. Eine Entscheidung soll am 5. August verkündet werden.
Der Hamburger Promoter fordert, dass WBC-Weltmeister Witalij Klitschko noch zwei Kämpfe und Ex-Champion Wladimir Klitschko noch einen Kampf für sein Unternehmen bestreiten müssen. In der zweiten Verhandlungsrunde im April hatte das Landgericht festgestellt, dass eine Verlängerungsklausel in den ursprünglich am 30. April 2004 ausgelaufenen Verträgen mit den Klitschkos rechtens ist. Danach verlängert sich das Arbeitsverhältnis der Boxprofis um die Dauer von Verletzungen, Krankheiten und Schutzsperren. Über die Zeiträume (drei Ausfallzeiten bei Witalij, zwei bei Wladimir) haben beide Seiten allerdings sehr unterschiedliche Auffassungen. Ungeklärt ist noch, ob die von den Klitschkos ausgesprochene fristlose Kündigung rechtmäßig ist.
Die in Hamburg und Los Angeles lebenden Brüder schlugen vor, als nächstes jeweils einmal zu kämpfen und den Universum-Stall an den Einnahmen zu beteiligen. "Mit 50 Prozent von dem, was die Universum Promotion erhalten würde, wenn sie den Kampf veranstalten würde", sagte Klitschko-Anwalt Helmut Stange. Der Jurist hatte betont, dass es "keine Dienstverpflichtung und damit keinen Zwang zum Kampf" für die Klitschkos gebe. Egal wie das Urteil laute, könne es damit lediglich zu Schadenersatzforderungen kommen. Wird kein Kompromiss gefunden und sollten sich die Fronten verhärten, könnte sich der Prozess noch Monate oder gar Jahre hinziehen und die weiteren Karrieren der Faustkämpfer empfindlich beeinflussen.
Der Universum-Stall hatte das Klitschko-Angebot, dass dem Vergleichsvorschlag des Richters entsprach, abgelehnt. Sollten die 32 und 28 Jahre alten Ukrainer mit ihrer eigenen Agentur K 2 Abfindungskämpfe veranstalten, hätte Kohl keinerlei Einfluss auf die Wahl des Gegners, den Austragungsort, die Höhe der Börse und die Fernsehrechte. Mit Universum als Ausrichter würden die TV-Rechte beim ZDF liegen. Kohl könnte mit einem Kampf von Witalij Klitschko gegen einen Top-Gegner mehrere Millionen Euro verdienen. Sind aber die Klitschkos Veranstalter, wäre auch ein unbedeutender Aufbaukampf mit sehr bescheidener Börse denkbar. "Eine geldliche Abfindung, über die wir keine Kontrolle haben, ist keine Basis für einen Vergleich", sagte Kohl-Anwalt Peter Raue.