Schmidt-Interview "Das Boot lief von selbst"
Herr Schmidt, wie erklären Sie sich den riesigen Vorsprung, den Sie zwischen sich und die Konkurrenz legten?
Thomas Schmidt:
Ich habe die wenigsten Fehler gemacht. Es ist einfach wahnsinnig gut gelaufen. Ich musste heute gar nicht viel tun, das Boot lief von selbst.
Haben Sie nach ihrer schweren Schulterverletzung vom Vorjahr einmal ans Aufhören gedacht?
Schmidt: Ja, etwa eine Stunde nachdem die Schulter wieder eingekugelt war, hatte ich solche Gedanken. Die Schmerzen waren zwar erst mal weg, aber im Kopf sitzt so etwas tief drin. Das hat lange Zeit gedauert, bis ich das verkraftet habe. Noch vor genau einem Jahr saß ich mit angewinkeltem Arm auf dem Fahrrad-Ergometer, das war das Einzige, was ich mache konnte.
Wann haben Sie erstmals an Olympia-Gold geglaubt?
Schmidt: Im Vorfeld der Spiele habe ich nur mal davon geträumt. Beschäftigt habe ich mich das erste Mal damit nach dem ersten Lauf: Wenn man so nah dran ist, will man die Chance natürlich nutzen.
In Ihrer Abwesenheit hat Ex-Weltmeister Thomas Becker das einzige Olympia-Ticket für Deutschland erkämpft. Sie haben ihn bei der Qualifikation im April aus dem Team befördert. Denken Sie in der Stunde des Erfolges an Ihren Konkurrenten?
Schmidt: Ihm gilt mein herzlichster Dank. Er war für mich lange Zeit das große Vorbild. Ich wusste, wenn ich ihn einmal schlage, dann kann ich in der Weltspitze mithalten.
Glauben Sie, dass die Randsportart Kanu-Slalom durch Ihren Erfolg einen Popularitätsschub in Deutschland erhält?
Schmidt: Schon in den letzten Jahren sind immer mehr Zuschauer an den Augsburger Eiskanal gekommen. Ich denke schon, dass ein solcher Erfolg in diesem tollen Rennen, das die Zuschauer auch vor dem Fernseher einfach begeistert haben muss, zur Erhöhung der Akzeptanz des Slaloms beiträgt.
Was fasziniert Sie am Kanu-Slalom?
Schmidt: Es ist einfach ein Wahnsinns-Sport. Das Spiel mit dem Wasser macht mir unheimlich viel Spaß.
Geführt von Frank Thomas, dpa