Schüttler entzaubert Roddick: "The hard working German" - DER SPIEGEL
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Schüttler entzaubert Roddick "The hard working German"

Obwohl Rainer Schüttler sich problemlos mit den besten Tennisprofis der Welt messen kann, hat er immer noch den Ruf eines "One-Hit-Wonder". Nach dem Sieg über Andy Roddick beim Masters Cup in Houston hat Schüttler jedoch auch die amerikanischen Tennisfans überzeugt. Selbst Ex-Präsident Bush lobte den Hessen in höchsten Tönen.
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Houston - Inzwischen haben auch die Menschen in den USA den Namen Rainer Schüttler parat. Spätestens nach dem Tiebreak-Krimi mit Happy-End über die neue Nummer eins der Tenniswelt, Andy Roddick (USA), hat sich Schüttler auch in Übersee Respekt verschafft. In zwei Stunden und 35 Minuten schlug der in der Schweiz lebende Hesse Roddick mit 4:6, 7:6 (4) und 7:6 (3) und selbst der im Publikum sitzende Ex-Präsident George Bush erhob sich anschließend anerkennend zum Applaus und sprach begeistert von "einer tollen Leistung unseres Freundes aus Deutschland."

"Who's that", hatte die US-Presse noch vor ein paar Tagen gewitzelt, als sie den Deutschen vorstellen mussten. Doch inzwischen hat der vermeintliche Nobody Taten sprechen lassen. "Mir ist egal, was die Leute sagen", gibt sich Schüttler gelassen, was seine Außenwirkung betrifft, "Hauptsache ich gewinne meine Spiele und bin zufrieden."

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Tennis-Masters: Schüttler bezwingt Roddick

Foto: DPA

Wutausbruch im ersten Satz


Nach dem Match gegen Roddick ärgerte sich Schüttler allerdings etwas über die Art und Weise, wie der Sieg zustande kam: "Ich glaube, wir haben beide nicht unser bestes Tennis gespielt." Im ersten Satz unterliefen ihm ungewöhnlich viele Fehler und als Schüttler das fünfte Spiel mit einem Doppelfehler begann, war er anschließend so wütend über sich, dass er zum Frustabbau einen Tennisball ins Publikum feuerte, der knapp neben dem ehemaligen US-Präsidenten einschlug. Erst später fand Schüttler seinen Rhythmus und kämpfte Roddick mit seiner guten Laufarbeit nieder.



"Ich habe mich anfangs total unwohl gefühlt und den Ball nicht richtig getroffen. Es lief nicht viel zusammen", erklärte Schüttler seinen Auftakt voller Selbstbeschimpfungen, die über die Außenmikrophone deutlich zu hören waren. Aus dem mentalen Tief fand er ab Mitte des zweiten Satzes wieder heraus, als er der klar bessere Spieler auf dem Platz war. "Gegen Rainer muss man sich jeden Punkt hart erarbeiten, er bringt fast jeden Ball zurück und kann jedes Tempo gehen", sagte Roddick, "das ist ziemlich beeindruckend."

Unter den widrigen Verhältnissen im kleinen Stadion des Westside Tennis Clubs litten vor rund 5000 Zuschauern beide Spieler gleichermaßen. Der Wind pfiff mit ständig wechselnden Richtungen hinein, der Platz ist uneben. "Es war ein sehr schweres Match für uns beide, wir haben viele Fehler gemacht", sagte Schüttler. In allen drei Spielen, die sie in dieser Saison gegeneinander angetreten sind, hat der Deutsche nun Roddick schlagen können. Eine Bilanz, die dem "hard working German", wie ihn die amerikanische Presse nach dem Spiel bezeichnete, am Ende doch noch ein Lächeln abringen konnte. "Es ist immer etwas Spezielles, wenn man die Nummer eins der Welt gewinnt", freute sich der 27-Jährige, "ich habe seit Jahren hart gearbeitet, jetzt hat sich das alles endlich ausgezahlt."

Halbfinale gegen Agassi


Überzeugender konnte Schüttlers Masters-Premiere wahrlich nicht ausfallen. Als vierter deutscher Spieler nach Boris Becker, Michael Stich und Nicolas Kiefer hat er das Saisonfinale der besten Acht erreicht und verwirklicht, was er selbst angekündigt hatte: "Mein Ziel ist das Halbfinale. Ich weiß, dass ich jeden schlagen kann." Ziel erreicht, Traum erfüllt - ab jetzt kommt die Zugabe. Im Halbfinale wird er auf Andre Agassi treffen, der durch einen 7:6 (10), 3:6, 6:4-Zittersieg gegen den Argentinier David Nalbandian Platz zwei der Blauen Gruppe hinter Wimbledonsieger Roger Federer sicherte.

Dass es nun ausgerechnet gegen Agassi geht, ist eine pikante Ironie des Schicksals. Bei seinem großen Durchbruch in die Weltspitze mit dem Finaleinzug bei den Australian Open im Januar in Melbourne hatte Schüttler im Halbfinale ebenfalls Roddick eliminiert und anschließend im Endspiel gegen Agassi verloren. Anfang August konnte Schüttler Agassi im Viertelfinale von Montreal erstmals schlagen.