Schüttler-Interview "Alles ist schief gelaufen"
Herr Schüttler, vergangenes Jahr erreichten Sie bei den Australian Open das Finale, diesmal sind Sie im Eröffnungsspiel ausgeschieden. Was war mit Ihnen los?
Rainer Schüttler:
Das ist schon extrem bitter. Dieser Monat ist ein Alptraum, alles was schief laufen konnte, ist schief gelaufen. Schlimmer kann es wirklich nicht mehr werden.
Sie lagen gegen Söderling mit 2:0 Sätzen vorn, hatten das Spiel eigentlich im Griff. Warum haben Sie den Faden verloren?
Schüttler: Es war wie in all meinen Spielen in diesem Jahr: Ich hatte Chancen und habe sie nicht genutzt. Söderling hatte nichts zu verlieren, ist mehr Risiko gegangen und immer besser ins Spiel gekommen. Ich habe alles versucht, richtig zu fighten begonnen, aber es ging einfach nichts mehr. Oft wird so ein Spiel in ein, zwei Bällen entschieden.
Sie sind eigentlich als Blitzstarter bekannt - warum
geht zu Saisonbeginn in diesem Jahr alles schief?
Schüttler: 2003 hat mir in Chennai ein Vogel auf den Kopf geschissen, das hat diesmal gefehlt. Im Ernst: Ich habe im letzten Jahr das Masters gespielt, deswegen habe ich die Saisonvorbereitung zwei Wochen später begonnen und mehr Kondition gemacht als Tennis
gespielt. Das soll aber keine Entschuldigung sein, ich habe einfach drei Wochen schlecht gespielt. Es lag auch nicht am Druck, denn eigentlich war ich glücklich, wieder nach Melbourne zu kommen.
Umso schlimmer muss diese Niederlage gewesen sein.
Schüttler: In der Umkleidekabine sind mein Trainer Dirk Hordorff und ein paar Spieler vorbeigekommen. Aber in so einer Situation kann dir wirklich keiner helfen. Da können 1000 Leute vorbeikommen, aber man ist trotzdem allein.
Wie geht es jetzt weiter?
Schüttler: Ich werde ein paar Tage gar nichts machen. Momentan bin ich wirklich nicht motiviert, weiter zu trainieren. Ich nehme den Tennisschläger erst wieder in die Hand, wenn ich Lust drauf habe.
War die Spielpause nach den vielen Turnieren im Vorjahr
einfach zu kurz?
Schüttler: Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Eigentlich will ich als nächste Turniere in Rotterdam und Dubai spielen, aber ich lasse mir das alles noch mal durch den Kopf gehen. Irgendwann werde ich wieder mit dem Training beginnen, um für den Rest der Saison bereit zu sein. Ich hoffe, dass sich dann auch wieder Erfolge einstellen.
Aufgezeichnet von Lars Becker, sid