Schützen: Heulkrämpfe statt Medaillen - DER SPIEGEL
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Schützen Heulkrämpfe statt Medaillen

Statt Tränen der Freude gab es Tränen der Enttäuschung. Nach dem frustrierenden Auftakt bei den Sportschützen nahmen sich die deutschen Athleten gegenseitig ins Visier.
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Sydney - Tränen, Frust und eine verbale Kriegserklärung machten das erhoffte deutsche Schützen-Fest beim Olympia-Auftakt in Sydney zu einem Desaster. Luftgewehr-Weltmeisterin Sonja Pfeilschifter, die nach ihrem enttäuschenden fünften Platz minutenlang von einem Weinkrampf geschüttelt wurde, beklagte einige Stunden später eine "gewisse Ungleichbehandlung" im deutschen Team.

Während die neuntplatzierte Petra Horneber ihren Heimtrainer und Ehemann Ralf mitbringen durfte, sei ihr das verwehrt geblieben. Überhaupt. so Pfeilschifter, wolle sie mit der ungeliebten Teamkollegin derzeit "lieber nicht reden". Horneber hatte den Kleinkrieg der beiden 1,56 Meter großen Persönchen mit einem verbalen Nadelstich eröffnet: "Sonja hat sich diesmal ein besonders intensives Feindbild aufgebaut."

Heiner Gabelmann, der Sportdirektor des Deutschen Schützenbundes (DSB), wiegelte ab: "Ich kann keinen Zoff zwischen den beiden bestätigen. Ralf Horneber hat als bayerischer Landestrainer eine von vier Zusatz-Akkreditierungen bekommen, aber wir können doch beim besten Willen nicht alle Heimtrainer mitnehmen."

Der Frust darüber, dass im Gegensatz zu den Spielen von Atlanta 1996 weder die erste Medaille (Petra Horneber) noch das erste Gold (Christian Klees) für das deutsche Olympiateam heraussprang, leugnete Gabelmann allerdings nicht: "Wir sind enttäuscht, weil wir eine Chance verpasst haben. Eine schnelle Medaille hätte uns wieder mal etwas Aufmerksamkeit verschafft."

Dieses Vorhaben ging daneben, weil die als Favoritin gestartete Pfeilschifter "die Hose gestrichen voll" hatte und Horneber als Neunte sogar das Finale verpasste. Pfeilschifter gab zu, große Angst "vor dem Verlust der Sporthilfe" gehabt zu habe, die sie sich mit einem Platz im Finale weiterhin sicherte. Bronze verpasste sie um 1,3 Ringe, statt der nervelnden Deutschen wurde die US-Amerikanerin Nancy Johnson erste Siegerin von Sydney.

Dem schwachen Auftakt folgte eine Serie deutscher Enttäuschungen. In den Luftpistolen-Wettbewerben stürzten Vizeweltmeister Hans-Jürgen Bauer-Neumaier (Saaldorf) und Artur Gevorgian (Bassum) einträchtig auf den 20. Platz ab, den Anke Schumann (Stockheim) mit ihrem 21. Rang noch "übertraf". Dabei lag sie immerhin 16 Ringe vor der mit traditionellem Tschador angetretenen einzigen iranischen Olympiastarterin Manijeh Kazemi. Im Trap-Wettbewerb verpasste Thomas Fichtner (Idstein) als Neunter das Finale um eine Scheibe, Waldemar Schanz (Mörfelden) wurde 13.

Für den Höhepunkt des ersten Schützen-Wochenendes sorgte der Australier Michael Diamond mit seinem zweiten Trap-Olympiasieg in dem nach ihm benannten Stadion. Luftpistolen-Gold ging an Franck Dumoulin (Frankreich) und die Chinesin Luna Tao.

Von Lars Becker, sid