Schwimm-WM: Chaos nach der Damen-Staffel - DER SPIEGEL
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Schwimm-WM Chaos nach der Damen-Staffel

Ein Skandal-Tag mit Zoff um die Frauenstaffel hat bei der Schwimm-WM für Aufsehen gesorgt. Am Grünen Tisch war das deutsche Damenquartett zunächst vom vierten auf den zweiten Platz vorgerückt, ehe sich Proteste und Gegenproteste jagten.
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Fukuoka - Die Medaillen-Vergabe im Rennen über 4 x 200 Meter Freistil der Frauen bei den neunten Schwimm-WM in Fukuoka ist vertagt worden. Eine Entscheidung will der Weltverband Fina am Donnerstagmorgen bekannt geben. Nach den Disqualifikationen der zunächst erst- und zweitplatzierten Staffeln aus den USA (Frühstart) und Australiens (Formfehler) setzte die Fina nach drei Protesten Verhandlungen an.

Australierinnen feierten zu früh


Die USA und Australien legten Widerspruch gegen die Disqualifikation ein, die nach dem nachträglichen Ausschluss drittplatzierten Japanerinnen protestierten vorsorglich gegen die Rücknahme dieser Entscheidung. Titelverteidiger Deutschland beendete das Rennen auf Rang vier und rückte zunächst hinter Großbritannien an die zweite Position.

Den Australierinnen wurde zunächst die Goldmedaille aberkannt, weil sie bereits im Becken feierten, bevor die letzten Mannschaften angeschlagen hatten. Den Amerikanerinnen war ein Wechselfehler ihrer zweiten Schwimmerin, Natalie Coughlin, vorgeworfen worden, die 0,06 Sekunden zu früh aus dem Block gekommen war.

Meißner mit Silber, Völker holt Bronze


Doch es gab auch Nachrichten sportlicher Natur, die im deutschen Lager für Freude sorgten. Sandra Völker suchte nach ihrem Debakel über 50 Meter Rücken die Wiedergutmachung im Wasser: "Ich habe mich zum Vergessen gezwungen." Am Tag danach stellte sie fest: "So gerädert war ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich hatte Schmerzen im Nacken, wegen des engen Anzugs, aber auch wegen der psychischen Belastung." Über 100 Meter Freistil musste sich die Hamburgerin erst wieder frei schwimmen.

Mit Bronze kletterte sie nach 55,11 Sekunden wieder an Land. Mehr war nicht drin. Ihre Gratulation gehörte Katrin Meißner, die Silber holte: "Mit der Katrin habe ich auf alle Fälle gerechnet. Super, ich freue mich für sie." Die 28-jährige Luftverkehrskauffrau war baff: "Ich habe selbst nicht mehr damit gerechnet, dass ich bei einem so großen Wettbewerb noch mal vorn mitschwimme. Ich kann es noch gar nicht fassen, das muss ich erst einmal verarbeiten." Schneller als sie (55,07) war nur die Niederländerin Inge de Bruijn in 54,18 Sekunden.

Rupprath holt Silber auf der falschen Strecke


Thomas Rupprath aus Uerdingen entschied sich trotz Völker-Pleite für Doppelstart und volles Risiko. "Die 100 Schmetterling sind meine Hauptstrecke, darauf habe ich mich vorbereitet." Das mit dem Rücken-Finale habe sich einfach so ergeben. Das Ergebnis: Als 13. verpasste er zunächst das Finale auf seiner Lieblingsstrecke, danach holte er in 25,44 Sekunden hinter dem Amerikaner Randall Bal (25,34) Silber über 50 Meter Rücken. "Es ist schon eigenartig. Auf meiner Strecke komme ich nicht mal ins Finale, und da, wo ich mich nicht vorbereitet habe, hole ich Silber." Sein am Vortag im Halbfinale geschwommener Europarekord (25,31) hätte dicke zum Titel gereicht. Rupprath: "Ich bin dennoch super zufrieden." Der Chemnitzer Stev Theloke, als Europarekordler nach Fukuoka gekommen und von Rupprath entthront, musste mit Platz vier vorlieb nehmen.

Seine eigene WM schwimmt Australiens Superstar Ian Thorpe, der über 200 Meter Freistil im Duell der Giganten gegen den Niederländer Pieter van den Hoogenband in 1:44,06 mit Weltrekord zur vierten von sieben geplanten Goldmedaillen schwamm. Zehn Monate hatte "Thorpedo" auf die erfolgreiche Revanche für die bittere Olympia-Niederlage von Sydney warten müssen. Die Führung überließ er Hoogenband (1:45,81) nur zwischendurch, am Ende zog er unter dem begeisterten Jubel der 10.000 Besucher mit seinem unwiderstehlichen Spurt auf und davon.

Abschied von Annika


Wasserspringerin Annika Walter (Rostock), 1996 in Atlanta Silbermedaillen-Gewinnerin, verabschiedete sich mit Platz sieben vom Turm von der internationalen Bühne: "Wenn es am schönsten ist, soll man gehen." Nach der Rückkehr aus Fukuoka will die 25-Jährige mit ihrem Freund in Rostock ein Café eröffnen.