Schwimm-WM Männerstaffel holt Bronze
Barcelona - "Das ist der Oberhammer", jubelte DSV-Cheftrainer Ralf Beckmann nach der Bronzemedaille für seine Jungs. Wenige Minuten zuvor hatten Johannes Oesterling, Lars Conrad, Stefan Herbst und Christian Keller völlig überraschend die italienische Staffel im Kampf um Platz drei geschlagen. Auch Conrad konnte sein Glück nicht fassen: "Ganz riesig, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet." Keller war "total happy", und Startschwimmer Oesterling fand es "grausam, ich konnte nicht mehr zusehen". 7:14,02 Minuten war die beste Zeit einer deutschen Staffel seit dem Weltrekord 1987. Gegen die Teams aus Australien (7:08,58) und den USA (7:10,26) war der Rückstand allerdings deutlich.
Dagegen hatte der Methusalem der deutschen Mannschaft über 50 Meter Brust Riesenpech. Der mit 33 Jahren älteste Athlet im DSV-Aufgebot verfehlte Bronze nur um 8/100 Sekunden. Dennoch grämte sich Warnecke nach dem Finale nicht allzu sehr über die verpasste Medaille. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung", so Warnecke nach seiner besten Einzelplatzierung bei einer WM, "schade, dass es kein dritter Platz geworden ist. Ein paar Zentimeter haben gefehlt, der Anschlag ist leider daneben gegangen." Der Arzt aus Bad Cannstatt will jetzt Olympia 2004 in Athen in Angriff nehmen. Weltmeister über 50 Meter Brust wurde der Brite James Gibson vor dem Ukrainer Oleg Lisogor und dem Ungarn Mihaly Flaskay.
Die anderen Schwimmer aus Deutschland waren am Mittwoch vorwiegend in Vorläufen beschäftigt. Sandra Völker zog als Halbfinal-Dritte in 28,79 Sekunden in den Endlauf an diesem Donnerstag ein. "Ich bin voll zufrieden, das ist eine gute Generalprobe." Bestzeit legte Europameisterin Nina Schiwanewskaja (Spanien) mit 28,52 Sekunden vor. "Grundsätzlich hat sie als Weltrekordlerin natürlich die besten Karten", stellte Völker-Trainer Dirk Lange fest, "aber wir haben hier schon viele Überraschungen gesehen."
Unangetastet blieb der Weltrekord von Franziska van Almsick über 200 Meter Freistil. In Abwesenheit der Berlinerin, die trotz erfolgreicher Qualifikation auf eine WM-Teilnahme verzichtet hat und derzeit ein Schulterverletzung auskuriert, holte sich Alena Poptschanka aus Weißrussland in 1:58,32 Minuten den Titel. Der Weltrekord von Franziska van Almsick liegt bei 1:56,64 Minuten.
Die Baunatalerin Annika Mehlhorn, in Fukuoka WM-Zweite, erreichte das Finale über 200 Meter Schmetterling. Eine Fußverletzung und dazu noch eine Erkältung haben sie in der Vorbereitung weit zurückgeworfen. "Mir fehlt das Training. Mit einer Woche mehr sähe das schon anders aus."
Weltmeister über 200 Meter Schmetterling wurde der erst 18 Jahre alte Amerikaner Michael Phelps. Über 100 Meter Freistil will der niederländische Weltrekordler Pieter van den Hoogenband Australiens Superstar Ian Thorpe den Weg zum dritten Einzel-Titel verbauen. Mitmischen will auch Alexander Popow. Der 31 Jahre alte Russe, Doppel-Olympiasieger 1992 und 1996, zog als Halbfinal-Zweiter hinter van den Hoogenband locker in das Finale ein. Thorpe musste sich zumindest im Semifinale mit Rang drei begnügen. Torsten Spanneberg (Berlin) und Stefan Herbst (Leutzsch) verpassten den Endlauf, Spanneberg nur um 1/100 Sekunde.