Schwimmen Ärger um hautenge Wunderanzüge
Athen - Die klassische Badehose hat im Schwimmbecken bald ausgedient. Immer mehr Athleten setzen auch bei der Kurzbahn-Weltmeisterschaft in Athen auf Ganzkörper-Anzüge oder Radlerhosen aus High-Tech-Material. Ging es lange Jahre darum, so wenig Stoff wie möglich am Körper zu tragen, sollen nun wie zu Ur-Omas Zeiten möglichst nur noch Hände und Füße unbedeckt bleiben. Australiens Schwimm-Star Ian Thorpe markierte etwa seinen Fabelweltrekord über 200 Meter Freistil (1:41,10 Minuten) beim Weltcup in Berlin in einem solchen "Full-Body-Suit". Der Stoff gleitet angeblich besser durch das Wasser als die menschliche Haut. Neil Walker (USA) reichte am ersten WM-Tag dagegen eine schnöde Hose, um den 50-Meter-Rücken-Weltrekord gleich zweimal zu verbessern.
In Athen stellte nun das Unternehmen Speedo, unter anderem Ausrüster des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) sowie der Teams aus den USA, Australien und Russland, seinen neuesten Anzug vor und löste eine heftige Debatte über die Chancengleichheit im Becken aus. Offenbar waren die markigen Sprüche bei der Präsentation, die an die Enthüllung eines Formel-1-Renners erinnerte, mehr als der übliche Werberummel. Denn der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Australien, John Coates, warnte den australischen Schwimmverband davor, die "Fast Skin"-Anzüge bei den Olympischen Spielen in Sydney zu tragen.
Schwimmer, die keinen solchen Anzug hätten, könnten protestieren, "dann würden die Entscheidungen um Medaillen am grünen Tisch fallen und nicht im Schwimmbecken", warnte Coates, der seine Sorge mit den Regularien des Weltverbandes Fina begründete. Darin heißt es, dass kein Schwimmer etwas tragen oder benutzen darf, dass seine Geschwindigkeit oder Ausdauer in einem Rennen verbessert.
Am Freitag gab die Fina, deren Hauptsponsor im Übrigen der Speedo-Konkurrent Arena ist, eine offizielle "Badeanzug"-Erklärung heraus. Die neue Technologie bei den Ganzkörperanzügen stimme mit den Fina-Regeln überein, heißt es. Hintergrund der Diskussion ist die besondere Oberflächenstruktur der über 600 Mark teuren Speedo-Anzüge, die der Haut eines Hais nachempfunden ist und die Gleitfähigkeit nach Herstellerangaben um 7,5 Prozent verbessern soll. Diese Technik ist jedoch alles andere als neu. Seit längerem schon werden Tragflächen von Flugzeugen und Rümpfe von Regattayachten mit Folien beklebt, deren Oberfläche der rauen Haihaut nahe kommt, um den Reibungswiderstand zu verringern.
Seit Jahren rasieren sich die Schwimmen die Haare vom Körper, um schneller zu sein. Nun kam eine Studie zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Athleten zwar schneller werden, die fehlenden Haare als Grund aber ausfallen. Allein der Glaube an die Wirkung, so vermuten die Wissenschaftler, macht die Schwimmer schnell.