Schwimmer-Aufstand: Rupprath schließt sich an - DER SPIEGEL
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Schwimmer-Aufstand Rupprath schließt sich an

Die deutschen Schwimmfunktionäre geraten immer stärker unter Druck. Nach Hannah Stockbauer kritisiert nun auch Thomas Rupprath Verband und NOK vehement. Der Weltmeister vermisst Konzepte und beklagt eine immense Geldverschwendung.
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Hamburg - "Hannah hat recht", sagte Rupprath der "Bild"-Zeitung, "wenn man siegt, hauen die Funktionäre dir auf die Schulter. Wenn man verliert, hacken sie auf dir rum." Stockbauer hatte zuvor Cheftrainer Ralf Beckmann und NOK-Präsident Klaus Steinbach aufgefordert, nicht länger "auf den Athleten rumzutrampeln und zu erzählen, wie viele Millionen eine Medaille kostet".

Nach den Aussagen der beiden Schwimmer müsse die Geldverteilung beim Deutschen Schwimmverband (DSV) geändert werden. "Ich frage mich, warum so viele Funktionäre mit nach Athen gereist sind. Die gewinnen schließlich keine Medaillen", so Rupprath, "dieses Geld könnte man doch wirklich besser einsetzen, zum Beispiel in der Jugendförderung oder für hauptamtliche Trainer. Wir Schwimmer fragen uns oft, warum so viel Geld einfach rausgeschleudert wird."

DSV-Präsidentin Christa Thiel jedoch widerspricht dieser Behauptung. Sie wisse nicht, ob sich Thomas Rupprath vor den Spielen so intensive Gedanken über die Jugendförderung im Verband gemacht habe. Der Verband habe das Geld, dass er zur Verfügung hatte, in erster Linie in die Trainingsmaßnahmen der Athleten gesteckt: "Ich habe immer gesagt: Jeden Euro für die Athleten. So haben wir uns auch verhalten."

Besonders die Doppelbesetzung auf dem DSV-Chefcoachposten stört Rupprath und Stockbauer. "Wir haben neben Beckmann mit Manfred Thiesmann noch einen Bundestrainer. Ich habe nichts gegen die beiden persönlich, will auch nicht ihre Arbeit in Abrede stellen. Aber es stellt sich doch die Frage: Warum kann diesen Job nicht einer allein machen?", sagte Rupprath und stieß damit in die gleiche Kerbe wie Stockbauer.

"Ich bin kein dummes Mädel"

Der Weltmeister von Barcelona 2003, der gestern seinen Wechsel von Wuppertal nach Hannover bekannt gegeben hatte, geht mit seiner Unterstützung für Stockbauer aber noch weiter. "Anstatt so vehement eine Entschuldigung zu fordern, sollte man Hannah anbieten, sich mit ihr an einen Tisch zu setzen und über konstruktive Lösungen nachzudenken. Das wäre sinnvoller", fordert der 27 Jahre alte Rupprath die Funktionäre auf.

Stockbauer hatte am Montag im Bayerischen Fernsehen eine Entschuldigung abgelehnt. "Ich bin kein dummes Mädel", sagte sie. "Beckmann zum Beispiel kommt vier Tage ins Trainingslager in die Sierra Nevada und zwei Tage davon macht er Urlaub. Er kann gar nicht beurteilen, wie ich trainiere", hatte die fünfmalige Weltmeisterin gesagt, "dass uns Sportlern die Schuld gegeben wird, ist eigentlich eine Frechheit."

Christa Thiel wies die Kritik abermals zurück: "Sowohl Thomas Rupprath als auch Hannah Stockbauer haben sich weitgehend unabhängig vom Verband auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Die Trainer der beiden waren in Athen vor Ort. Ich kann nicht verstehen, warum nun Beckmann und Thiesmann diejenigen sein sollen, die allein die Fehler gemacht haben. Wir haben uns nichts vorzuwerfen." Die bevorstehende Trainertagung des Verbandes will Thiel nutzen, um die Konfrontation mit den Athleten aus der Welt zu schaffen.