Segel-Ass Spithill Der rote Korsar startet durch
Hamburg - James Spithill lässt seine Gegner alt aussehen. Der 27-jährige Australier ist der jüngste Steuermann der vier Halbfinalteilnehmer des Louis Vuitton Cups. Er gilt als das größte Matchrace-Talent des Jahrzehnts. Bekannt und gefürchtet sind vor allem seine bissigen Angriffsmanöver. Das hat der rothaarige Spithill bei den Wettfahrten gegen BMW Oracle besonders bei forschen Vorstarts gezeigt. Teilweise führte er Chris Dickson, den 17 Jahre älteren Oracle-Skipper, regelrecht vor. Vor dem letzten Vergleich musste Dickson daher sogar das Steuer räumen. Nach dem 5:1-Sieg über BMW Oracle gilt die italienische Luna Rossa ("der rote Mond"), jetzt als erster Anwärter auf das Duell mit der Schweizer Alinghi um den America's Cup. Trotz des Triumphs über die US-Kampagne, die mit geschätzten 150 Millionen Euro über das höchste Budget aller Herausforderer verfügt, und unzähliger Lobeshymnen bleibt James Spithill - den man ob des Kaperzuges gegen BMW Oracle auch den "Roten Korsaren" nennen könnte - bescheiden. "Unser Erfolgsgarant ist unsere Mannschaft", sagte er nach dem Halbfinale, "wenn du so sehr an ein Team glaubst, dann gibt das auch dir selbst noch einmal einen extra Schub." Und dieser Schub hat dafür gesorgt, dass erstmals seit Einführung der Herausforderer-Runde im Jahre 1983 kein amerikanisches Team in das Finale des Louis Vuitton Cups einzieht.
Spithill segelte beim Sydney-Hobart-Race 1998 bereits als 19-Jähriger seine Yacht auf den dritten Platz. Und das bei starkem Sturm, in dem fünf Boote sanken und sechs Seeleute ertranken. Zwei Jahre später feierte er seinen Einstand beim America's Cup. Mit einem alten Boot und einer jungen Crew, die noch nie eine 24 Meter lange Yacht gesegelt hatte, belegte der Australier zwar nur den vorletzten Platz. Mit zahlreichen gewonnenen Starts machte er jedoch auf sich aufmerksam. Seit drei Jahren gehört Spithill zum Team der Luna Rossa. Außerhalb des America's Cup holte er 2005 die Weltmeister-Titel in der Melges-24-Klasse und im Match-Racing.
Das Geheimnis seines Erfolgs mag in der Herkunft von Spithill liegen. Aufgewachsen ist er auf der Insel Pittwater bei Sydney. "Ich musste mit dem Boot zur Schule und zum Supermarkt fahren. Ich musste segeln lernen. Es war die einzige Möglichkeit, um irgendwo hinzukommen", sagte der Australier. Ins Finale um den Louis Vuitton Cup ist Spithill bereits gekommen. Nach dem Ruhetag heute kann er morgen in aller Ruhe seinen Gegner anschauen. Im zweiten Halbfinale führt Team New Zealand vor der siebten Wettfahrt 4:2 gegen Desafío Español. Am 1. Juni beginnt für ihn der Kampf um das Recht, Alinghi herausfordern zu dürfen.
wit/sid/dpa