Segelrekord: Allein gegen Wind und Wellen - DER SPIEGEL
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Segelrekord Allein gegen Wind und Wellen

Ein Boot wie ein Expresszug, konstruiert für 18 Personen Besatzung, manövriert von einer einzigen Frau: Die Engländerin Denise Caffari umsegelte als erste Frau die Welt von Ost nach West - entgegen der vorherrschenden Windrichtung.
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Hamburg - Nein, eine einfache Weltumsegelung sollte es nicht sein. Das wäre ja keine echte Herausforderung. Denise "Dee" Cafarri wollte es richtig wissen und beschloss etwas bislang Einmaliges zu leisten: als erste Frau die Welt allein und non-stop gegen die vorherrschende Windrichtung zu umsegeln. "Ich will das letzte Ziel, das im Segeln noch nicht erreicht wurde, als erste verwirklichen", sagte die 33-Jährige und stürzte sich im November vergangenen Jahres nach intensiver Vorbereitung in das wohl größte Abenteuer ihres Lebens.

Schon wenige Tage später wurde ihr die Brutalität ihres Unternehmens endgültig bewusst, wie sie in ihrem Tagebuch schildert: "Letzte Nacht fühlte ich mich, als säße ich in einer dunklen Achterbahn. Da war kein Mond, keine Sterne, nicht das geringste Licht von draußen. Über mir nur bedrohliche Sturmwolken und ich konnte nicht weiter als meine eigene Nase sehen. Der Windgeschwindigkeit lag bei 133 Kilometern pro Stunde. Mein Boot war wie ein Expresszug, den ich nicht stoppen konnte."

Am nächsten Morgen, ihr Körper geschunden vom Kampf gegen die Naturgewalten und mit zahlreichen Prellungen versehen, habe sie sich wie eine alte Frau über das Boot bewegt, berichtete Caffari weiter. Heute, 178 Tage nach ihrem Aufbruch, kehrte sie zu ihrem Ausgangspunkt zurück und überquerte die offizielle Ziellinie bei The Lizard, England.

Hinter Caffari, die Lehrerin war, bevor sie Profiseglerin wurde, liegen etwa 29.000 Meilen Solosegeln. 29.000 Meilen gekennzeichnet von Einsamkeit, viel zu wenig Schlaf und großen körperlichen Strapazen. "Es ist unmöglich zu erklären, was ich fühle", sagte die Engländerin kurz vor ihrer Zielankunft, "es ist alles noch etwas unwirklich und der Marathon hinter mir scheint fast ein wenig unscharf."

Ihr Boot "Aviva", mit einer Länge von über 21 Metern und einem Großsegel von 112 Quadratmetern Fläche, war eigentlich für eine Besatzung von 18 Personen konstruiert worden. Für Caffari wurde es so umgebaut, dass es von ihr alleine zu bedienen ist. Unterstützung erhielt die Engländerin während ihrer Tour von ihrem Festland-Team, dem Segel-Legende Sir Chay Blyth als Projektdirektor vorstand.

Das Team versorgte sie mit meteorologischen Daten, berechnete Routen und leistete psychologische Unterstützung. So wurde möglich was zuvor keiner Frau gelungen ist. Und das in einer Zeit, die selbst für viele Männer kaum zu erreichen ist. Der deutsche Segler Wilfried Erdmann legte die Distanz 2001 in 343 Tagen zurück. Am schnellsten war bislang Jean Luc van den Heede. Der französische Profi umsegelte die Welt 2004 entgegen der vorherrschenden Windrichtung in sensationellen 122 Tagen und 14 Stunden. 

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