Serena Williams in Wimbledon Ist der Jahrhundertrekord für sie noch zu erreichen?
Serena Williams beim Training in Wimbledon
Foto: Peter Klaunzer / DPAAuch in diesen Tagen wird viel über sie gesprochen. Serena Williams beherrscht die Gesprächsthemen im Vorfeld von Wimbledon zumeist auch dann, wenn sie noch gar nicht vor Ort ist. Medien und Tennisfans spekulierten, in welchem Outfit sie in London wohl spielen würde. Die US-Amerikanerin hatte mit ihren Outfits bei großen Turnieren in den vergangenen Jahren oft Zeichen setzen wollen. Unter anderem mit dem heute noch viel diskutierten "Cat Suit".
Williams bestimmte zuletzt eher abseits des Platzes die Schlagzeilen. Etwa als sie Dominic Thiem nach einer frühen Niederlage bei den French Open auf einer Pressekonferenz von seinem Platz vertrieben hatte. Als Hochzeitsgast ihrer guten Freundin Caroline Wozniacki oder etwa, als sie in der Forbes-Liste der reichsten Sportler der Welt als einzige Frau in den Top 100 auftauchte. Die mittlerweile 37-Jährige äußert sich vermehrt zu gesellschaftlichen Themen wie Rassismus und Gleichberechtigung. Etwas unterzugehen droht dabei ihre sportliche Krise.
Williams ist in der Weltrangliste auf Rang elf gerutscht, in diesem Jahr hat sie lediglich zwei Turniere beenden können, ohne verletzungs- oder krankheitsbedingt aufzugeben. In Paris wirkte sie bei ihrer Drittrundenniederlage gegen die 17 Jahre jüngere Sofia Kenin phasenweise chancenlos. Auch Barbara Rittner, Teamchefin des deutschen Fed-Cup-Teams und Eurosport-Expertin, merkte an, dass Williams sich mit ihrem Turnierplan womöglich "verzockt" habe.
Viele Verletzungen, keine Spielpraxis
In der Tat ist die Saisonplanung von Williams - um es freundlich auszudrücken - etwas optimistisch ausgelegt. Ihre bisherigen Ergebnisse lesen sich ernüchternd:
- Viertelfinal-Aus bei den Australian Open
- Aufgabe in ihrer Drittrundenpartie in Indian Wells
- Aufgabe vor ihrer Zweitrundenpartie in Miami
- Aufgabe vor ihrer Zweitrundenpartie in Rom
- Drittrunden-Aus bei den French Open
Serena Williams plagt sich seit Monaten mit einer hartnäckigen Verletzung am linken Knie herum. Hinzu kam eine Viruserkrankung im Frühling, die sie länger als erwartet außer Gefecht gesetzt hatte. In ihrer aktuellen Verfassung zählt sie nicht zu den Topfavoritinnen auf den Sieg in Wimbledon. Dabei wäre ein weiterer Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier historisch.
Im 24. Jahr ihrer Karriere könnte Williams ihren 24. Sieg bei einem der vier großen Turniere einfahren. Damit würde sie mit der legendären Margaret Court gleichziehen. Die Erfolge der Australierin fielen jedoch in eine Zeit, in der die Konkurrenz bei Weitem nicht so groß war wie heute. Williams wäre dann die erfolgreichste Spielerin der "Open Era" (seit 1968) - und nicht wenige Experten glauben, dass dies der einzige Grund sei, weshalb sie noch auf dem Platz steht.
Tennis: Die erfolgreichsten Spielerinnen der Geschichte
Doch ist sie auch bereit dafür? Ihr langjähriger Coach, Patrick Mouratoglou, hatte nach dem Aus in Paris gesagt, dass sie dies "ganz offensichtlich" nicht gewesen sei.
Kerber, Halep, Osaka - die Konkurrenz schwächelt
Im September wird Serena Williams 38 Jahre alt, ein Alter, in dem ein Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier immer unwahrscheinlicher wird. Dass sie etwas ändern muss, war Williams nach dem Paris-Fiasko schnell klar. "Ich habe definitiv zu wenig Matches gespielt. Vielleicht versuche ich, eine Wildcard zu bekommen für eines der Rasen-Turniere, und dann sehen wir, was passiert", sagte die US-Amerikanerin. Auch Boris Becker riet der siebenfachen Wimbledon-Siegerin, im Vorfeld möglichst viele Matches zu spielen. Doch dazu kam es nicht.
Erneut geht Williams bei einem der großen Turniere an den Start, ohne sich entsprechend darauf vorbereitet zu haben. Der Verdacht liegt nahe, dass sie auch in London nicht bereit sein wird. Auch nicht auf ihrem geliebten Rasen, dem Belag, der ihrem druckvollen Spiel so entgegenkommt. Als Nummer elf der Welt drohen ihr früher als sonst harte Lose.
Und doch würde sie wohl kaum antreten, wenn sie sich nicht eine minimale Restchance ausrechnen würde. Ihre Hoffnung dürfte auch in der Schwäche der Konkurrenz liegen. Naomi Osaka präsentiert sich seit der Trennung von ihrem deutschen Trainer Sascha Bajin in einer Formkrise. Sowohl Simona Halep als auch Angelique Kerber, gegen die Williams im Vorjahr im Finale verlor und auf die sie diesmal schon im Achtelfinale treffen kann, warten 2019 noch auf einen Turniersieg. Lediglich die neue Weltranglistenerste Ashleigh Barty überzeugte zuletzt mit konstanten Leistungen.
Barty gilt es aktuell zu schlagen. Die Australierin hat in diesem Jahr 32 Spiele mehr bestritten als Williams. Momentan kann Williams wohl nur darauf hoffen, dass die 23-Jährige nach zwei Turniersiegen in Folge irgendwann müde wird.