Sieg gegen Mazedonien: Schöne Aussichten - DER SPIEGEL
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Sieg gegen Mazedonien Schöne Aussichten

Von null auf hundert in 24 Stunden: Am Dienstag saß Christian Schöne noch ahnungslos auf dem Sofa, am Mittwoch war der Rechtsaußen einer der Matchwinner beim wichtigen Sieg der DHB-Auswahl gegen Mazedonien. Mit einem Erfolg gegen Polen ist nun sogar das Halbfinale realistisch.
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Der Mann des Abends gab sich bescheiden: "Ich bin nicht der Typ, der sagt, das war mein Spiel", flüsterte ein verschwitzter Christian Schöne nach dem 33:23 (14:13)-Erfolg im vorletzten Gruppenspiel gegen Mazedonien in zahlreiche Mikrofone. Dabei hätte er diesen Sieg und den damit verbundenen vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde zum großen Teil sogar für sich beanspruchen können, ohne dabei überheblich zu wirken. "Vor 24 Stunden saß ich noch zu Hause auf dem Sofa", lachte der Rechtsaußen von Frisch Auf Göppingen und schüttelte dabei den Kopf, als könnte er seine eigene Geschichte selbst noch nicht ganz glauben. "Eigentlich sollte ich Mittwoch sowieso nach Kroatien fliegen, allerdings mit Göppingen ins Trainingslager", so Schöne. Daher sei die Tasche schon gepackt gewesen: "Ich habe dann schnell ein bisschen umgepackt, die Vereinssachen gegen die Nationalmannschaftskleidung getauscht", sagte der etwas schüchterne 27-Jährige und freute sich: "Das ist für mich ein von-Null-auf-hundert-Erlebnis."

"Ich werde keinen Spieler mehr nachnominieren", hatte Bundestrainer Heiner Brand noch am Dienstag versichert, schließlich werde "der Schröder ja wohl noch die zwei Spiele durchhalten", hatte Brand am Mittag gescherzt. Doch wenige Stunden später wurde es ernst. "Am Nachmittag klopfte es an meiner Tür, und da stand der Halli dann mit der Nachricht", so Brand. "Die Nachricht", die Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier überbrachte, war der Ausfall von Stefan Schröder. Der Hamburger war bis Dienstag der einzige Rechtsaußen in Brands Kader, nachdem Christian Sprenger sich bereits früh im ersten Spiel mit einem Innenbandriss verabschiedet hatte. Schröder wiederum meldete sich gestern krank: Eine Grippe machte einen Einsatz im so wichtigen vorletzten Gruppenspiel unmöglich.

Brand, der noch einen Spieler während der Vorrunde nachnominieren durfte, hatte die Wahl zwischen Routinier Florian Kehrmann (31 Jahre) vom TBV Lemgo und dem vier Jahre jüngeren Schöne. Über die Rechtsaußenposition im DHB-Team schrieb die "Süddeutsche Zeitung" heute offenbar in weiser Vorausahnung: "Auf dieser Position spielte seit ungefähr 1492 stets Florian Kehrmann."

Brand entschied sich trotzdem für Schöne - oder genau deswegen. "Ich habe mich entschlossen, den Weg, den ich für mich entschieden habe, weiterzugehen", begründete Brand die Einladung Schönes. Der Bundestrainer will dem Team nach und nach ein neues Gesicht geben, mit jungen, frischen Spielern.

Diese Entscheidung erwies sich als Volltreffer. Schöne stieg am Dienstagmorgen um 10 Uhr in Stuttgart in den Flieger nach Zagreb und war drei Stunden später schon beim Team. "Er ist mitten in meinen Mittagsschlaf geplatzt", sagte Abwehrchef Oliver Roggisch und flachste, "leider sind damit die Tage meines Einzelzimmerdaseins gezählt." Dann wurde der Rhein-Neckar Löwe, der eine starke Partie zeigte, wieder ernst: "Was Christian unter diesen Bedingungen geleistet hat, war unglaublich. Ein Riesenkompliment."

Dieses hatte sich Schöne ohne Einschränkungen verdient. Nach einem gemeinsamen Essen und einer kurzen Videoanalyse fand sich der Blondschopf auch schon in der Halle von Varaždin wieder, die fest in mazedonischer Hand war. Schon in der ersten Hälfte sorgte Schöne für Schwung und riss auf seiner rechten Angriffseite auch gleich noch den bis zum Mazedonien-Spiel eher enttäuschenden Holger Glandorf mit, der am Ende mit neun Treffer zum Spieler des Spiels gewählt wurde.

Bis zur Pause hatte Schöne drei von vier Versuchen im gegnerischen Tor untergebracht und damit den Totalausfall des linken Rückraumspielers Pascal Hens kompensiert, der seinen ersten und einzigen Treffer in der 51. (!) Minute warf. Am Ende der Partie hatte Schöne acht von neun Versuchen versenkt und kam auf eine sensationelle Trefferquote von 89 Prozent. "So eine Quote hatte ich in der Nationalmannschaft noch nie, jetzt muss ich versuchen, Konstanz in mein Spiel zu bringen", sagte Schöne. Zudem liefen zum ersten Mal im vierten Gruppenspiel die Tempogegenstöße rund. Dank Schöne.

Mit diesen einfachen Toren hatten die Deutschen den Gegner zu Beginn der zweiten Hälfte immer mehr unter Druck gesetzt, bevor sich nach 45 Minuten und 25 Sekunden die vorentscheidende Szene ereignete. Mazedoniens überragender Torschütze und Lenker Kiril Lazarov sah vom tschechischen Schiedsrichtergespann nach einer Tätlichkeit gegen Linksaußen Dominik Klein die Rote Karte. Bis dahin hatte er neun von 20 mazedonischen Toren geworfen.

"Ich habe ihn erfolgreich am Torwurf gehindert, da hat er mir seinen Ellbogen in die Fresse gerammt. Tschuldigung, aber das kann man nicht anders beschreiben", rechtfertigte der Kieler Klein seine derbe Wortwahl. Lazarov sprach nach dem Spiel von einer Fehlentscheidung. Mit seiner Herausstellung war der Widerstand der Mazedonier gebrochen, Deutschland spielte die Zeit konzentriert runter und tat dabei sogar noch etwas fürs Torverhältnis.

"Das kann am Ende wichtig sein", sagte Torhüter Johannes Bitter, der schwach begann, sich aber zum Ende des Spiels deutlich steigerte. "Wenn wir morgen gegen Polen gewinnen, gehen wir mit einer realistischen Chance auf das Halbfinale in die Hauptrunde", rechnete Bitter vor. Bundestrainer Brand erwartet bei der Neuauflage des WM-Finales (29:24) am Donnerstag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein schwereres Spiel als gegen Mazedonien. "Die Polen sind Favorit", so Brand, der darauf hofft, dass Schöne auch Donnerstag wieder ein Stück Geschichte schreibt.